Gedanken

Seid Punkrocker, keine Hippies!

Es mangelte nicht nur an Qualität, nein, ganz banal auch an Quantität und allein pogen bringt den Saal nicht zum kochen. So blieben die Töne eher jazzig, und damit oft seltsam unmotiviert vereinzelt im Raum stehen. Die Massen waren nicht gekommen, und die Individuen lehnten an den Türbalken und Wänden, fragten höchstens nach dem Weg zur Toilette und applaudierten nur höflich. Man betrieb Sozialforschung und genoss mindestens zwei Bier zu viel, zum Reden bot sich der Kassierer an, dessen Sarkasmus und Auswahl an Flyern von Alternativ-Veranstaltungen den Antritt des Heimwegs noch ein paar Minuten herauszögern konnten. Dieser – durch den nächtlichen Nieselregen – gestaltete sich dann nicht als Abkühlung sondern als tristnasse Fortsetzung eines Abends, der zu Hause angenehmer verlaufen wäre. Illusionsschonender so to speak.

Und meine Füße in die Pedalen stemmend, den wenigen Autos ausweichend mir meinen Weg durch die Stadt nach Hause suchend, lasse ich die Töne nachwirken, hatten es einige ja dann doch geschafft, mein Gedächtnis zu erreichen. Plötzlich trete ich im Rhythmus längst vorgetragener Texte und merke am weitausholenden Ausweichmanöver des nächsten Autos, dass ich uwillkürlich Schlangenlinien fuhr. Ich lächle die rote Ampel an und stelle meinen Fuß neben die Pfütze. Jetzt noch zweimal links abbiegen und dann nur noch die Treppe hoch.
Mein Vorderlicht surrt beruhigend, als ich das Rad durch die Haustür schiebe und auf der Treppe gähne ich fast.

Nichtsdestotrotz, ein müdemachender Abend.

Gerede

Bastard

Beklebte Wände, verqualmte Luft und der DJ ist der Älteste im Raum. Riesenkronleuchter an der Decke, die schummriges Licht zwischen die Rauchfaden werfen. Barfeeling. Die Musik einen Tick zu laut, als dass man die umgebenden Gespräche mühelos verstehen könnte, man muss sich schon konzentrieren. Die Mitmenschen teils routiniert am Tresen lehnend, teils unsicher erwartungsvoll zur Bühne schauend. Für eine kulturelle Veranstaltung erstaunlich viele Männer im Publikum, ja sie sind definitiv in der Überzahl. Durch die Bank alternativ, alle Altersklassen bedienend.

Du aber willst nicht mehr verführerisch lächeln. Stattdessen lieber Dialektfetzen vor Dich hin brummeln, die keiner versteht, obwohl sie doch alles beinhalten: Kraftvoll verkürzte Wortmutationen, die klingen als spucktest Du unzerkaute Knäckebrotbröckchen.
Du willst nicht mehr lachen, auch nicht ansteckend oder verlegen: Du willst Deine Stirn grimmig in Falten legen, Querfalten im Millimeterabstand und die Mundwinkel ruhig auch mal der Schwerkraft folgen lassen.
Vollkommen verkopft durch die Gegen irren willst Du und nicht anmutend tänzelnd, die Arme ladylike angewinkelt, eine unpraktische Handtasche schlenkernd, Blickkontakte suchen.

Die Tresenkraft ist schwerhörig, aber das Bier kalt und billig und mit etwas Glück beginnt das Programm in Kürze.