Gedanken

Trust Your Local God

manchmal muss man fliegen lernen, um wieder boden unter den füßen zu finden.

manchmal muss man das “wie geht es dir eigentlich?” als “darf ich mal kurz erzählen, wie es mir ergangen ist?” verstehen.

manchmal ist der montag ein sturmtag, auf den der blitztag vor dem donnerstag folgt, bevor am sonntag alles wieder eitel sonnenschein.

manchmal braucht dich der moment mehr als die zeit danach.

manchmal steckt in “scharf wie eine rasierklinge!” keine anmache, sondern ausdrucksarmut ob der adhoc empfundenen verbundenheit.

manchmal wiegt das tal schwerer als alle berge, stellt der tag noch die heiligste aller nächte in den schatten.

manchmal bist du wahr und manchmal nicht einmal ausbuchstabiert.

manchmal tut alles weh, was da ist, alles, was du aufheben möchtest, verschwindet. und alles, was bleibt ist dir fremd, wirkt unangezogen und meilen zu groß. und dann geht die sonne unter und der schatten zeigt dir so freundlich wie bestimmt den weg über den eigenen horizont hinaus, durchs herz der finsternis hindurch, in ein morgen, der auf frischen laken erwacht.

manchmal ist das lied eines, das tröstet, manchmal ist es der text, der ton, das timbre. und manchmal bist du es, die singen möchte.

Gedanken

Murmeln und Flüstern

Carolin Emcke Foto: Gianmarco Bresadola
Carolin Emcke: Ja heisst Ja und …, Schaubühne, Berlin 2019 | Foto: Gianmarco Bresadola

“Schreiben ist intim”, ist Murmeln und Flüstern, ist Geliebte und Companion, ist Wunde und Gewand, ist Wortgewordenes Denken und Wünschen und Wundern und nicht zuletzt Einladung zu einem Gespräch. Am Ende aber steht der Satz und am Anfang der Zweifel. Steht und fällt mit dem Mut, den Stift auf das Papier zu setzen. In die üblichen Lettern auf das Papier, das deinen Duft zwischen den leeren Zeilen trägt, gebettetes, ist Schreiben ist etwas, das auf bloßen Füßen gelingen möchte.

Wenn das Du, das den Stift führt, deinen Namen trägt, steht da Kluges, Fragendes, in Frage stellendes, zwischen Musik, die uns das sonst häufig im Schatten des Standbeins angewinkelt in der Ecke stehendes Spielbein zucken macht. Dann bekommt das Nein eine Aufgabe, die ihm wenige zutrauten bisher: Ermöglicher! Ermöglichen darf es dann alles, was jenseits von ihm, was Lust macht und Laune!  Bühne darf es sein für alle, die spielen wollen und dafür Sicherheit erbitten über das, was verletzen könnte. Schöpfer wird es dann für alles was innerhalb seiner Grenzen möglich wird, eben weil nicht alles möglich ist.

Wenn das Du, das den Stift führt, deinen Namen trägt, bekommt der Zweifel Flügel, öffnet das Fenster in den bislang verschlossenen Garten meiner Wahrnehmung, schubst den Blick hinter das bereits wahr genommene und für wahr gehaltene und gegebenenfalls sogar als wahr postuliertes in ein Grün, das mehr als Hoffnung, das Werden in sich trägt als Kontrapost zum ewig Seienden. Der Zweifel, den ich bislang zu meiden trachtete, wird Komplize und Verführer in das Land fremder Gedanken, wo Werte und Argumente zu erklimmen sind, wo Leichtigkeit sich geborgen fühlt und Träume eine Wirklichkeit beanspruchen, die ich nicht in der Hand habe.

Für Caroline Emcke.