Gestern

Ein Schlückchen Weiblichkeit

Manchmal ist es nötig, nach draußen zu schau’n. Auch wenn da keine Sonne scheint, ist es immer noch heller als drinnen. Drinnen, da wo das Blut die Kapillaren in regelmäßigen Abständen flutet. Dieses Blut, das da mal mehr, mal weniger rot in meinen Adern flirrt, hat ganz schön Federn gelassen im letzten Jahr. Erst bröckelten die Stahlkappen, rosteten die Muttern, dann machten sich die Cobalamine rar.

Und dann bitte die rosa Brille aufsetzen, schließlich will man nicht langweilen und auch eine leidlich geputzte Fensterscheibe hält ein Spiegelbild parat. Mitunter kleidet gar ein Grünschleier. Gesprächsthemen à la Cholesterinwerte, Lieblingsorthopäde oder gar verlängerbare Lebenserwartung sind erst jenseits der 40 gesellschaftsfähig.

Am Fenster passiert es sogar, dass die eigene Weiblichkeit mal wieder vorbeischaut, als zitternde Reflektion eines umwegemachenden Straßendampfers, da wo die Straßenlaterne zögerte. Dann ist atmen angesagt. Einmal tief, zweimal flach, schlucken und ja nicht fotografieren auch wenn das Glas beschlagen sollte. Prösterchen!

Gelüste

Zu früh gefreut

“Pornös” habe ich am Wochenende beim Jugendsprache-Vokabeltest gelernt. “Dir wachsen Ohren aus den Haaren” selbst erfunden. Sonst wenig bis kaum albern gewesen, zwar ein paar Sonnenstrahlen eingefangen, leider aber falsch abgespeichert. Es bleibt also noch ein paar Tage Winter zwischen Kopf und Fuß. Was schade ist. ziemlich sogar. Hello is not like I would say Goodbye.

Der Boden war nämlich aufgelockert worden, mit Spitze und Hacke, fast möchte ich sagen er f(roh)lockte geradezu. Dabei leider versäumt, den Neid zu vergiften. Alles, aber auch wirklich alles färbt er bittermandelscharf. Lässt keinen Krokus blühen, raubt noch dem letzten Schokoladenei die Unschuld samt Sommerkleid und Spitzenunterwäsche. Macht Knie zu Beulen und Lust zu Gier. Verschluckt sich noch an der schüchternsten Silbe Zärtlichkeit.

Hinfort ist das Beben am oberen Magengraben, und der Rhabarbersaft sprudelt auch nicht mehr den Glasrand überbordend. Es ist nicht so, dass ich nicht gewollt hätte, ich hätte sogar das Haar blond und die Fingernägel knallrot angemalt, ich hätte das Gummiboot entführt und die Herzklappen fensterladenweit aufgestoßen. Allein, schon der Blick aus dem Fenster offenbart der Innensicht Einsamkeit en masse und ein Außen, das mich nicht trägt. Zieh ich das Knie eben wieder ans Kinn und bete, die Mauern mögen noch ein wenig halten, porös wie sie sind.