Allgemein

Fingerspitzenkandidatur

Ginkgo | © Anne Seubert

Komm in das Land, in dem der Feuervogel wohnt…
(Klaus Hoffmann)

Den Schmerz beiseitelegen, den Weg weiten, den Schritt halten mit einem Leben, das nicht Fisch nicht Fleisch, nicht Vegetarier. Das Lose-Blatt-Sammlung mehr denn Buch je und dir Bibel doch und Reiseführer. Reise führen und Buch, in eine Zeit blättern, die geboren wurde um deinem Füllfederhalter weißes Blatt und Partitur, Traum und Zeugenausschuss im Hosentaschenformat. Fingerspitzenkandidat, behutsam im Auftritt, weise in der Berührung und nachdrücklich im Abgang.

Die Wut aufkochen, dreimal mindestens und erst den vierten Aufguss dir anbieten, aus einer Kanne, die den Bauch rund und den Griff am Gürtel trägt. Dieser Gürtel, der dem Leben Kanonenfutter feilbietet als wäre es ein Ofen, dessen Feuer von Nachschub abhängig und nicht ein Feuer, das den Ofen brennt. Brennt und schürt, Flamme für Flamme einer Furcht anheimgebend, die in sich alle Fragen trägt, die je gestellt, und hinter allen Fragen eine Antwort, dem Leben feuerspeiend ein Ständchen spielend.

Die Narben zählen, sieben auf einen Streich spielen, die Tonleiter hoch und den Schmerz runter. Dieser Schmerz, der nicht wahr wäre, wäre er nicht das Leben selbst, das sich im Schrei immer wieder in Erinnerung ruft, mit gespaltener Zunge und Zuckerbrot satt: Komm sagt die staubzuckerbepuderte Tanzfläche und lädt die noch kokett auf einem Bein lungernde Ewigkeit spontan auf einen Wiener Walzer ein, der Jukebox hinterrücks ein Zeichen gebend, das Titel und Tonspur zugleich: Be my Ginkgo tonight!

 

Allgemein, Gegenwart

nächtens only

By the Sea | © Anne Seubert

Wenn ich ein Wasser wär, flöss’ ich in dein Meer,
flöss’ ich bei Ebbe dir zu Füßen,
flöss’ ich bei Flut dir um die Knie in dein Meer, deinen Strand mitnehmend für eine Insel,
unerreichbar am Horizont.

Wenn ich ein Wasser wär, trüge ich dich bis ans Ende aller Wellen, da wo die Stille sich streckt und die Gedanken hörbar,
trüge ich dich ins Buch aller Bücher und
über die letzte Seite hinaus auf meinem Rücken in ein Meer, das gerade fliegen lernt.

Wenn ich ein Wasser wär, tränke ich dich in Schlucken,
tränkte ich dich mit meinen Salzen und Süßen,
tränke ich dich über den Durst hinaus in Scharen und Scheinehen über die Schwelle des Himmels, der für alle offen.

Wenn ich ein Wasser wär, regnete ich für dich nächtens only,
regnete ich für dich aus Wolkentürmen, so hoch, dir würde schwindelig beim bloßen Anblick,
regnete ich für dich in Fäden, die von Hand gebunden, so fein sich an deine Haut schmiegend, einen Glanz spürbar werden lassend, so feucht wie golden.