Gelage

Als die Welt erschaffen wurde, hatte Gott kein Alibi

Schmaus | Anne Seubert

  1. Als die Welt erschaffen wurde, hatte Gott kein Alibi. Adam und Eva waren fein raus, sie waren noch nicht erfunden, nur Gott stammelte was von Sieben-Tage-Deadline, sich widersprechendem Briefing und knappem Budget, und drehte den Spiess dann um: Noch nie was von Design Thinking und Sprints gehört? Iterative Prozesse, My Lord!

Die Wellen lächelten müde und verzogen sich an einen Strand, der dem Sommer gerne die nackte Schulter zeigte, die Wellen aber regelmäßig om Regen stehen ließ. Heute aber hatte er Tag des offenen Meeres und gab den Dünen frei, schmiss eine Runde Sonnenstrahlen und drei Fässer Gischt. Es wurde ein langer Abend, der bis in den Morgen reichte und die Nacht mehr als einmal zum Bleiben aufforderte.

Frühstück ans Bett war gewünscht, aber der Roomservice war noch in Elternzeit und so servierte Gott den Garten Eden als Tischgebet mit frischer Minue und nach Mekka ausgerichteten Minzblättern selbst. In den Reis hatte er Safran gebacken und die Feigen gabs zur himmelgemachten Limonade an Blattsalat karamellisiert.

Gelage

Fütterung der Zukünftigen

Licht | © Anne SeubertA wanderer is man from his birth.
He was born in a ship
On the breast of the river of Time…
Matthew Arnold, The Future

In Gold? In Zukunft! antwortest du auf meine Frage nach den Investitionsempfehlungen und die Künftige öffnet ihre Türen. Zu war gestern, heute ist Tag der offenen Zukunft. Sie seien mehrere, geben Sie noch vor Eröffnung des Büffets bekannt. Kommet in Scharen, perlt es uns von den Lippen.

Komme was wolle,  mir reicht es,  grollt mein Frust noch zwischen den Kniekehlen,  da hast du schon gepackt und das Angebot angenommen,  das da Lastminute,  dabei war es die vorletzte,  ich habe es genau gesehen. Nun sind wir also unterwegs zu dieser Truppe, die da auf den Startblöcken steht, den Swimsuit in hightech, die Füße bloß, der Blick offen.

Ruhe in Fetzen, traut sich die Reiselektüre, mich zum Lächeln zu motivieren,  da weiss ich noch nicht,  wie ich die Todo-Liste aus der Gegenwart in die Zukunft schleuse. Mañana, my dear, ist das Warum längst außer Puste und der Sturm hat sich gelegt. Lass uns heute das Feuer bereiten, Leib & Seele an Bord holen und die um uns sammeln, die wir bei uns haben wollen.

Lass uns der Zukunft ein Bett ins Gästezimmer stellen, setzt du an, und ich bestehe darauf,  dass es ein Mehrbettzimmer wird und den Roomservice selbst zu übernehmen. Make yourself a home, flüster ich probeweise und weiss schon jetzt,  was auf dem Tablett liegen wird: Brot und Salz, ein Gruß aus der Vergangenheit und ein Stück Apfelkuchen mit Streuseln, die es in sich haben. Was, verrate ich noch nicht.

Let the Futures crumble!