Allgemein

Schatten, Licht und Sterne

Schwarzlicht |  c Anne Seubert

Unter dem Schatten trägst du das Licht, das der Stern übrig ließ als er sang- und klanglos versank. Unter dem Lid trägst du die Spreu vom Weizen, bei jedem Blinzeln den Hauch einer Ähre preisgebend. Unter dem Rock aber trägst du die Scham, wie einen blinden Passagier, der nicht aufs Klo darf.

An der Wand lächelt die Zuversicht spröde zwischen Raufaser und Fensterrahmen ein Stück Mauer bloßlegend. An der Tür erst fragst du nach meinem Namen und klingelst dann doch nicht. An der Schenkelinnenseite entlang führst du deine Träume über Bande und brichst dann doch nichts übers Knie.

Im Kreis drehst du dich auf die Seite und findest den Uhrzeigersinn neben dir schlafend. Im Grunde schläfst du besser im Dunkeln aber das Licht hält die Träume wach. Im Traum sprichst du die Sprache der Sterne und hälst den Schatten in Schach.

Gegenwart

Ohne Schwimmflügelchen!

Engel mit Harfe | © Ånne Seubert

Manches lässt du dir bringen, anderes träumst du dir. Die Wirklichkeit aber landet im Telemark in einer Anmut, die uns alle Gattungsbestimmungen ad hoc ad Acta legen lässt. Der Geist bleibt anwesend, auch als der Regen applaudierend einsetzt, alle nichterwünschten Gäste ebenso nonverbal wie wirkungsstark zum Gehen auffordernd. Der Punkt ist auf die Sekunde pünktlich und als wir das Weite suchen finden wir eine Nähe, die uns zwar nicht geheuer aber umso vertrauter.

Manches heisst du willkommen, manches heisst du mit zweitem Vornamen eher unabsichtlich: wie ich. Als wir uns im Spiegel entdeckten, war dein Muttermal eines, das ich küssen und meines eines, das du unterm Bademantel tragen wolltest, nahe des Zwerchfells, wie einen heimlichen, aber faulen Liebhaber: stets in Kraulnähe, immer zu küssen, nie zwischen zwei Tönen verlegen. Ich hielt dir das lange zum Vorwurf, bis ich den Vorteil erkannte und unsere Dates direkt mit ihm hinter dem Rücken unseres Terminkalenders vereinbarte.

Manches trägst du mit Stolz, anderes mit verloren geglaubter Fassung. Deine Schönheit aber wie einen Ring, den man dir schenkte, als du in tiefer Trauer, daher unerkannt adoptiertest und immer erst bei Fremdwahrnehmung gewahr wirst. Dann aber mit Verve und drei Stufen auf einmal und erst beim Klingeln wieder Luft holend, mit meiner Verlegenheit um die Wette strahlend! Deine Stille trägst du im Blick wie ein Meer, das sich dem Sturm zu Füßen legen möchte und dann doch lieber schwimmen geht.