Gedanken

Wenn mein Rücken aussieht wie mein Schreibtisch

Scham und Schuld reichen nicht aus, mir den goldenen Schuss zu versetzen. Gescheckte Zehen lassen den Boden unter sich ja auch nicht verkümmern, sie haben nur Schwierigkeiten, den Körper zu tragen, der diesen Boden betritt. Schmerzlaute sind da vorauszusehen und also nicht zu beklagen. Scham und Schuld reichen aber aus, um ein Rückgrat zu brechen, schleichend, Wirbel für Wirbel krachen lassend, Bandscheiben aus der Bahn kickend und Nerven blank legend. Ganz Skelett krieche ich dann nach einer Schale frischem Nass, in der Hoffnung, es möge mir den Staub von den bloßgelegten Gebeinen spülen.
Gegenüber mein Schreibtisch, erhoben aber zerwühlt. Abblätternde Seiten eines Lebens ohne Buchstaben, Alterflecken noch und nöcher und unübersehbaren Schwerpunkten. Gestapeltes Wissen, zusammenhanglos aneinandergereiht ergibt sich ein Arbeitsplatz voller Abriss, Zettel unterschiedlichster Couleur, bergeweise Veranstaltungshinweise, die nie zur Beachtung gedacht waren. Zerfetztes gibt’s auch, unzureichend kaschiert von makellosen weißen Westen-Blättern. Und leere Bücher.

Und dann erhebt sich ein Kopffüßler mit weitlachendem Mund, greift dem Leben zwischen die Beine und spürt den Puls.

Gerede

An American a day keeps the reality away.

Oder eben doch nicht.

Aufgefallen war mir das mittelalte Paar durch ihr arhythmisches aber sehr engagiertes Geklopfe auf dem Kaffeebecher zu des Radio’s Bonnie Tyler Gequäke. Meinen gequälten Blick erwiderten sie synchron entschuldigend lächelnd und eröffneten, noch ehe ich ihn wieder auf meine Blattsammlung senken konnte, ein Gespräch über Brueghel, Lokalisierung von Alter und Neuer Nationalgalerie sowie der schönsten Bahnstrecken durch den Schwarzwald. Villingen-Schwenningen musste ich ihnen buchstabieren – für sie klang es allzu sehr nach Schwein.
Alsbald waren wir beim Wetter und der von mir als Imageverlust lapidarisierten Entwicklung der amerikanischen Präsidentschaftsinhaber von Kennedy zu Bush. Mr. NY hätte die Politik gern vertieft, vor allem die Ausdrucksstärke der von ihm erstellten Bias zwischen gerade in Berlin hochgejubeltem Kennedy und weltweit verteufeltem Bush, da drängte Mrs. NY aber auch schon zum Aufbruch. Die nahegelegene geruchsintensive Pommesbude würde ihr Haar geradezu fettig werden lassen – Recht hatte sie: der Wind hatte gedreht, es stank erbärmlich. Und so beschloss auch ich meinen Kurzurlaub auf der sonnenwarmen Mauer abzubrechen um in düsteren Gemäuern ungestört weiter blättern zu können.