Gelüste

In die Ecke dich schmiegen

Zur Ruhe mit dir, das Ohr auf Abstand zur Welt, die ihren Blutdruck zu lange unbeobachtet ließ. Zur Ruhe mit dir, auf das Gleis, das längst stillgelegt, auf das Kissen, das dir Bettstatt und Komplize im Anlehnen an etwas, das weichgeblieben war.

In die Ecke mit dir, dort wo Scham und Schatten sich um die Unsichtbarkeit balgen, wo das Licht traditionell Hausverbot, der Staub heimlich Atem holt und Wasser und Winkel kehrt machen. Kante an Kante schmiegen üben und stapeln, was sich nicht biegen lässt: Dich und alle deine Blößen, die dir gefolgt sind.

Außer Gefecht gesetzt die Regeln und Randale, die du hinter deiner Stirn birgst, wie ein Schild gegen das Unvermeidliche, das Wilde und Rasende. Dem Rausch den Ton abgestellt, der Flut die Gischt und nur mehr der Ebbe Zutritt gewährt, der Ebbe die den Rückwärtsgang zelebriert als wäre dein Rücken deine Brust, die zum Anlehnen einlädt. Hold on.

Zur Ruhe | Anne Seubert

Gelüste

Irgendjemand spielt Klavier

Rügen 2021 | © Anne Seubert

Moment, sagst du, und ich
Warte

Im Garten lacht einer, das Beet
ist eines, in das ich meine Hände grabe
als gäbe es etwas zu heben,
einen Schatz, von dem nur ich weiss
dank einer Karte, die du nur mir verraten hast
und es ist ein Schatz, den meine Hände
weniger heben, denn hüten

Moment, sagt du, und ich
Warte

Am Himmel singt einer, der Stimme nach
könnte es ein Vogel sein, der
des Fliegens müde ein zweites Standbein aufgetan
und gleich lautstark zum Tanzen gebracht hat
und wie immer spielt einer
spielt irgendjemand Klavier
es könnte ein Flügel sein.

Moment, sagst du, und ich
Warte
Das Wunder kommt gleich.