Gelüste

Leise Verführungen

zwischen nie und nimmer ein vielleicht für immer schmiegen: den daumen in die wunden punkte legen, da wo das arge das muntere auf ein schäferstündchen trifft, während ich zweifel wie einen sack flöhe hüte, den du beim ersten blinzeln zum umfallen bringst, den kommenden tag auf die leichte schulter nehmend, die nacht heuer mal links liegen lassend, en passant.

zwischen mal und wieder einen blick aufhalten, der das weite bereits suchte und sich dann doch zu nähe verführen ließ, den Punkt verdoppeln und stille anfügen, von dieser weisen, dichten, die das ja hält, das der raum versprach. der raum, den du betrittst, leichten fußes und schweren mutes zugleich, wenn der mond auf schicht und du allein neben mir liegst.

die ruhe anrufen, vier mal klingeln lassen und kurz vor dem auflegen doch noch die linke handinnenfläche reservieren, nur um bei ankunft den handrücken draufzulegen und den kleinen finger entdecken, der so nicht mitkalkuliert war. kurzerhand die reisekostenstelle in die leitung holen, rebriefen, eine fangfrage lancieren, die bedenkzeit für eine durchatmung nutzen und dann vorsichtig, an der kuppe beginnend, langsam und noch langsamer genüsslichkeit entwickelnd, den nagelrand abtasten um den kleinen finger schließlich auch noch an bord zu holen. daumen hoch: jetzt habe ich uns aus der leitung und in der zarten hand.

Gelüste

Eine Handvoll Buchstaben

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Der Mensch in mir ist einer der zählt, Momente, Fehler, Speichen und leere Stühle zwischen den Tischen, die doppelt gebucht, aber ungedeckt blieben, Momente ohne wenn und woher, Momente, die wehtun, Momente, die bleiben wollen. Momente zwischen den Tagen, wenn der Abend noch Tag und die Nacht noch ohne Namen.

Der Mann in mir ist ein Flüchtender, einer der das Fell dick aufträgt und die Zweifel ab und gegen den Strich, mit zwei rechten Händen weil links schon das Herz: schlägt. Schlingert. Streichelt. Am liebsten Momente zwischen dem großen und dem kleinen Zett hindurchstreichelt, da wo dein Faden Striche sucht und das Weite findet: Bogen schlagend, zweifach gestreichelt bis zum hohen C, linksrum eingefädelt und durch den Hintereingang wieder raus, ehe jemand bemerkt, dass er die Heimat selbst: Laib und Seele.

Die Frau in mir ist ein Mann, der auf Händen geht, das Fahrrad schiebt, um’s Verrecken keine Bechamel-Sauce kochen kann und notorisch Wunden leckt statt sie heilen zu lassen, mit rauer Zunge Gänsehaut provozierend, unabsichtlich natürlich.. Die Frau in mir will mehr als ihr zusteht, mehr Wasser als in der Flasche, mehr Wut als in der Angst, mehr Runzeln als Raufaser, mehr Atemlosigkeit. Die Frau in mir trägt Anzug zur Begrüßung und alles was danach kommt entsprechend mit mehr Verstand als Ruhe, mehr Rhythmus als erlaubt.

Das Kind in mir steht da noch auf einem Bein, spielt ehrlicherweise Saxophon lieber als Klavier lieber als Blockflöte, Fangen lieber als Verstecken und am allerliebsten Zeilen verzärtelnde Streiche. Gerüttelt statt gereimt, die Fragen als Jambus getarnt, stets eine Doppelsilbe als Schlussakord in der Hosentasche, deren Loch nur die kleinen, serifenlosen Konsonanten durchlässt, die fettgedruckten Kapitalen aber sammelt: eine Handvoll Buchstaben, stets auf der Flucht und nur dich im Visier.