Gegenwart

Hintertürchen Horizont

Dem Himmel eine Erde anbieten
die er nicht ablehnen kann
Der Welt ein I-Tüpfelchen auf den Leib schneidern
das alle Sterne vor Neid verglühen lässt
noch vor Sonnenaufgang

Dem Gestern ein Fenster öffnen
durch das es ein- und aussteigen kann
Dem Übermorgen einen Carport zimmern –
hat es sich ausdrücklichst auserbeten
well, why not?

Der Sicherheit den Hintereingang freihalten
gleichzeitig die Aufenthaltsqualität für diese Zielgruppe
konsequent runterregeln, not just in case
Dir ein Hochbett bauen
mit Blick auf’s Mehr und den Bühneneingang
dir die Setlist bereitlegen
wohlwissend, Du singst eh wieder mit

Und unter das Dach
ein Willkommensschild hängen
in 3D und allen möglichen und unmöglichen Sprachen
möge der Wind neuerdings Braille lesen können
Den Horizont zum Ehrengast erklären
auch wenn er bis zur letzten Pause durch Abwesenheit glänzt
und Agenda nebst Etikette torpediert
indem er understatet statt sich aufzubrezeln

Gelüste

Einatmen und Ankommen

“Hab’ ich dein Ohr nur, find’ ich schon mein Wort;”
Karl Kraus, Zuflucht, 1917

Offen und ohne wenn und aber zugewandt
in Haltung und Verhalten
ist mir deine Hand heimliches Refugium
im Gefecht der auf- und anzeigenden Finger
der Rennenden und Ratenden

Hülle und Heim, Hof und Halt
ist mir dein Blick
ein spontan aber bestimmt zugeworfener Zeuge
Komplize im Hier und Jetzt
ohne jeden Anspruch auf eine gemeinsame Aussicht

Noch über die übermütigsten Brücken meines Verstandes
hilft mir dein Atem
indem er meinem Herzen, meinem Zwerchfell und mir
immer und immer wieder einen Rhythmus vorschlägt
und uns so einen Atemzug mindestens
weiterträgt.