Gelüste

Kleine Fluchten

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Sei Fluss mir. So träge, dass ein Gletscher sich formt. Ein Gletscher, der stets eine Handvoll Winter bereit hält samt vereisender Fingerkuppen.

Kuppen, die konzentrische Inseln mir auf deiner Haut, verlässlich Schauer heraufbeschwörend. Schauer entlang deiner Mariannengräben und Wirbel, über dein Schlüsselbein hinweg bis zum Halt unter der Achsel.

Halt, der leise spricht, ja kaum die Lippen bewegt und doch die Ruhe hält, die er verspricht. Verspricht, was du dir an barfüßigen Wünschen mit ins Boot genommen hast, deinen Fluss hinunterzutragen.

Gelüste

Einsamer wird’s nicht

Entering the Lake | © Anne Seubert

Die Kälte, die sich durch meine Poren knabbert, an der ersten Ampel noch schüchtern und mit jedem Kilometer im Gegenwind mutiger, mich daran erinnernd, dass ich einiges an Graden mit mir trage?

Das Moos, das sich janusköpfig an die Rinde ebenso schmiegt wie in meine Handinnenfläche als wäre es Fell und Kumpel zugleich, meinen Fingern ein Tremolo abschmeichelnd, Fasern zu Füllhörnern schmusend?

Deinen Blick, der mir durch unser Gespräch folgt, als wäre ihm alles egal was im Raum, als wäre da kein Raum und erst recht kein Gespräch, als wären Blicke Fakt und am Ansatz der Wimpernkrümmung eine  jede Lage entspannt, sogar das Ass im Ärmel unseres Gegners zum Chillen bringend?

Den Wind, der sich zwischen mich und die Häuserwände drängt, die Stadt links liegen lassend, hart auf der Zunge, spröde im Kontakt und keinen Millimeter ausweichend als wäre er King of the Road und erst im Abgang Federn lassend?

Mein Herz, das gerade am liebsten eine Seefahrt unterzeichnen würde, in Baumwipfelumschäumte Ozeane stechen, nichts als ein Bounty an Bord? Anlandend aufbrechen und dann mit vollem Mund in die Parade fahren, himmelhoch seufzend untergehen und erst mit dem Südwind wieder Flagge zeigen, einen Kirschkern als Anker?

Liebkosen.