Geliebte

alles egal, denn du lebst

Groß ist er nicht geworden. Nicht noch größer jedenfalls. Immer noch viele Jahre jünger, aber ein Mann jetzt. Der Akzent ist immer noch der Gleiche, immer noch nur manchmal hörbar. Zwischen den Zähnen, wenn die Empörung der Contenance eins auswischt. Dem Himmel sei dank. Und dann sitzen wir auf einem Sofa, ich auf dem Trockenen, er bei Whisky Sour und die Nähe wächst. Wächst und gedeiht. Füllt den Raum um, die Leere in uns. Macht sogar meine Hände warm.

Sieben Jahre sind mindestens sechs zu viel des Schweigens und die eine Umarmung zum Abschied mindestens sieben zu wenig. Mit Worten streicheln, war fast alles was möglich war. Und ein liebkosendes Lächeln. Alle paar Minuten in das beredte Schweigen gestreuselt. Auch viel gesagt, natürlich, mitohne Worte. Geteilt, das Erlebte, Erwünschte. Das Versäumte auch. Und das Schmerzende vor allem. Nichts beschwiegen.

Ein wenig mehr Zeit hätte sich auch die Sonne mit dem Untergehen lassen können, der Regen mit dem Fallen. Das Gewitter kam erst recht unangemessen, und eigentlich alles, aber egal, denn du lebst.

Gedanken

Einhalt, please!

Ich mag diesen Mensch nicht, der nur mehr Rückgrat ohne erkennbare Seele. Der nur mehr ackert ohne Lust. Der immer aufsteht, statt sich mal lang zu machen. Dessen Tage alle anthrazit-farbenen Nächten ähneln, statt dem Blau der Horizonte Konkurrenz zu machen. Ich ertrage diesen morgendlich-vorwurfsvollen Blick nicht mehr. Möchte dieses erbärmlich-wimmernde Wesen nicht weiter durchfüttern.

Ich will nicht einmal in Verbindung gebracht werden mit diesem Ausbund an Disziplin, diesem achso reizbaren Minenfeld. Seine ewig nörgelnde Vernunft ist mir unerträglich geworden, seine Askese ekelt mich an. Immer dieser Sachzwang, diese besseren Argumente und stets dieser Ernst. Und wenn ich doch mal Widerspruch wage, diese lächerliche Angst, die jeden Liebesbeweis in Grund und Boden stampft.

Ich leide unter dieser pragmatischen Ödnis, die in jeder Pore dieses vaterlosen Menschleins schlummert. Nicht ein Funken Leidenschaft lässt auf eine Zukunft hoffen, aufflackernde Spontaneität wird noch auf der Stelle mit dem stets selbstmitleid-geschärften Absatz vernichtet. Wie mit jemandem leben, der sich die Existenz, vom Genuss ganz zu schweigen, nicht gönnen kann. Der sich kaum frei zu atmen traut.

Obacht, ich willkanndarf nicht mehr.