Generika

Ich auch an dich

Ich auch an dich | © Anne Seubert

Und dann rufst du einfach an und wir reden über die drei Themen, die unverfänglich und die wir teilen: Das Laufen, die Arbeit und Berlin. Ein Bestätigungsanruf.

Ja. Ich auch an dich. Wie geht es dir?

Es ist Sonntagnachmittag und ich bin gerade nach einer Woche voller Sonntage müde auf die Couch gesunken als du anrufst. Ich überlege kurz, ob, bevor ich bewusst abnehme. Wir sprechen nicht lange, hören unseren Stimmen an, wie wir uns aneinander freuen, Momente der Unsicherheit auch.

Fragen. Bleiben beim Smalltalk. Lachen. Die Nähe auf Halde. Noch nicht.

Du erzählst von Komplimenten. Wir kommen auf Schönheit. Ich wünsch mir ein Bild von dir.
Wir verabreden uns für den kommenden Monat. Nicht zu vage, nicht zu konkret, klopfen ganz grob Machbarkeit, Verfügbarkeit und Verbindlichkeit ab. Bevor die wirklichen Themen rankämen, verabschieden wir uns mittlerweile fast ungeduldig.

Bis bald.

Generika

Eingeboren & Aufgewachsen

Croissanterie, Berlin | © Anne Seubert

Eingeboren in einen Traum, der deinem Verstand das Wasser reicht und mir die Schlüssel, ist dein Kummer einer, der mir sein Herz ausschüttet, noch ehe wir schlafen gegangen waren, ohne dabei Los auch nur zu touchieren:

Zu lange wach um noch Tränen formen zu können,
zu lange trocken, um noch trinken zu können,
zu lange traurig, um noch zu tanzen.

Erfahren in der Kunst der Pilgerschaft ist dein Kummer einer, der sich selbst wie seinen Nächsten liebt und doch das Weite sucht sobald es hell wird. Der dem Leichtgewicht von Gegenüber misstraut, ungern in den Spiegel schaut und lieber die Augen geschlossen hält:

Den Schlag deines Herzens retourniere ich.
Den Mond deiner Nacht halbiere ich.
Die Worte deiner Wunde schließe ich mit doppeltem Punkt und einem Blick unter Wimpern aus Zimt und Seide:

Oben ohne ist dein Kummer einer, dessen Brust zwei Herzen mindestens und dessen Wangen hohl, ist dein Kummer einer, bei dem mir die Sprache fremd und Luft knapp wird: Wie atmen in einer Welt ohne Boden, in einem Wasser ohne Land, in einer nacht ohne Morgen?

Lass mich dein Mond sein, dir das Wasser aus der Brust zieht
Lass mich die Bucht sein, in der du deinen Schatten ankerst,
Lass mich der Speck sein, in den sich dein Kummer verwandelt, sobald du weinst.