Gedanken

Is there anybody in there?

Stellst du sie mir vor, deine Freunde?
Die guten, die dich tragen, die alten, die dich kennen, und auch die neuen, die mir verraten, wer du werden möchtest? Stellst du mir deine Namen vor, wie sie dir einst gegeben wurden und welche dir heute passen? Die Namen, wenn du sie dir wünschen dürftest und den Namen, den du mir gibst, ohne zu viel zu versprechen? Stellst du mir deine Geschichten vor? Die, die dich geprägt haben und die, die dir über dich erzählt wurden? Die, die du erzählen und die, die du vergessen möchtest?

Stellst du sie mir vor, deine Sehnsüchte ?
Die reifen, die kurz vor der Verwirklichung stehen, die heimlichen, die du noch nicht ausgesprochen hast, und auch die gut abgehangenen, die schon Teil deiner Selbsterzählung wurden und vielleicht gar nicht mehr erfüllt werden müssen? Stellst du mir deine Gefühle vor? Die großen, die dich strahlen und in die Welt hinausziehen lassen und die kleinen Gefühlswelpen, die noch nicht lange Teil von dir? Und auch die alteingesessenen, wie die Einsamkeit, die du lange loswerden wolltest, und die heimlichen bitte, die mit Scham und Schuld um die Wette torpedieren, was du dir aufzubauen versuchst?

Stellst du mir vor, deine Orte?
Die, an denen du auftankst, an die du dich immer wieder zurückziehst, und die, an denen du dich geborgen fühlst? Die, von denen du aufbrichst und die, die du meidest auch? Stellst du sie mir vor, deine Wege, die du bereits gegangen bist, die du gerne immer wieder gehst und die, die du gerne noch einmal gehen möchtest. Gibt es Wege, die du noch nicht kennst, aber unbedingt gehen möchtest, weil sie dir den Ort versprechen, an den du gelangen, an dem du ankommen, an dem du mir begegnen möchtest?

 

 

 

Gedanken

Auf der anderen Straße der Seite

Auf der anderen Straße der Seite.

Matthias Lilienthal, Dt Theaterpreis 2026

Loyaler Freund des Zweifelns und Zögerns
ist der Gedanke einer, der in Schlangenlinien daherkommt
Ob hohle Gasse oder Autobahn, der Weg ist sein Ziel, nicht selten wählt er dabei die Scenic Route,
mitunter aber fragt selbst er nach dem Weg

Gerne als Narzisst angekündigt, ist sein Selbstverständnis ein dienendes, sein Sachverstand über die  Jahre gereift, sein Humor jugendlich, sein Ego immer hungrig, seine Libido explizit unterfordert.

Selbsternannter Solitär schmeckt er am besten in Begleitung, aber das traut er sich erst, seit er einmal betrunken mit seinem ärgsten Widerspruch Händchen gehalten hat, und dabei vom Poet aus dem Nachbardorf festgehalten und prompt veröffentlicht wurde. Ein Gedicht sagten sie und wechselten nicht nur die Strassenseite.