Gelüste

Schnupperstundenzettel

Anna Virnich: Hyperdrüse – Schering Stiftung meets Scentclub | © Anne Seubert
Anna Virnich: Hyperdrüse – Schering Stiftung meets Scentclub | © Anne Seubert

Dein Duft ist eine Brücke, er trägt das Wasser über den Brunnen, die Sommer der Kindheit zwischen den Knospen und das Haar offen.

Dein Duft?
… ist offensichtlich auf der Suche.
… steht gerne auf einem Bein.
… vermischt sich im Gehen mit Luft.
… legt den Kopf schief und täuscht Harmlosigkeit vor.
… führt zimtenen Schatten im Schilde.
… hat eine Kondition im Lächeln, die mich berauscht.

Dein Duft?
… hat die Augen geschlossen.
… fährt am Wochenende mit aufs Land.
… fragt weder nach meinem Wohlergehen noch nach meinem Begehr. Auch nicht nach Sonnenschein.
… legt sich in meine Arme. Und bleibt da erstmal auch.
… steigt mir zu Kopf.
… spricht ungern über sich.

Dein Duft?
… hat ganz schön was auf dem Kasten.
… geht auch mal eine Runde um den Block.
… lehnt sich an der Ampel an mich.
… kümmert sich um die unausgesprochen bleiben wollenden Detailsuch.
… lügt ungern und wenn entwaffnend errötend.
… lässt alle Fünfe gerade sein.

Deinen Duft?
… atme ich in kleinen Dosen.
… gebe ich ungern weiter.
… lade ich auf einen zweiten Drink an der Bar.
… halte ich nicht für ein Gerücht.
… würde ich gerne wiedersehen.

 

Die Schering-Stiftung widmet dem Geruch ein ganzes Jahr und mit der Hyperdrüse aktuell eine zweite Ausstellung featuring zwei Duftkompositionen auf Jojobaöl.  Die Düfte sind auf Wachsflächen angeordnet,  Die die Farbe Rosa tragen,  im Kontrast zu den Düften. Umso inspirierender fand ich und schrieb.

Gelüste

Tanz unter dem Gewölbe der Gezeiten

Einsame Herbstlandschaft im Nebel, Thön | Anne Seubert

Behutsamkeit streiche ich mir auf die Lippen, bevor ich den Mund aufmache. Möge sie die Worte weich werden lassen, das Tal zu fluten und den Berg deiner Gedanken baden gehen lassen unter dem Blick eines Himmels, der noch lange nicht gezähmt die Wolken tanzen lässt statt die Stirn zu runzeln. Behutsam legt der Regen mir seine Tropfen auf die nackte Haut, jede einzelne eine Geschichte vom Wasser zwischen den Inseln, zwischen Ebbe und Erde, Himmel und Flut.

In Wellen legst du das Meer, bevor du deinen Fuß aufsetzt und den Himmel zum Tanz unter dem Sternengewölbe aufforderst. Deinen Fuß, der der Zehen fünf, der Worte nicht eines parat, fragt man ihn, wer hier Weg, wer Woge, wer Wasser. Dein Fuß, der den Tanz unter den Nägeln brennen lässt und die Wellen den Ton angeben: Ein Rauschen, so zart, dass der Himmel sich die Ohren zuhalten möchte nur um dann doch zu lauschen und sich hinzugeben, bis alle Wolken im Takt.

Dick Nebel aufgelegt, stecke ich mir beim ersten Schritt die eigenen Floskeln ans Revers, den Wegweiser auf Shuffle und den Wald auf Snooze. Möge der Wind uns holen und um die nächste Ecke bringen, wo die Musik spielt und der Boden ein Wellenbad aus Moos und Tannenspitzen. Behutsam nimmst du die Hände aus den Taschen, legst Wasser nach und den Nachmittag in unsere Arme.