Gedanken

Auf der anderen Straße der Seite

Auf der anderen Straße der Seite.

Matthias Lilienthal, Dt Theaterpreis 2026

Loyaler Freund des Zweifelns und Zögerns
ist der Gedanke einer, der in Schlangenlinien daherkommt
Ob hohle Gasse oder Autobahn, der Weg ist sein Ziel, nicht selten wählt er dabei die Scenic Route,
mitunter aber fragt selbst er nach dem Weg

Gerne als Narzisst angekündigt, ist sein Selbstverständnis ein dienendes, sein Sachverstand über die  Jahre gereift, sein Humor jugendlich, sein Ego immer hungrig, seine Libido explizit unterfordert.

Selbsternannter Solitär schmeckt er am besten in Begleitung, aber das traut er sich erst, seit er einmal betrunken mit seinem ärgsten Widerspruch Händchen gehalten hat, und dabei vom Poet aus dem Nachbardorf festgehalten und prompt veröffentlicht wurde. Ein Gedicht sagten sie und wechselten nicht nur die Strassenseite.

Gedanken

Im Eimer mit dem Feuervogel

Im Eimer
In Flagranti
im Auge des Sturms
Im Lot

und am liebsten überall gleichzeitig!
witzelt deine Handschrift über die Postkarte
die eben erst angekommen
sich in meiner Küche aber bereits sehr zu Hause fühlt
meine Sprache spricht
für mich von dir ausgesucht wurde,
und, last but not least

nichts davon berücksichtigen werden wird
wenn sie, einen kessen Spruch am Revers
noch reichlich grün hinter den Ohren
alles auf einer Seite trägt und
beim sich wie stets – halb zog ich sie, halb sank sie hin
gelesen lassen werden deine Abwesenheit spürbar werden lässt

Sag was,
wirft dir mein Schweigen einen Fehde-Fäustling zwischen die nackt gebliebenen Zeilen
Es ist der Anfang eines Endes zu zweit
Es ist die Abbiegung vor dem Kreisverkehr
Es ist das Jahr mit dem Feuervogel
von dem Klaus Hoffmann immer sang
und ich schwieg bis du abhobst
und ich verstummte