Geliebte

D‘accord, Paris?

Paris, du stahlskelettierte Reifrockdiva, du hast dich in Regen gehüllt, dieser Tage, die ich an deinem Rockzipfel nuckeln durfte, allzeit lächelnd und jeden noch so dürftigen Krumen deiner Aufmerksamkeit abpassend. Dabei hatte es so gut ausgesehen, wir hatten frühzeitig geplant und ausreichend Lücken auf dem Teller gelassen: Raum für Köstlichkeiten jenseits des Protokolls, für wortstarke Nichtigkeiten, serifenlos diskutiert und vor Morgengrauen in Stabreime gefasst, für schmeichelnde Begegnungen, für stolpernd besuchte Schnupperkurse und mitternächtliche Wangenstreichler en passant. Ich hatte die Nächte zuvor mit dem Vokabelheftchen aus den späten 80igern gekuschelt, Konjunktionen nachgeschlagen und ein Flirttutorial ausgegraben.

Doch dann kam uns wie so oft morastige Terminplanung und ein Taxifahrerstreik dazwischen – Tant pis! Ich komme wieder, mein Streifenshirt auf der nackten Haut und die Knie, wie du es magst, sonnenmilchtrunken aus dem Bleistiftröckchen lugend. Na gut, so in die Richtung jedenfalls. Und ja, ich duz dich weiterhin gnadenlos, da magst du mir noch so sehr die kalte Schulter zeigen – oder genau deswegen. Ich komm aus Berlin und würd mir für dich die Nägel lackieren, knallrot meinethalben, aber mehr auch nicht. Den Champagner musst du perlen lassen und mir die Seine kaiweise in den Arm legen.

Ich habe deinen Kaffee probiert, Schöne, während du schliefst, noch, morgens gegen 6 Uhr früh und die Baguettes nur dem Duft nach ahnbar waren in deinen unterkühlten Straßen. Gar nicht so übel auch ohne Milch und mit Müsli statt konfitürenbesänftigter Salzbutter auf Brotflaum. Ich hab mir deine Silhouette dieses Mal aus geradezu peripheren Winkeln schmecken lassen, die dir vermutlich nur ansatzweise bekannt und darüberhinaus ziemlich egal. Aber hey, ich mag diese Ecken, die erklärte Amateure links liegen lassen. Ich mag die Supermärkte, die Äpfel und Mandarinen stiegenweise verkaufen und Bistros vor den Toren der Stadt, wo man unter Tourist eine Schokoladensorte kennt und sich schinant die Umgangssprache aus dem Mundwinkel streicht bevor man mir einen schönen Abend wünscht. Ich mag diesen Teil von dir, für den du dich schämst.

Du warst nicht in Flirtlaune, ok, meine Seiten blieben unangetastet, deine Seine hinter der Linse, selbst die Croissants unversehrt. Umso ausdrücklicher seist du dir meiner erneuten Aufwartung versichert. Auf ein Glas Pastis an Oh la la , d’accord?

PS: Ich hätte dich so gern geknutscht!

Gestern

2015, you did it and you did it great

2015, du hast es geschafft! Gerade noch rechtzeitig die Kurve gekratzt und dann Feuer frei für dieses heiß ersehnte 2016. Aber zunächst der Blick zurück. Du hattest ziemlich viele Wow-Seiten, ausreichend Spannung unterm Kiel und einige Querschläger am Start! Mehr Machen weniger Wollen lautete das Motto. Und sonst so?

JAHRESENDFRAGEN à Mek:

Haare länger oder kürzer?
Länger.

Mehr Kohle oder weniger?
Samesame.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr.

Mehr bewegt oder weniger?
Samesame. Aber weniger getanzt, leider.

Der hirnrissigste Plan?
Endlich mal wieder einige.

Die gefährlichste Unternehmung?
Operationen am offenen Herzen. Worth it.

Der beste Sex?
Halleluja! Ebenso unverhofft wie durchdringend.

Die teuerste Anschaffung?
Ein neues Fahrrad, ein neues Macbook, sonst schönerweise Reisen.

Das leckerste Essen?
Es war viel Gutes dabei, viel Selbstgekochtes und dann diese karamellisierten Auberginen!

Das beeindruckendste Buch?
Herrlichkeit.

Der ergreifendste Film?
Da gab es einige, wie Viktoria, B-Movie oder Montage of Heck. Und dieses Jahr habe ich es auch mit Serien versucht. Mal sehen.

Die beste Musik?
Ólafur Arnalds, Wars on Drugs und überhaupt an dieser Stelle: Danke, Spex!

Das schönste Konzert?
Das schönste? Ich fürchte, es waren nur zwei: Sophie Hunger im Huxleys und Boy im Lido.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Dem Sturm an meiner Seite.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
ditto.

Vorherrschendes Gefühl 2015?
Halleluja, so fühlt sich das also an! Und wann geht es endlich los?

2015 zum ersten Mal getan?
Tabula Rasa.
Eine Kündigung ausgesprochen. Korodin genommen.
Eine Liebeserklärung ausgesprochen.
In Texas gewesen. Und auf Sardinien. Im Erzgebirge. Und in Indien.
Segeln auf dem Wannsee. Sternschnuppen gesehen. In einem Turm übernachtet.
Es war ein Jahr der ersten Male.

2015 nach langer Zeit wieder getan?
Eine Auszeit genommen. Von Hand geschrieben. Einen Mädelsabend veranstaltet. Zum Osteopathen.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
1) Einen Monat mit offener Wunde zu verbringen.
2) Zweifel.
3) Ungeduld.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Dass es daheim auch sehr schön sein kann.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Einen ganzen Monat ohne wenn und aber.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein Weihnachtskalender.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Gott sei Dank bin ich umgeben von schönen Sätzen.
“Ich umschwärme dich” ist ziemlich weit vorn.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ja, ich will.

2015 war mit einem Wort …?
Romantisch.

Im Einzelnen:
Januar

Der Januar stand im Schatten eines Dezembers in Argentinien. Wieder in Berlin und in Lohn und Brot zu sein war gewöhnungsbedürftig. Tim Leberecht stellte sein Buch “Business Romantic” vor. Das prägte das gesamte weitere Jahr, was ich damals allerdings so noch nicht ahnte.

Februar
Im Februar ging es nach Madrid und Texas. Beides Konferenzen, die in Texas hiess SXSW und war irre anstrengend, aufregend und voller Begegnungen. Ich wurde ein Jahr älter und bekam eine Campingausrüstung geschenkt, die seitdem auf ihren Einsatz wartet.

März
Im März habe ich versucht mittels Fasten meine Nahrungsmittelunverträglichkeiten in den Griff zu bekommen, das misslang, dafür verlor ich einige Kilo. Es gab viel an Besuch, aber der Frühling liess auf sich warten.

April
Der April strotzte vor Sehnsucht. Immer noch kein Frühling.

Mai
Im Mai kam erst mein Bruder zu Besuch, dann wurde eine Party gefeiert und schliesslich kam mein Vater für ein paar Tage und brachte gutes Wetter und damit eine Fahrradtour durch den Berliner Süden mit. Im Mai begannen leider auch die Schmerzen.

Juni
Die Schmerzen wurden leider schlimmer, weswegen die Reisepläne endgültig über den Haufen geworfen und stattdessen das Antibiotika angeschmissen wurde. Ich habe erstmalig eine Pralinenmanufaktur besucht und durfte frisch gedrechselten Blätterkrokant probieren. Schlussendlich hiess es dann Krankenhaus, OP-Tisch und das alles mit unsicherem Ausgang und viel Antibiotika.

Juli
Das hatte auch sein Gutes aka Zeit für Freunde, die mich in Scharen besuchen kamen, auch wenn die Klinik jenseits des S-Bahnrings lag. Ich genas eis essend und die Station bebackend, die Entscheidung reifte und so traf ich im Juli eine Entscheidung, die reifer nicht hätte sein können und kündigte meinen Job. Zurück zu Hause kaufte ich drei Kleider auf einmal und beschloss, öfter Knie zu zeigen.

August
Der 1. August wollte im Schwarzwald zelebriert werden, so richtig mit traditionsreicher Wurstplatte und Baden im Bergsee. Am 12. August dann segelte ich auf den Wannsee und kam nicht mehr zurück. In den Job. Stattdessen wurde in Sardinien geheiratet und wir durften mitfeiern. Grossartige Entdeckung, dieses Inselchen!

September
Im September reiste ich zurück nach Madrid und sprach zum Thema Designing Romantic Brands in the Big Data Age, traf alte Freunde wieder und joggte durch Madrid. Erst im Nachhinein erfuhr ich, dass ich dabei nicht ganz so sichere Parks durchkreuzt hatte. Im September ging es auch für ein anderes Projekt nach Paris – noch nie hatte ich auf einer Messe so viel Spass, so viel Medienresonanz und so wenig zu essen. Und zum Monatsende ging es relativ spontan nach Indien für drei Wochen Ayurveda satt.

Oktober
Dafür gingen große Teile des Oktober drauf. Schon lange nicht mehr so viel von Hand geschrieben, so viel gelächelt und von so viel positiver Energie umgeben gewesen. Mein Körper war der Umstellung leider nicht gewachsen und mein Kreislauf brach zum zweiten Mal in diesem Jahr zusammen.

November
Den November daher anders angegangen und Korodintropfen für mich entdeckt und seitdem nie wieder ohne das Haus verlassen. Zwei berufliche Projekte hielten mich zusätzlich auf Trab: Ich versuche mich erstmalig als Stollen-Kritikerin für den RBB und als Kulinarische Scoutin und Community-Aufbaugehilfin.

Dezember
Der Dezember war 2015 zwar so warm wie nie, stand für mich aber trotzdem unter einem knallroten Stern: In 24 Portionen durfte ich Berlin und Ostdeutschland von Seiten kennenlernen, die mir bislang entgangen waren. Ein Dezember, der Lust machte auf dich, 2016!