Gemäuer

Kleiderkreisel mit Nick Knatterton

Nick Knatterton | Ales | berlin

Manchmal macht sich ein Gedanke so breit, dass das Leben ausziehen muss. Der Alltag will dann um die Ecke gebracht werden und das Herz blüht auf Halde weiter. Der Plattenteller dreht den Milchreis durch den Entsafter und Morgen ist zwar erst Dienstag aber trotzdem schon Ende der Woche. Chips kommen mir nicht in die Tüte, ich setze auf Rote Bete mitohne Meerrettich. Und Burrata dreifach.

Der Junge, der mit mir ankam und sein Rad an die gleiche Laterne band, bevor er das Bistro betrat, verließ das Bistro zufällig auch zeitgleich wieder mit mir und empfahl mir beim synchronen Aufschließen des Rads jedesmal, wirklich jedesmal die Burrata zu nehmen. Begegnungen, die ich an Berlin liebe, wie den Comicladen, dessen Besitzer mir heute aus dem Nähkästchen 47 Jahren Superheldenfans und staunenden Koreanern erzählte.

Manchmal reicht das Klingelschild nicht für all die Namen, die dir das Leben gibt, dann muss es ein Fernsehturm sein. Manchmal will der Mut nicht, dann muss die Angst vortreten. Manchmal will das Herz weit und der Schritt reicht nur bis zur Nabelkante, dann müssen die Schwimmflügel raus. Wir sehen uns auf der andern Seite!

Gemäuer

Drei Minuten Traum

Worte pflanzen in einen Wald voller Wände.
Platz nehmen und Risse ernten, da wo der Putz auf Kante und die Kante auf Zack. Den Türen Raum geben und Moos, fingerdick und rauhfasern im Anschnitt.

Weiß stehen lassen, grosszügigst, stattdessen selbst grün werden vor Land, das in Sicht wenn du den Blick von der Leine lässt. Durchgehen mit aufrechtem Grad, das Messer in der Tasche und den Atem im Entdeckermodus.

Jetzt bloss nicht aufwachen, Träumchen, drei Minuten haben wir noch bevor der Alltag klingelt, zum Tasten, Wurzeln schlagen, Boden sein. Gewachsen wird morgen wieder, jetzt wird sich angeschmiegt.