Gerda

Ruhe in Freuden

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Meine Oma starb 2014. In den letzten Wochen habe ich viel mit ihr geredet, heimlich. Jeden Tag bin ich mit vier Gießkannen an ihr Grab getreten und habe ihren letzten Garten, prall mit Lavendel und Mandelbäumchen, Wildrosen und Schachtelhalmen gefüllt, gewässert. Dabei blieb es nicht aus, dass ich Bilder geschenkt bekam von ihr und ihrer Liebe zum eigenen Garten, der sich Sommer für Sommer wandelte und doch stets Himbeeren bereit hielt. Und Astern.

Vieles ging mir in diesen Tag durch den Kopf, viele Menschen in meinem Leben wissen von meiner Oma, die so klein wie stark war und mich auf mannigfaltige Weise direkt oder indirekt geprägt hat. Kid37  hat mir letzthin nahegelegt, mehr Liebesbriefe zu schreiben – das hier ist vielleicht ein ungewöhnlicher Ansatz, aber der Versuch einer Auflistung ihrer „Lektionen“ könnte so beginnen:

  • Dass man sehr wohl ein gutes im schlechten Leben haben kann.
  • Dass ein eigener Wille gepflegt werden will und auch 5jährigen Mädchen gut zu Gesicht steht.
  • Dass man Wurst auch gut ohne Brot essen kann.
  • Dass Trotz ein wunderbarer Motivator und Qualität streng subjektiv ist.
  • Dass Regeln das Leben ungleich reizvoller machen können. Sowohl beim befolgen als auch beim Brechen. Überhaupt Widersprüche – wer wenn nicht du!
  • Wie man ein Rind so zerteilt, dass anschließend im Tiefkühlfach Gulasch, Steak, Suppenfleisch und  Zunge sich genießbar stapeln.
  • Dass gutes Essen kein Wahl- sondern Pflichtfach für jeden ist, der was auf sich hält.
  • Dass Frieden die Grundlage von allem und Toleranz ein Muskel, den man trainieren kann.
  • Dass Engagement nichts mit Aufopferung sondern mir Selbstverwirklichung zu tun hat.
  • Dass Liebe vielleicht aus Mut gemacht ist, Freundschaft aber aus geteilter Zeit. Unzählige Stunden am Telefon, immer ein offenes Ohr, ein offenes Haus führten dazu, dass sie die letzten Jahre 3 Tage lang Geburtstag feierte, um alle Gäste willkommen heißen zu können.
  • Dass Gastgeben nichts mit Show sondern ganz viel mit Geben zu tun hat.
  • Dass man ruhig klein sein kann und trotzdem zum Fürchten.
  • Dass Schönheit nur eine von vielen Optionen ist.
  • Dass man nicht einer Meinung sein muß um sich zu lieben oder zu respektieren. (Wie oft haben wir gezofft!)
  • Dass Schokolade ein Grundnahrungsmittel und ergo mit mindestens einem gefüllten Regal vorzuhalten.
  • Dass wer gut sein möchte, sich besser die stärksten Gegner aussucht, auch wenn es um Tennis geht und die Gegner dann Jungs sind, vor denen man nicht mit seiner Oma auftreten möchte.
  • Dass Begeisterung ansteckend ist. Ich weiss nicht, wieviele Menschen sie zum Tennis bekehrt hat.
  • Dass wer Gutes tut, dass für sich tut und nicht darüber redet. (Wieviel Gutes sie getan hat, haben wir erst bei ihrer Beerdigung erfahren. Und vermutlich längst nicht alles.)
  • Dass Menschen ganz viel Zeit und Aufmerksamkeit verdienen. Nicht als Kontakte, nicht als Netzwerk, nicht als Investition, sondern als Menschen. Dass das trägt, auch über Jahre der Krankheit hinweg, durfte sie selbst erfahren.
  • Dass eine Heimat in Südbaden ein Geschenk, das man zelebriert.
  • Dass man nicht geliebt werden muss, um zu lieben und zu wirken.

Und nicht zuletzt,

  • Dass Wünsche Vertrauensbeweise sind, die man gefälligst erfüllt. Danke liebes Ömchen! Für das Wettrennen zwischen Dreirad und Golf, für die Liebe in Gedanken, für die Zeit zwischen Sand, Blumen und Teich und deinen bayerischen Sturkopf.

Wer mehr von meiner Oma lesen möchte, ist herzlich eingeladen.

Gerda

Kügelchen, komm tanz mit mir!

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Du ewig Blaue,
sei Wunder mir und Mitternacht,
nimm dir den Tag vor der Nacht und den Morgen
danach.

Du lachst dir so kokett ins Fäustchen,
wenn ich von Reisen spreche, von Mut und Grenzen,
und drehst ebenso galant wie unausweichlich:
die nächste Runde.

Backstage: das All,
dir ungleich mehr denn Kontrastfolie, unendlich
für dich keine Größe, kein Kriterium:
Rund wie du bist sind Wonne und Wohl eins,
du nimmst den nächsten und mich auf die Schippe und
in den Arm und lässt es krachen!