Gelage

O Laus!

Seine Kniekehle schluchzte unterdrückt bei jedem Schritt, doch ganz Arzt, gab er dem Schmerz nicht nach, sondern machte die Kehle sich unbarmherzig beugen. Er duldete keinen Stillstand, blieb auf der suche, besessen von den kleinen Dingen, die ganze Universen in sich tragen. Und mochte er auch nach dem Wurme bloß getauft worden sein, erwar zu höherem berufen. Die Kniescheibe knirrschte, dem Trotz eine Oberstimme verleihend.

Denn egal ob Rune oder Muschel, Larve oder Setzling, er wollte sie alle haben. Sanft aber bestimmt säuberte er sie von eventuellen Schmutzpartikelchen, mumifizierte oder notierte er jedes Merkmal, vergleicht und misst, zertifiziert und präpariert sie zu Exponaten, um ihnen schließlich ihren Platz zuzuordnen. Regalboden für Regalboden, Schächtelchen für Schächtelchen füllte er den Raum bis unter’s Dach, auch noch in die kleinste Ecke hängte er Erkenntnisse und vom First ließ er es Fischschuppen regnen.

Das war lange vor unserer Zeit, es gab Kurioses in Hülle und Fülle, man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Pflänzchen wurden bestimmt und Herbarien angelegt, Tierarten und –abarten klassifiziert und Kreuzungen herangezüchtet. Aus fernen Ländern, die Paradiesen anmuteten, gab es Perlmutt, das so glänzte und funkelte als wäre es aus edlem Gestein. Es gab Tinkturen und Öle zu erschnuppern, Wirkstoffe herauszudestillieren, es gab Leiber zu sezieren, Höhlen zu durchleuchten. Alles war neu und wundersam, rar und kostbar. Es galt, es zu präparieren, zu präsentieren, es galt, zu sammeln!

Was heute ein kid37 war damals wohl ein gewisser Herr Worm.

Gerede

Palomas Beautycase

Mittlerweile ist Heinz berentet, an einem seiner letzten Tage hat er mir gestanden, dass er mich vermissen würde und ich versprach, an seinem letzten Tag da zu sein.
Meine Gesundheit kam mir dazwischen und so konnte ich ihn zum Abschied nicht umarmen, wie er es sich gewünscht hatte. Unter verlegenem Kichern und der Versicherung, es wäre niemals nicht anzüglich gemeint. Das sei nicht sein Stil.
Ich hätte ihn gern umarmt.
Heute wird er wieder Preise eingeheimst haben für seine Models. Er hat mir noch ein paar Tricks verraten. Wie man sie frisieren muss, um ihr Federkleid erstrahlen zu lassen, um die unterschiedenen Grautöne herauszuarbeiten. Den Schimmer erreicht man nur mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln im Bereich Vitamine und Minerale.

Wie beim Bodybuilder wird die Nahrung entsprechend dem Showkalender variiert, so dass der Mädels Federn sich glatt glänzend um ihren Leib schmiegen. Die Jury prüft nicht nur mit den Augen nämlich, die legt auch schon mal Hand an und trotzdem bleibt der erste Blick entscheidend. Daher ist es wichtig, dass die sie sich von ihrer besten Seite präsentieren, nicht etwa aufgeplusterten Hinterns sondern, diskreten Charme ausstrahlend, aufrecht und gelassen.

Beruhigungsmittel gebe er ihnen aber nicht, versichert Heinz mir hastig. Auch keinen Alkohol. Ich hake nach, und er führt aus, dass es wie bei allen Models, auch bei seinen ums Bein geht. Das muss nun nicht unbedingt besonders lang sein, schlank ist aber kein Nachteil. Aber allem voran muss es rot glänzen. Und das erreiche man bekanntermaßen mit Alkoholeinreibungen. Er staunt ob meines Unwissens. Ich wage nicht nach Branntwein zu fragen und er fährt fort, dass er diesen Effekt mittels Öl erreiche. Normales Salatöl, lieber Sonnenblumen als Oliven.