Gelage

A little less absence please, a little more intimacy!

Please welcome, Steve Mcqueen | © Anne Seubert

Und dann hat sich mein Absatz in sich gekehrt, hat noch vor der Treppe kehrt gemacht, sich die Schuhe ausgezogen, ausziehen lassen, ohne dass ich was hätte sagen müssen und barfuß die Bühne betreten. Zwei Schritte vor, ihr wisst schon und dann doch um die eigene Achse und prompt das Spielbein nicht über Los sondern auf das Geländer gelegt. Streckbank war gestern und Halt ist ja immer eine Frage der Perspektive, Stand die Antwort, die nur das Ego findet und Stillstand nichts für Frauen auf hohen Absätzen und glückseligen Hüften.

Mein Absatz aber lügt sich noch ins Fäustchen, dreht eine Viertelrunde und weiß doch längst, dass ein Schritt folgen muss, auch wenn er noch so hoch auf Fersengeld gepokert hatte. Ein Schritt ist einer, der gegangen werden will, einer, der Land gut und Ferne erreichbar macht. Einer, der Nähe auflöst und um Längen ringt, als wären sieben Meilen eine Größe mit der man Eindruck schinden könne in einer Welt, in der Distanzen zur Floskel verkommen und Weltreisen zum guten Ton gehören. Wie auch immer der klingen mag.

Einen hat mein Absatz stets in petto, einen der Luft holt und perlt und warmen Regen wagt, wenn auch erst in der Stille nach dem Ton, die sich dann zu sprechen traut, wenn alle längst über Bord oder doch zumindest mit Blick auf das Land jottwedeh! Einen Halt, der Hände hat, zwei davon und Arme, die sich auf Hüften die Ruhe vor dem Sturm gönnen. Und auch die danach. Die Gänsehaut bekommen beim ersten und Hornhaut beim letzten Schritt, die mitgehen, wenn du tanzt und innehalten wenn Haut spürbar wird.

So wird ein Schuh draus, my dear, der, keinen Absatz sein eigen, die Schultern bloß, die Hüften blank, alle Treppen mit dir beschreitet, auch wenn Escher seine Hände im Spiel.

Gelage

Zwischen meinen Fingern ankernd

Staircase, Vienna | Anne Seubert

Und dann stehst du da, neben mir, legst deinen Schatten, wo eben noch meine Hand lag und schlief, ohne je wieder erwachen zu wollen. Stehst mit beiden Beinen in meinem Traum, den Boden berührend, der doch eben noch Meer und einer aus sieben Ozeanen, aus Wassern, die nicht zu schöpfen, jetzt Feld, das zu bestellen du dir nicht ausgesucht aber gefunden. Einen Fuß in meine Erde gegraben, hälst du den anderen in der Luft, die Luft an, das Knie bereit zur Beuge.

Und dann stehst du da, ein Lächeln auf den braun gebrannten Schultern, das dir den Weg ebnet in diese Beuge am Fuße dessen, was da Leib und Seele und zwischen allen Laken ankert, zwei Schenkel und eine Zehenspitze weit. Bereit, sagst du, und wirfst adhoc alle Anker von Bord ohne die Augen auch nur geöffnet, ohne das Lächeln auch nur ein Öchsle tiefer gestapelt zu haben. Es ist schließlich Mitternacht und der Sonntag keiner der im Buche steht.

Und dann liegst du da, dem Sonntagmorgen den Atem raubend, aufgeschlagen ankernd zwischen meinen Fingern dem Fluss das Wasser reichend wie einem fremden Tier das erste Mahl: das Unbekannte nährend und zähmend zugleich, der Gegenwart vor Vertrauen strotzend eine Zukunft servierend, die alles birgt, was zart, wild und wunderbar.