Gedanken

Einhalt, please!

Ich mag diesen Mensch nicht, der nur mehr Rückgrat ohne erkennbare Seele. Der nur mehr ackert ohne Lust. Der immer aufsteht, statt sich mal lang zu machen. Dessen Tage alle anthrazit-farbenen Nächten ähneln, statt dem Blau der Horizonte Konkurrenz zu machen. Ich ertrage diesen morgendlich-vorwurfsvollen Blick nicht mehr. Möchte dieses erbärmlich-wimmernde Wesen nicht weiter durchfüttern.

Ich will nicht einmal in Verbindung gebracht werden mit diesem Ausbund an Disziplin, diesem achso reizbaren Minenfeld. Seine ewig nörgelnde Vernunft ist mir unerträglich geworden, seine Askese ekelt mich an. Immer dieser Sachzwang, diese besseren Argumente und stets dieser Ernst. Und wenn ich doch mal Widerspruch wage, diese lächerliche Angst, die jeden Liebesbeweis in Grund und Boden stampft.

Ich leide unter dieser pragmatischen Ödnis, die in jeder Pore dieses vaterlosen Menschleins schlummert. Nicht ein Funken Leidenschaft lässt auf eine Zukunft hoffen, aufflackernde Spontaneität wird noch auf der Stelle mit dem stets selbstmitleid-geschärften Absatz vernichtet. Wie mit jemandem leben, der sich die Existenz, vom Genuss ganz zu schweigen, nicht gönnen kann. Der sich kaum frei zu atmen traut.

Obacht, ich willkanndarf nicht mehr.

Gedanken

Wasserstandsmeldung

Ich meide Geräteschuppen.
Ich esse ungern mit Stäbchen.
Ich liebe selten.
Ich lüge weniger.
Ich backe Bananen.
Ich lerne aus Erfolgen.
Ich koche mit Wut und Gerste.
Ich rede im Schlaf.
Ich frage leidenschaftlich nach dem Weg.
Ich pflege einzelne Muskelfasern.
Ich warte immer wieder auf Gestern.
Ich lebe heimlich.

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Das Über-Ich randvoll mit Sinnlichkeit und ein Himmel voller Kontrabasse, so beginnt was krumm vor Gram. Zärtlich vor Raserei verrinnt mir die Wut zwischen den angebissenen Fingernägeln. Mein Atem sucht Schleichwege sich jenseits von Mantel und Schalkragen. Beim Ausstreichen der abgestandenen Makeupreste weckt die unbezähmbare einzelne Locke an der rechten Augenbraue Erinnerungen an den Goldzahn, den du damals schon trugst, als wäre er die schönste und nicht etwa die einzige Kerze am Leuchter. Angst habe ich trotzdem, dass der Haaransatz zurück und das linke Knie bei jedem zweiten Schritt mittlerweile ausweicht.
Im S-Bahnzug verbleicht die Dezemberkälte endlich zu gnädigen Fetzen. Ich zähle vereinsamte Handschuhe zwischen den ostgelben Straßenlaternen und entblättere geradezu genüsslich den immer wieder aufwallenden Ekel vor Jahresendzeitfeierlichkeiten. Einer singt ein zweistimmiges Lied und fragt nach dem Weg. In meiner 3. Jackentasche findet sich auf der Suche nach dem stilisierten Stadtplan eine Tafel Schokolade, die geteilt werden will und zwar sofort.