Gelage

Ordentlich Milch vor der Hütte

Milchbar | c Anne Seubert

Du machst es uns heuer wieder arg leicht, dich zu lieben, City-Babe. Jede deiner Wände ein Motiv, jede deiner Strassen ein Gedicht, jeder deiner Kieze ein Protagonist. Man möchte dir Bierdosen aufs Fenstersims parken, Geschichten auf den verkehrsundurchlässigen Leib schreiben, die BVG ans Revers heften, Songs unter die Hutkrempe tackern.

Wir treffen uns an der Milchbar, hattest du in deiner Einladung geschrieben und ich war den Schienen gefolgt, die den Wagen zu dir brachten, denn alleine würden wir nicht sein. Du hattest nichts von Dresscode geschrieben, aber dich rausgeputzt, Understatement wie stets, aber hey, jeder Stein frisch aus dem Ofen und so was von auf Kante und dieser Schriftzug: ein echter Hingucker!

Ich blieb draussen, genoss dich im Licht- und Schattenspiel und wartete heimlich auf die Mittagspause und ein paar verstohlene Minuten allein mit dir, aber Pustekuchen, du stahlst allem Lunch die Show und uns die Stille, aus der wir hätten machen können, was das Programm verschwiegen hatte. Der Kaffee geht auf‘ s Haus, will eine Stimme ablenken, nicht ahnend, wer hier Haus, wer Hof, aber ordentlich Milch vor der Hütte.

Gelüste

Unter dem Weg fließt das Meer bergauf

On a Lake | © Anne Seubert

Heuer gilt es, Momente in Worte zu packen, einzeln in Silbenpakete schnüren, in Absätze schichten.  Schichten, die der Freude sturmfrei geben, die meinen Körper schwemmt, wenn ich mich anschicke deinen Namen auszusprechen, deinem Körper hitzefrei gebe, mich auf den Weg in deine Gedanken begebe.

Auch: Der Stille huldigen, die entsteht, sobald der Fluß seinen Anker vor meinen Bug wirft und das Ufer und mein Name plötzlich Händchen halten, zumindest auf den ersten Blick. Dem Blick standhalten, der den Moment bis auf die Bühne begleitet, eine Erinnerung nach der anderen aus dem Ärmel schüttelnd, bis das Boot voll und der Anker licht.

Aufrichten, was Kurve; einrichten, was Welt; Wald werden und dem Fluß eine Beuge abquatschen, der Stille ein Ohr, mir einen Moment wie das Amen in der Kirche: Schlusslichtern, der Realität einen Boden bereitend, der fließt. Fließt, bis alle Erde Herbst und aller Herbst Aufbruch in ein sturmtief schmunzelndes, Zartheiten berückendes,  ins All mündendes Gewässer, ahoi!