Gegenwart

übermut und daunenkissen

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dem träumen zwei jahre geschenkt, gut angelegte, genüsslich verschwendete. eins mit schweben verbracht, über den tellerrand gespuckt und den goldrand entlang getänzelt. ein anderes: die augen nicht verschlossen, sondern sehen gemacht. dem bauch ein bett gebaut, das ihn trägt, aus balken, die dem holzwurm zu bitter. zwei jahre dem wunder die hand hingehalten und zugegriffen, wenn sich eins traute. ein jahr dem vielen noch mehr entgegengesetzt, das haar offen getragen und die füße nackt.

es folgte eines im zeichen des abnehmwilligen mondes. deutlich kühler forderte es zwischen den zeichen auf, die schultern wieder zu bedecken und den übermut wenigstens beim nachnamen zu nennen. tee statt kaffee und seilspringen statt knallerbsen-bingo. der wecker hielt sich bereit, aber dank snooze und daunenkissen ließ sich der morgen immer wieder hinauszögern.

irgendwann aber bliest du zum zapfenstreich, riefst den frühling aus und verschwandest noch ehe ich blinzeln mochte. verschärft, dachte ich noch, ich erinnere mich dunkel, nahm abschied von nacht und miederwaren und machte mich an das, was gemeinhin unter aufwachen bekannt. ein langwieriges unterfangen wie sich bald zeigte und ich ohne jedes talent. nur gut, dass du händchen hälst, die trillerpfeife im anschlag, in der luft liegende küsse nur notdürftig verhindernd.

Gegenwart

48 Stunden 38 zum 28sten

Wenn alles anders kommt und du vor lauter Tränen den Weg in den Tag kaum mehr findest.
Wenn die Stunde 0 mit einer Einladung zur Begehung der ewigen Gelübde beginnt.
Wenn zum Frühstück Said auf dich wartet und Worte hat, die dein Gedächtnis ins vorgestern, übermorgen und zurück tragen, mühelos.
Wenn der Kreislauf im Quadrat springt und der 1,60 große Arzt dich liebevoll „Kleene“ nennend zum Darniederliegen bringt.
Wenn du den Ehrentag in einer Einrichtung für Invaliden begehst.
Wenn zwar draussen Frühling ist, aber in die nur kalt.
Wenn du später mit einem Rezept für Insulin in die Apotheke gehst und die Apothekerin denkt, du hast das falsche Rezept dabei, weil du „so krank“ aussiehst.
Wenn du nicht weisst, wohin mit dir, weil die eigene Couch besetzt.
Wenn dein Vater dich von der Piste aus anruft und du ahnst, da ist was im Busch und dann ist der Busch lichterloh in Flammen.
Wenn dann beim Kunden, die Kundinnen dir mit erhobener Skepsis begegnen, Kaffee wie Tee anbieten und dir nach 2 Stunden Lachen und Planen plötzlich vertrauen.
Wenn du mit der Projektpartnerin noch auf einen Drink ins Hotel nebenan willst, ihr euch im Eingang irrt und stattdessen im Seniorendomizil endet.
Wenn die Hotelbar dann doch noch gefunden wird, und dir die Projektpartnerin spontan eine Cola Zero und ein zweites Projekt anbietet.
Wenn du im Dunkeln nach Hause kommst, und die Untermieterin zum Abschied alles blitzblank geputzt hat.
Wenn du statt mit allen Lieben um dich, schließlich mutterseelenallein die Suppe löffelst, die du dir aus Lieblingszutaten eingebrockt hast.

Wenn dann im Eisfach überraschenderweise ein Kilo Eis vom letzten Sommer wartet, dann erwischt dich das neue Lebensjahr eiskalt mit Erdnusskaramell.