Geliebte

Wim Wenders: Und sonst muss ich nix tun?


Im Zug
zwischen Paris und Texas
schreibt einer
schreibt Schätze
aus nicht gedrehten Filmen
denkt Szenen
in Worten zu Enden und Anfängen
die sich finden wo der Zug das Weite sucht

Im Blick
zwischen dem was nah sein darf
und dem was fern sein möchte
liebt einer das Wesen
das wahr wird und unergründlich bleibt
wenn die Liebe den Blick nicht nur führt
sondern nährt
Fluchtpunktlandungen im Flattersatz inklusive

Im Quadrat
zwischen wir hatten ja nichts und
wir haben nie genug
ragt einer aus der Zeit hinaus
atmet in die Stille
zwischen den Bildern
den Soundtrack eines Romantikers
aus Überzeugung
jenseits jeden Takts aber immer im Rhythmus
des filmischen Adventskalenders:
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Mit Dank an das Haus der Berliner Festspiele.
Aktuell: Ausstellung in der Bundeskunsthalle, Bonn: W.I.M. Die Kunst des Sehens (1. August 2025 bis 11. Januar 2026)
Wim Wenders: Wesentliches, Herausgeberin Annette Reschke, 2025, Verlag der Autoren

Geliebte

Mit offenen Hemden und Herzen

Wir halten Herzen
nicht Hände
einander
auf
offen hoffend

Wir halten die Herzen
nicht die Hände
einander
auf
offenbarend
was in ihnen
steht

auch wenn
oder gerade dann, wenn
Krieg droht
und Flaute
Inflation
und Kälte

wenn keine
Hände in Sicht
die Herzen
zusammen zu halten
im Stande wären
die halten
was sie zu fassen kriegen
und das bist nicht du
sind nicht wir
sind wir nicht
die wir kaum mehr
als eine Ahnung
und alles andere
als eine Ahnung
aber nicht greifbar
jedenfalls

wir ahnen
unsere Herzen
sie halten
ganz
von allein
unseren Blicken stand
und zusammen

wir wissen
mit offen
stehenden Hemden wie Herzen
Himmeln auch
aber dazu später mehr
wir lagen
so was von richtig