Geliebte

Drei Fenster zum Hof

Über Nacht ein Kind geboren, das die Wiege schmäht und lieber zu Fuß auf die Beine kommt. Beine, die bis über beide Ohren der Langstrecke ergeben, das Knie stets auf Fünf vor Knapp und die Adduktorenspannung auf Maximum geregelt.

Die Zukunft hat Seitenstechen, bereits bevor ich sie vorstelle, es wirkt als hätte sie es geahnt, dass da noch einer komme, der zwar das Wort noch nicht gefunden, aber dafür auf der Haut ein Mal so leuchtend, dass die Welt perplex.

Beiss nicht ins Gras sondern in den Stengel daneben, rät die Wut der Schwermut, deutet auf wilden Hopfen zur Beruhigung und sammelt Kröten aus dem Weg, der ein Ziel sein möchte.

Drei Fenster zum Hof öffnest du und lässt den Atem von der Leine: Endlich Herbst, komm lass uns ernten!

Geliebte

Meerjungfrauentausch

Lange Anna © Anne Seubert | Wortlaute

Küsten sähst du da, wo das Land seinen Nebel lichtet, der mir den Weg auf die Insel bahnte: durchs Meer. Keusch die Welle noch am Delta, wogte der Ozean höher mit jeder Meile, die der Knoten hielt und der Takt aus dem Ruder kam: Lotse auf Halbmast, rettet sich der Alltag noch auf die Brücke, ehe der Captain zum Dinner ruft und das Wasser ablässt: Ende Gelände, my dear, Salz ist hier Meer mehr noch als Schweiss.

Den Mut im Handgepäck folgst du der Stimme, die uns zum Sonnenuntergang auf die Klippe befiehlt, es ist Kitsch’o’Clock als Madame ihre Hüllen fallen lässt und uns schweigen macht. Schweigend bleibt es, bis der Mond aufwacht und nicht eher ruht als bis wir aufgestanden, ausgezogen und im Meer: Eine Runde aufs Haus und eine gegen den Wind, dann ist Morgen und Stille und die Bucht, die wir im Angesicht der dunkel nur ummantelten See erwählt hatten, geflutet.

Die Flut, die Segel gehisst, hallt noch nach, als du von Bord gehst. Ich lege dir Nummern in den Strand, die dir Rätsel aufsagen, lückenlos Sandkorn-umschmeichelt, sacht noch im Schritt, der auf den ersten Satz folgt; dann Spiel, Satz und Siegernächte, wobei auch du weisst: Auf Nächte folgen Tage, die gerührt werden wollen, nicht geschüttelt: gerührt zu Tränen, die reinwaschen, die rein waschen, kopfüber, landunter, porentief zur Ruhe und voll auf die 12: Volle Kraft voraus, heute du, morgen ich, übermorgen die Meerjungfrauen im Chor.


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