Gemäuer

Schönheit im Tun und Lassen

Beauty | © Anne Seubert

Schönheit, sagst du, sei Klarheit, das will mir nicht in den Kopf. Schönheit, will ich ansetzen, ist alles andere als Klarheit, ist diese ergreifende, nicht greifbare Erscheinung, dieses Wow, das aus dem Kehlkopf steigt. Ist gierig und sich selbst genug, ist rund und Askese, Abwesenheit von Zeit und Reife zugleich. Ist Abenteuer und Ankunft, Aufbruch und Vanitas, Stille und Aufschrei.

Schön seien die anderen, erwiderst du, niemals man selbst und ich frage mich, wer dir den Spiegel vorgehalten hat ohne dir dein konvexes Wesen vorzustellen, Schönheit vollendet sich immer im Auge des Betrachters,  möchte ich ergänzen, serviert zwischen dir und mir, da wo dein Atem den meinen umschmiegt und weiss zugleich, wie wenig das Auge allein richten kann über Schönheit und ihre Anverwandten.

Schönheit will gesehen werden, schließt du und ich rufe alle schönen Geister, sich zu versammeln: Schatten und Schäreninseln, Edelfräuleins und Eremiten, im Gegenteil, will ich rufen, Schönheit braucht Einsamkeit, um zu wachsen, Schilf, um zu gestalten, Wundheit, um zu gedeihen,Stille, um zu verweilen.  Schönheit will malen, gestalten, schaffen, schreite ich ein, und ist, um geschaffen zu werden, geboren: Gestatten, von und zu Widerspruch mein Name, mit doppeltem Hauch und unlauterem H im Abgang!

Gemäuer

to be handled with decent care

Brevier der Zärtlichkeit | © Anne Seubert

Komm in das Land wo der Feuervogel wohnt, sang Klaus Hoffmann einst, und ich lade dich ein in das Land, wo Zartheit das Zepter, Fingerspitzen das Gefühl und Wimpern den Ton anschlagen, der dir nackenumschmeichelnd Gänsehaut und mir dieses inwendige Schnurren auf die Lippen beschert.

Zart, du weises Wesen, Tugend und Fluch zugleich. Du Muskel, der selten bemüht, noch seltener trainiert. Oft belächelt, verlacht, verhöhnt, wirkst du im Leisen, da wo das Laute schwach, das Zupackende kraftlos, das allseits Prägnante stimmlos, da raunst du noch im Vorbeigehen Berührungen zwischen Pulloversaum und Haaransatz, das mir schwindelt.

Zart | Wortbedeutungen

Zärtlich wärt am längsten? Andeutungsweise zumindest, weiß, wer den Herbst liebt und dem Sommer misstraut, du am längsten. Halt ein, acht, den Finger Nanometer nur über meiner Lippenoberkante, da wo der Schweiß perlt, wenn. Wenn Lippe auf Lippe trifft, wobei Kuss schon zu viel des Guten  zuweilen, Kuss, der das Sanfte aufs Verführerischste ins Indiskrete zu wandeln versteht. Womit wir beim  verabschieden in dieses Wochenende wären, das zart sich am Horizont andeutet, während der Herbst ein Gold ausbreitet, in dem man Baden gehen möchte.

Zart | Wortbedeutungen