Geliebte

Meerjungfrauentausch

Lange Anna © Anne Seubert | Wortlaute

Küsten sähst du da, wo das Land seinen Nebel lichtet, der mir den Weg auf die Insel bahnte: durchs Meer. Keusch die Welle noch am Delta, wogte der Ozean höher mit jeder Meile, die der Knoten hielt und der Takt aus dem Ruder kam: Lotse auf Halbmast, rettet sich der Alltag noch auf die Brücke, ehe der Captain zum Dinner ruft und das Wasser ablässt: Ende Gelände, my dear, Salz ist hier Meer mehr noch als Schweiss.

Den Mut im Handgepäck folgst du der Stimme, die uns zum Sonnenuntergang auf die Klippe befiehlt, es ist Kitsch’o’Clock als Madame ihre Hüllen fallen lässt und uns schweigen macht. Schweigend bleibt es, bis der Mond aufwacht und nicht eher ruht als bis wir aufgestanden, ausgezogen und im Meer: Eine Runde aufs Haus und eine gegen den Wind, dann ist Morgen und Stille und die Bucht, die wir im Angesicht der dunkel nur ummantelten See erwählt hatten, geflutet.

Die Flut, die Segel gehisst, hallt noch nach, als du von Bord gehst. Ich lege dir Nummern in den Strand, die dir Rätsel aufsagen, lückenlos Sandkorn-umschmeichelt, sacht noch im Schritt, der auf den ersten Satz folgt; dann Spiel, Satz und Siegernächte, wobei auch du weisst: Auf Nächte folgen Tage, die gerührt werden wollen, nicht geschüttelt: gerührt zu Tränen, die reinwaschen, die rein waschen, kopfüber, landunter, porentief zur Ruhe und voll auf die 12: Volle Kraft voraus, heute du, morgen ich, übermorgen die Meerjungfrauen im Chor.


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Geliebte

Tango Libre: Drei Viertel en Orange

Halensee, Berlin

Wo du Land bin ich das Meer,
wo du Wand, die Tür,
wo du Satz, ich Spiel & Regel zugleich,
wo du Rede, ich Antwort und Frage nach den Punkt-, Komma-, Sprichwörtchen, die dir auf den Lippen und mir im Magen liegen.

Knöpfe dir mein Knie vor, Rock hin oder her, hinterrücks die Kehle auch mit beiden Händen auf einmal, halte, schöpfe, zähle bis 10, bis du lachst und die Finger zur Ferse rennen, sich an den Waden wickelnd wenn schon kein Beispiel dann doch wenigstens Schwung nehmend für die nächste Runde Tango libre.

Achtend halt ein, genieß die Unwucht, das Rad, das Reden schwingend Ruder wird, bis du in sattem Gelb gebadet schweigst, einem Ton, kaum Farbe, mehr Licht, der die Wärme mitbringt, die meinen Orangenhälften fehlte, die ich dir zum Apéro kredenzt hatte, und den Saft, der deine Adern in Flusslaune bringt.

Lass fließen, fluten, durstig werden und wetten, hinter dem nächsten Takt warten drei Viertel mindestens!