Gedanken

Im Schattenriss der aufgehenden Wonne

Während die Welt Handstand macht und dreifachen Flickflack, vor und zurück und seitwärts und ein sich dreht, hälst du dem Ich die Stange, die Augen unter der trubeligen Stirn geborgen, das Ja, absprungbereit auf den aufgeplatzten Lippen. Stets und ständig, den kleinen Jungen mitsamt seinen Fragen auf dem Schoß, das Mädchen an der Hand und den Mann im Schattenriss der aufgehenden Wonne. Nur angedeutet? Verführung zwischen Zeilen buchstabiert, das Siegel wie einen CallToAction-Button in die Mulde zwischen Haupthaar und Ohrläppchen deponiert: Be my Why in siebzehneinhalb Sprachen.

Mehr Runzeln als Fußnoten möchte ich mir wünschen, einen Lidschlag zwischen zwei Blautönen und auf halb acht, den Blick ins Herzgetümmel, da wo der Gletscher kalbt und die Abendsonne sich eiskalt ins Meer stürzt. Es muss gar nicht kalt sein, auch nicht die Axt. Eine deiner Wimpern, im Zwinkern nonchalant über meine Wange streichelnd, reicht vollkommen, mir Gänsehaut zu zaubern, auf Arm und Wade, da musst du nichtmal lächeln, da gerate ich ins Schwimmen, Taumeln, Tanzen, bis dass die Ferse blutet und die Heimat verlassen röhrt.

Nur über meine Wange lenkst du den Straßenkreuzer in meinem Traum, bis die Straßenkante aufmuckt und wir ungewollt zum Stehen kommen. Eine Zahnlücke, eine Schweigeminute aus purem Genuss und ein Tänzchen in Ehren später, darf die Stadt wieder teilhaben an dem, was wir Wochenende nennen und für heute für beendet erklären. Zumindest den Teil, der unter die Haut ging und Spuren hinterlassen hat, die du lesen kannst und ich tippen: Be My Why.

Gedanken

Downstairs

Und dann zeige ich dir noch meinen Hobbykeller, lacht sie und merkt nicht, dass ich längst ausgestiegen bin. Dass ich mit meinen Gedanken längst wieder bei dir bin, das Hintertürchen genommen, drei Täler und einen Morgen weiter. Der Wetterforecast hatte Sturm vorausgesagt und das Budget war bei unseren Träumen ins Stottern geraten, so dass ich nun alleine hier im Hobbykeller der Dame mit Herz aber ohne Schalkragen. Stattdessen trägt sie Boa ohne Phillip und nennt ihren Keller einen Club, in dem sie Stehlampen und Stühle verkauft und georgische Herzen.

Ich vermisse das Stroboskop fast so sehr wie dich, mich zu bergen vor Unbill und Nesseln, in die ich mich allzu gern setze, den Nebel, der jeden Berg zum Gipfel macht und jedes Lächeln zur heiss ersehnten Sonne. Das Farbmeer um uns bringt das Grau in mir zum Leuchten, blendet so sehr, dass ich meinen Blick spontan rausschicke, auf die andere Strassenseite rüber, uns zu beobachten: mich und die Frau und die Farben und dich irgendwo im Nebel zwischen Küste und dem #emptychair-Projekt, das spontan Saison hat, 15 Stufen hinter dem was landläufig Charlottenburg.

„Hasch mich!“ spielt draußen der Frühling, während oben die Diva ihre Stimmbänder tanzen lässt, obwohl die Tanzfläche noch nicht eröffnet und ich plötzlich Sehnsucht nach Feierabend und einem Tässchen Tee. „Scharade!“nutzt die Dame des Hauses gekonnt die Stille zwischen zwei Noten und wirft ein Stichwort, dem meine Aufmerksamkeit nicht widerstehen kann, Audrey Hepburn und Cary Grant im Schlepptau. Also doch tanzen, heute abend, die Nacht durch und morgen früh barfuß im Gras, wenn der Frühling sich einen Ruck gibt. Sonst eben downstairs!