Gelüste

Brücke und Tafelrunde

Waiting

An der Wand ein Bild das eine Sehnsucht trägt: Abflug. Pronto. Oneway: Mehr von diesen Momenten, die Brücke sind und Tafelrunde. Die es faustdick hinter den Ohren haben und im Schoß ein Wunder, das noch geboren werden möchte.

Die Perspektiven verzerrt, der Atem außer Puste und du im Wald nebenan: Barfuß Blickachsenbeete anlegend, dekorierst du deinen Vormittag, ich plane den Abend danach, nur, wo wir uns begegnen, steht noch nicht fest. Ich möchte dich ohne und mit und über alles drüber, sternsingende Zukunft, sei mir, stocknüchterne Gegenwart und legendenbildendes Moos zu meinen Füßen. Du willst das Rot der Wangen bei Heimkehr abrufbereit, den Ruf dreistimmig und die Stimme nie heiser.

Amen, sag, und halte den Blick, auch wenn keiner da, der fängt. Es ist Anfang und Ende und Kreuz des Südens am Himmel, den du dir übers Bett gehängt hast, bevor du die Decke zurückgeschlagen. Auf Los und dann Achtung, es wird ein Leben auf einmal, ein ganzes Meer werden, mit Wellenschlag, Küstennebel und Landungsbrückenfrühstück.

Gelüste

Rückwege und Hingabe

Anne Seubert: Wortlaute @ Museum Lehmbruck

beug dich über mich hinweg in ein grau, das dein fenster trübt und meine tür öffnet: sei spielbein und wundertüte, risikoummantelt und wutbefreit, sei würde und grazie und allerei rund. rege dich nicht, halte den spalt in der hand, die dich trägt durch diesen moment, dem du habhaft werden möchtest, ohne die zukunft aus den augen zu verlieren. rücke zurecht was dir mut macht und aus dem weg was dich hemmt, blicke tiefer, als das dekollete erlaubt und lass die hände aus den taschen, es ist knöchelfreie zeit, es ist das, was gestern noch wut war heute schon anmut und leckerbissen.

hinweg begib dich und gib dich hin. dem weg, der gabelung, der weisung aber geh aus dem weg und aus dir heraus, in ein museum stell dich, lass dich sehen, ansehen, aussähen und ernten und heimlich in hosentaschen schmuggeln, zwischen fingern, die schweissnass vor beutestolz. sei beute und jäger und wasserwage und brett, sei stein und meissel und schmeichel mit stimmen, die dir den gaumen wässrig und das herz balsamico-lüstern beben machen. sei frau in der hüfte und mann zwischen den knien, sei großherzog und waisenkind, immer eine identität mehr auf den lippen, bereit sich beim nächsten kuss zu bekennen.

rück den schatten ins aus und das licht auf halde, geb acht und alle neune drei stockwerke tiefer als erlaubt, die treppe nehmend oder den paternoster aber nie den lift. drück ab und zu mal auf abstand, die nähe um den kleinen finger wickelten, bereit loszulassen, wenn du das zittern nicht mehr spürst und meine hand zwischen deine finger gefunden hat, leg dich nieder, dar, ab und das lied auf, das dich auch im liegen tanzen lässt, die schulterblätter voran, nie den takt aus den augen verlierend und erst im letzten viertel die flasche öffnend, die den abend inne- und dich im visier.