Gegenwart

Orchestergrabenkämpfe

adams_passion_credit_kristian_kruuser__kaupo_kikkas_7 ©Kristian Kruuser / Kaupo Kikkas

Die zweite Geige legst du schachmatt noch ehe ich den Mantel ausgezogen. Zug bekommt der Abend nicht erst als der Mann vor mir in der Garderobenschlange mit Polizeiruf droht. D36 gilt nachdrücklich als vermisst.

Adams bloße Präsenz hat Spuren hinterlassen, das Kind zittert als es den Zweig zwischen die Zähne und auf den Arm nimmt. Ich will bluten und beichten und skeptische Runzeln zur Weissglut treiben und darüber hinaus: Fegend sei das Feuer, das deinen Schatten entzweit, will ich rufen und dir zwischen die Schenkel grätschen, bevor der Vorhang fällt und die Haut von dannen zieht.

Ein Händedruck später erhebt sich der Saal unisono im Dunkeln, ich erhasche deine Bauchfalte zwischen zwei Wimpernschlägen und jage meinen Blick dann doch wieder auf die Bühne, die ihn zwei Stunden in blau-weissen Licht-Atem hat Sturmflut tanzen lassen: Hoch hinaus bis kopfüber zum Orchester selbst und dann wieder messerspitzenaspik auf diesen einen zitternden Lichtkegel, der Adams Wundbarkeit Pirouette tänzeln ließ.

Muse: Adam’s Passion, Konzerthaus Berlin

Gegenwart

Einen Teil der Geschichte

Venice, Gondola, Canal

Immer eine Handvoll Wasser unter dem Stuhlbein. Ein Meer, das sich teilen und eine Tür, die sich nicht schliessen lässt.

Immer den Tag schon gelobt, bevor es Frühstück gibt. Der Sonne beim Wachwerden Tee übers Revers geschüttet und den Alltag in Kurzarbeit geschickt.

Einen Teil der Geschichte behalte ich für mich, aber auf Seite 37 wird es erst still, dann spannend und ab Seite 38 les ich dir vor. Nimm schonmal Platz, aber nicht schummeln, ja?