Gelüste

Unter dem Weg, fließt das Meer bergauf

On a Lake | © Anne Seubert

Heuer gilt es, Momente in Worte zu packen, einzeln in Silbenpakete schnüren, in Absätze schichten.  Schichten, die der Freude sturmfrei geben, die meinen Körper schwemmt, wenn ich mich anschicke deinen Namen auszusprechen, deinem Körper hitzefrei gebe, mich auf den Weg in deine Gedanken begebe.

Auch: Der Stille huldigen, die entsteht, sobald der Fluß seinen Anker vor meinen Bug wirft und das Ufer und mein Name plötzlich Händchen halten, zumindest auf den ersten Blick. Dem Blick standhalten, der den Moment bis auf die Bühne begleitet, eine Erinnerung nach der anderen aus dem Ärmel schüttelnd, bis das Boot voll und der Anker licht.

Aufrichten, was Kurve; einrichten, was Welt; Wald werden und dem Fluß eine Beuge abquatschen, der Stille ein Ohr, mir einen Moment wie das Amen in der Kirche: Schlusslichtern, der Realität einen Boden bereitend, der fließt. Fließt, bis alle Erde Herbst und aller Herbst Aufbruch in ein sturmtief schmunzelndes, Zartheiten berückendes,  ins All mündendes Gewässer, ahoi!

 

Gelüste

Leise Vergnügungen | November Edition

Dream Baby Dream | © Anne Seubert
# das schauern, als mein hirn langsam begreift, dass das lächeln und das spontan konspirativ gehauchte ‚hallo‘ des mannes mit mütze an der grün werdenden ampel auf edgar selges lippen ruht.

# die wollene wärme des schals, die den bloß gebliebenen nackenanteil zwischen mantelkragen und haaransatz mühelos auf zimmertemperatur und darüber hinaus hebt.

# die trotzig zwischen den dunkelheiten aufmüpfende sommerwärme, die diesen schal ein ums andere mal obsolet werden lässt.

# die fremden fingerkuppen, die auf dem weg zur jackentasche an meinem handrücken für momente innehalten und dabei meine haut auf ihre alten jahre hin tango tanzen lehren.

# der blick, der vor vergnügen lautlos aufjuchzt, als er meinem verzogenen mundwinkel auf die spur kommt.

# die hälfte eines stuhls, die mir wie selbstverständlich freigemacht wird, als ich minuten zu spät zum bereits überfüllten geheimtipp des berliner mittwochabends auflaufe, gepaart mit dem zwei-bassig intonierten stella maris und dem glas wein, das immer wieder auch in meine hand findet und meinen lippen nebbiolo anbietet.

#  das lachen, das mich erwartet, als ich die tapasbar als einheimische endlich auch finde, dieses lachen als hätte es jahre auf diesen moment gewartet, und in das ich so leicht einstimmen kann, als läge hinter mit nicht ein tag wie dieser.

# der einzelne amerikaner, der beim einsamen hotelfrühstück morgens um 7  spontan mit mir so tut, als wären wir aus versehen in einer filmkulisse gelandet und könnten also all das tun, was man sonst nicht zu tun wagt.

# die nonchalanten komplimente, die in unseren smalltalk ebenso kunstfertig wie dreist eingeflochten werden, so dass unsere gesprächspartner sie nicht bemerken und wir innerlich erröten. dankbar.

# die schattenspiele, die das licht zwischen die hauswände ziseliert, mit einer grosszügigkeit, dass mir die kamera gar nicht mehr aus den händen will und ich für momente vergesse, zu schreiben.

# das schreiben, das mir dieser tage so leichtfertig aus den händen fließt, dass papier gekauft werden will in läden, die zum verweilen nicht nur einlädeladen, sondern mich durch ganze nachmittage tragen.

# dreams, baby

Listen, Baby

Leise Vergnügungen III, III, IV, V.