Geliebte

zart und zornig

Sage against the Machine  | © Anne Seubert

“Komm in das Land, wo der Feuervogel wohnt.”
Klaus Hoffmann

Der Zorn hat Federn gelassen,
ich helfe ihm über die Straße,
ich singe ihm ein Lied, das du gedichtet,
zwischen Wachen und Träumen, auf Kante gebügelt, auf Knie getragen.

Der Zorn steht heute früher auf,
weiss um Zeter und Mordio, wenn der Kaffee nicht auf Position,
die Götter nicht in der Spur und das Vaterunser nicht im Takt:
Der Zorn legt heute zarte Töne auf, die Wangen doppelt belichtet, die Hände im Muff, der Kragen weit in A-Moll.

Der Zorn hat sich rausgeputzt,
will es nochmal wissen, will können und machen, das Leben auf Hüfte tragen,
nicht sein sondern lassen, sich lieben und mich lassen: wund und wahr und versehrt wie am ersten Tag, als du um Hilfe batest und der Himmel den Horizont barfuß übers Meer schickte.

Der Zorn hat Ratenzahlung vereinbart und einen halben Tag Homeoffice,
er hat gelernt, Fragen nicht immer unters Kopfkissen zu legen, sondern auch mal mit an den Strand zu nehmen, da wo das Herz die Brandung in seine Arme nimmt und das Land regelmäßig den Kopf verliert.

Allgemein

und wenn schon

Kommste mit? / © Anne Seubert

Und wenn schon alle Nächte neben dir lagen,
und wenn schon alle Tage dir zu Ehren früh aufgestanden waren,
und wenn schon alle Lippen deinen Geschmack unter ihren Herzen trugen,
möchte ich meine Haut entblößen, dich willkommen zu heißen.

Und wenn schon!

Und wenn schon alle Herzen deinen Namen trugen,
und wenn schon alle Ringe deine Finger umschlossen,
und wenn schon alle Wasser deinen Nacken kühlten,
möchte ich meinen Gaumen mit dir benetzen.

Und wenn schon!

Und wenn schon alle Hosen deine Knie umschmeichelten,
und wenn schon alle Orakel deinen Namen riefen,
und wenn schon alle Rosen deine Blüten trugen,
möchte ich mein Meer ausschütten, dich an Land zu spülen.

Und wenn schon, dann erst jetzt.