Gelüste

c/o Lispelnde Nächte

die nacht lispelte noch als wir der stadt aufs dach stiegen und dann nicht mehr gesehen waren. der malbec ahnte nicht, dass er den geschmack deiner lippen prägen würde und deinen worten je ein schlückchen patina unter die serifen. die haut wagte kaum zu atmen aus angst etwas zu verpassen, jede pore auf empfang, jedes schauern auf lautlos kalibriert.

und dann kam dein blick plötzlich vom weg ab, flüsterte heiser obwohl ausser uns keiner im raum, hielt den kellner in schach und uns matt. ein gezinktes zögern öffnete fenster hinter türen, muster hinter mauern und den raum zwischen deinen ellbogen auf lebenszeit.

als die küche rief, lächelten wir noch, und zogen die angebotene treppe erst auf nachfrage in betracht, die schuhe auf der obersten stufe wohlweislich vergessend. die schönheit der nacht offenbarte sich erst im untergeschoss, da warst du bereits satt und ich verstummt, die dämmerung nah und der nachtisch als einziger weiterhin unberührt.

Gelüste

man sieht dich nur vom meer aus

ich möchte dir boot sein,
auf deinen wellen mich heimischer fühlen
als an jedem strand;
der hohen see die treue geschworen,
die kämme gestutzt, die wellen entführt.

ich möchte deinen horizont mit weiss aufgerichteten segeln schmücken,
dem wind komplizin, ordentlich schaum vor dem geschürzten bug,
die kompassnadel zum zittern, die gallionsfigur um ihre contenance und dich um dein pokerface bringend.
ich möchte in deinen buchten ankern,
anlanden, wenn du den strand schon hochgeklappt und das tischtuch um deine sieben sachen geknotet –
acht ja eigentlich, aber das sieht man nur vom meer aus.

ich möchte dir welle vorm bug sein,
sturmwarnung schon bei sonnenaufgang und
landzunge mit erdbeereis auf den felsigen lippen. ahoi!