Gemäuer

für den nächsten meilenstein mindestens

everything will be alright | anne seubert
müde den finger gehoben
die braue, das knie
dem schmerz unter die arme gegriffen
und der welt einen trockenen martini angeboten

sie ließ den blick unter den lidern
die antwort auf sich warten und mich
an der angel:
ein drink macht mich nicht schöner
wenn ich ihn trinke und wenn ich mir dich so anschaue…

cliffhanger kann sie so gut wie unwiderstehliche angebote, denke ich mir,
als sie die augen bis über das ufer öffnet,
das schilf teilend wie einen riegel schokolade,
es rauscht genüsslich

du verträgst so wenig wie ich, hebt sie an,
und ich habe das aber schon auf den lippen,
als sie mir ihre schultern anbietet
für den nächsten meilenstein mindestens.

Gemäuer

Ein Buchhändler. Ein Buch. Ein Museum. Eine Geschichte. Eine Freundschaft.

Brachiosaurus_CMYK[1] © Museum für Naturkunde

Für seinen Direktor Johannes Vogel ist es der ideale Ort für das Staunen, für Begegnungen  – und das Aushandeln unserer Zukunft. Für die unzähligen Föten, Skelette und Präparate und Mineralien ist es eine letzte Bühne und für seine Fans und Besucherinnen jeden Alters Magnet und Tür in Welten, die im Alltag nur spurenweise anzutreffen, wenn überhaupt. Für eine Geschichte ist es Fleisch und Blut und Austragungsort – bis zum Showdown. Das Naturkundemuseum Berlin.

Ähnlich geht es vielen Menschen und auch mit mit Büchern, Schlupflöcher und Komplizen in Alltag und Urlaub. Ganz wichtig in beiden Fällen: die Schwellenhüter. Im einen Fall die Museumsmitarbeiter, im anderen Buchhändlerinnen, im besten Fall beide aus Passion. Ich schätze mich glücklich, dass einer dieser ganz besonderen Buchhändler mich im letzten Jahr mit einer Auswahl Diogenes-Bücher beglückte. Unter ihnen das “Museum der Erinnerungen”, das mich erst auf den zweiten Blick erreichte, Titel und Cover waren meine Sache nicht, aber kaum hatte ich zu lesen begonnen, hörte ich nicht mehr auf. Im Zentrum: Das Naturkundemuseum Berlin und eine seiner Mitarbeiterinnen mit ganz eigener Geschichte und eigener Beziehung zu den Objekten des Museums. Selbst Sammlerin auf eine Art.

Ich hatte es noch nicht ausgelesen, da wusste ich, wer dieses Buch als nächstes lesen muss. Meine Freundin Stephanie, ihres Zeichens Archäologin, Kunstwissenschaftlerin – und Museumsliebhaberin, die im letzten Jahr gar ein Projekt dazu gestartet hat: museums.love
Wie die Protagonistin ist auch sie vor einigen Jahren nach Berlin gezogen und tatsächlich waren wir vor vielen Jahren einmal gemeinsam für eine Nacht im Naturkundemuseum, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir trafen uns zu einer Buchübergabe, ich gebe zu, ich war gespannt auf ihre Perspektive: Hatte ich ob der Parallelen und des Sujets richtig vermutet, dass sie das Buch genießen würde? Gestern dann erreichte mich Ihre Nachricht in Form eines Videos – und das möchte hier gerne mit euch teilen:

PS: Wohl dem der solch einen Buchhändler zu seinen Freunden zählen darf, solche Bücher zu seinen Betthupferln, solche Freundinnen zu seinen Musen. In Zeiten wie diesen unbezahlbar.