Gegenwart

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Es war einmal… ein schüchterner See, der nur dann und wann an die Oberfläche kam und auch dann nur leise. Der lieber Spiegel war als Bild, lieber Boden als Spielwiese, der das Wetter nahm, wie es war, und doch auch den schärfsten Blitz zu zähmen und den einsamsten Menschen sich umarmt zu fühlen lassen vermochte.

Der Himmel wagte nicht zu atmen, hielt Abstand und seine Wolken an, den See nicht mal in Gedanken zu touchieren, man ahnt wie schwer es ihnen fiel, wie sie im Halbdunkel die Ufer entlangstrichen, den Horizont immer wieder heimlich näherrückten, und im Morgengrauen die Tautropfen um ihre Berührungspunkte neideten.

Als eines Tages die Farben ihre letzten Urlaubstage abbummelten und die Bäume frühmorgens noch unbekleidet ihre Grounding-Übungen absolvierten, bezirzten sie die Atmosphäre kurz alle Schwerkraft und Thermik außer Kraft zu setzen und dem See eine Wunde zuzufügen, die nur sie wieder heilen könnten, seine Schüchternheit gleich mit, und versanken selbst noch ehe die Umarmung vollbracht.

Gegenwart

20 // Twenty Pools to find your Underwater Lover


20 KünstlerInnen aus 8 Nationen wurden zu 10 Tandems kuratiert, die sich aufeinander einlassen, ihren virtuellen Pool gestalten, und transparent ihren künstlerischen Prozess öffentlich hinterfragen, diskutieren und erlebbar machen. Die KünstlerInnen hinterlassen an einem White Board in ihren jeweiligen Schwimmbecken regelmäßig Status- und Prozessmeldungen, um die Entwicklung künstlerisch, transkulturell, technisch oder ganz persönlich mit-erlebbar zu machen: Wie inspiriert und beeinflusst mich ein anderes kreatives Gegenüber künstlerisch, menschlich, ästhetisch – und dies ohne eigene Körper, ohne Werk im analogen, sondern rein im virtuellen Raum?

Der Gestaltungs-Prozess

20 // TWENTY ist ein Projekt, das Kunst und Mensch im digital-virtuellen Raum erforscht und ebenso kritisch beleuchtet. Welche Sinnhaftigkeiten, Emotionen, Vermittlungsmöglichkeiten, Freuden und Methoden lassen sich für KünstlerInnen und ihre Arbeit synthetisieren? Das virtuelle STADTBAD, ein virtuelles Abbild des ehemaligen Bauhaus-Stadtbad der Stadt Brandenburg an der Havel, nahe Berlin, wurde für dieses transdisziplinäre Laboratorium umgebaut, mit weiteren 10 Schwimmbädern und einem komplexen Backend mit interaktiven Gestaltungstools für 2D, 3D-Objekte, multimediale Ausdrucksformen in Klang und Video, Raum- und Lichtgestaltungsmöglichkeiten, Objekt-Bewegungseffekte bis hin zu Wasser und Nebel versehen.

Eines der Tandems bestand aus der Wortlaute-Autorin Anne Seubert und dem Schweizer Komponisten und Professor für intermediale Komposition an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin Wolf Heiniger.In unserem Raum erprobten wir den Klang der Worte zum Wasser, Wellen und Wogen, das Untergehen und das Auftauchen. Wir lauschten und lungerten, wir schwammen und schwebten und irgendwann hatten sie sich gefunden: Wortlaute, die schwimmen konnten und Klänge, die tragen und vereinnahmen gleichermaßen.

Zur beschreibenden Projektseite & den Künstler-Tandems
Zu den virtuellen von uns gestalteten Pools (sound ON!)

Das Vorhaben wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.