Gedanken

Leise Vergnügungen VIII

Leise Vergnügungen | © Anne Seubert

# Schatten mal nicht in die Flucht boxen, sondern zu einem Stehblues verführen.
# Behutsamkeit üben, auch beim Zähneputzen.
# Der inneren Stimme ein Basssolo an die Seite stellen und einen taktkräftigen Schlagzeuger.
# Die Fersen mit guten Fetten nähren, der Realität für Minuten auf Zehenspitzen nur begegnen.
# Inne halten und Schritt mit mir. Bei mir sein und bleiben, auch wenn es an der Tür Sturm klingelt.
# Mit den Fingernägeln der linken Hand die Gänsehaut auf dem rechten Unterarm necken, bis der nächste Schauer den Rücken runterrieselt.
# Allein im Dunkeln sitzen bleiben.
# Die warm werdende Milch mit Kardamom bestäuben.
# Das Haus nicht ohne Küsse in der rechten Hosentasche verlassen.
# Flieder klauen. Und Kastanienblüten. Und dem Nachbarn vor die Tür stellen.
# Tomaten in den Regen pflanzen.
# Den Wecker auf Mitternacht stellen um nicht eine Minute des neuen Tages zu verpassen.
# Dem Schmerz ein Häuschen am See kaufen, mit Steg und Boot und Spagettieis satt, so verführerisch, dass er gar nicht mehr zurück mit nach Hause möchte.
# Schiffe zählen.

Leise Vergnügungen III, III, IVVVI, VII.

 

Gedanken

Never out of season: Stille

Winter-Landschaft aus dem Zugfenster

Schüchtern stillhalten bis die Erde ein Grün preisgibt, dass später alle Register ziehen wird.

Kichernde Stille mitohne Sommersprossen so weit der Himmel hält.

Fragend, die Stille, die dein Atem von der Leine lässt.

Wärmend der Moment, da die Welt die Pace reduziert und du still und heimlich zusteigen kannst.