Gedanken

Kopfstände und Cocablätter

Die Ellbogen dicht an die Nieren gepresst verweigere ich jegliches Verweichlichen und lasse die Stirn baumeln: Endlich atmen.
Und dann dauert es auch schon gar nicht mehr lange bis Sterne auftauchen und Phantasien, bis Träume kopfüber mir zwischen die frisch getuschten Wimpern purzeln.
Und während ich vor mich hinsinne erreichen sie mich, die Bilder. Post aus Südamerika.
Bilder voll roter wehender Fahnen in der Hochebene auf 3000 Meter.

“Gedenkstätte eines heiligen Gauchos, dem von halb angerauchten Zigaretten bis halb ausgelutschten Cocablättern, (alles auf das man so schwer verzichten kann) alles Erdenkliche geopfert wird – Schutzheiliger der LKW-fahrer”:

Ach, Gauchito mio.

Und da träumt mir, ich wär die Panamericana: Erdteile umspannend, lässig Sehnsüchte bündelnd dahinschwelgend mit nichts als ein paar LKWs zwischen sich und dem Horizont.

Gedanken

Wenn mein Rücken aussieht wie mein Schreibtisch

Scham und Schuld reichen nicht aus, mir den goldenen Schuss zu versetzen. Gescheckte Zehen lassen den Boden unter sich ja auch nicht verkümmern, sie haben nur Schwierigkeiten, den Körper zu tragen, der diesen Boden betritt. Schmerzlaute sind da vorauszusehen und also nicht zu beklagen. Scham und Schuld reichen aber aus, um ein Rückgrat zu brechen, schleichend, Wirbel für Wirbel krachen lassend, Bandscheiben aus der Bahn kickend und Nerven blank legend. Ganz Skelett krieche ich dann nach einer Schale frischem Nass, in der Hoffnung, es möge mir den Staub von den bloßgelegten Gebeinen spülen.
Gegenüber mein Schreibtisch, erhoben aber zerwühlt. Abblätternde Seiten eines Lebens ohne Buchstaben, Alterflecken noch und nöcher und unübersehbaren Schwerpunkten. Gestapeltes Wissen, zusammenhanglos aneinandergereiht ergibt sich ein Arbeitsplatz voller Abriss, Zettel unterschiedlichster Couleur, bergeweise Veranstaltungshinweise, die nie zur Beachtung gedacht waren. Zerfetztes gibt’s auch, unzureichend kaschiert von makellosen weißen Westen-Blättern. Und leere Bücher.

Und dann erhebt sich ein Kopffüßler mit weitlachendem Mund, greift dem Leben zwischen die Beine und spürt den Puls.