Geliebte, Zettelkasten

Balts Nil: Vo wäge DO

“Vo wäge” übersetze ich spontan mit einem trotzigen “Von wegen!”, allerdings mit einem kleinen Zweifel in der inneren Stimme, denn es schwingt auch die Möglichkeit eines “in Sachen xyz” mit, also eine Zuschreibung statt einer Abfuhr. Das macht schon im Anlauf deutlich, was dieses kleine feine Büchlein mit sich trägt: Wege nach vorn, nach hinten, nach oben und unten und allem voran nach innendrin. Da, wo es in meiner Heimatsprache urig wird, ursprünglich, da wo die Kerne nur in Mundart richtig klingen, wo konzentriertes, und zwar im Wortsinne, weil eben auch konzentrierendes Hinhören Pflicht und unendliche Freude.

Durch Zufall entdeckt, weil der Autor, der sich die Aufgabe gestellt hat, die in Verse verpackte Weisheiten des Tao te King ins Berndütsche zu übersetzen und sich damit auf eine Reise in seine Muttersprache, die wir bei Dialekten zur Kunst, zur Kunst des Mundes erheben, begeben hat. Der eigene Mund mit Zunge und Resonanzraum und Lippen und Gaumenschlag ist wichtig, oder besser war mir wichtig beim Lesen, denn oft erst im Klang, der beim Aussprechen entsteht, erschloss ich mir der Sinn. Geschriebene Mundart hat eine Geheimsprachen-Stärke, die beim Sprechen für viele weiterhin spürbar, aber längst nicht so hermetisch. Nicht zuletzt weil Mundart selten ausgeschrieben wird. Dafür herzlichsten Dank, auch den GestalterInnen und dem Verleger Bernhard Engler, die diesem Kleinod in mittlerweile dritter Auflage ihr Können und Vertrauen schenkten.

(Vor-)gelesen um zu verstehen:

Balts Nil: Vo wäge DO, Lokwort Verlag Bern –  Zum Einlesen und Kaufen.

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Sprachschätze

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Schon seit meiner Kindheit begleitet mich ein mittlerweile stark in Mitleidenschaft gezogene Etymologie. Ganze Nachmittage konnte ich mich in die Wort-Herkünfte einlesen, ihren verschlungenen Wege durch unterschiedliche Sprachen und Anwendungsgebiete folgen, mich wundern und staunen.

Immer wieder stockte ich, ließen mich Kombinationen nicht los, immer wieder führte es mich auf Gedankengänge, die ich sonst nicht eingeschlagen hätte. Zuweilen fremdelte ich (wirklich?) und wenn sich eine Herkunft nicht einwandfrei nachrecherchieren ließ, stellte ich mir Kennzeichen X mit Begrifflichkeiten vor: Wer hat dieses Wort zuerst gehört? Zweckdienliche Hinweise…

Ich habe nur einige Semester Linguistik intus und kann mich doch an einzelnen Worten erfreuen, wie andere vielleicht an einem Neuwagen. Mittlerweile weiß ich, welche Menschen in meinem Umfeld sich mitfreuen und so tauschen wir manchmal Schätze aus, mal in der einen, mal in der anderen Sprache – mal im Gespräch eingebracht, mal ganz explizit. Diese Schätze teile ich gern – und einen jetzt und hier: Wussten Sie, dass der Hals in der Wortbedeutung der Ort der Drehung des Kopfes ist?

 


Sprachschätze aus dem Hause Duden gibt es übrigens aktuell zu Körper & Gesundheit, Kunst und Kultur, Essen & Trinke, sowie Tiere & Pflanzen.