Geliebte

Die Zärtlichkeit der Schatten überland

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Ich mag dein gleich nicht, aber dein schön sehr. Uns zu sehr für ein wird schon werden. Du sprichst aus wenn du schweigst was ich hören möchte und nicht auszusprechen wage. Mag sein, dass wir bei Tageslicht zu Staub verfallen. Mag sein, dass unser tägliches Brot nicht über die sieben Ozeane sättigt. Mag sein, dass der Kaffee nicht ans Bett und der Malbec warm serviert wird. Mag sein, dass die Schatten auch einen Schlüssel haben.

Unser Tor steht offen.

Du magst meinen Abgang nicht, mein Erscheinen umso mehr. Uns über die Nacht hinaus in einen Morgen, für den nur noch der Name fehlt. Zwischen die nackten Gedanken bettest du Zärtlichkeit und ein Begehren, das über unsere Körper hinaus spürbar. Mag sein, dass der Oktober nur einmal jährlich blüht. Mag sein, dass wir nichts zu sagen haben.

Unser Ja ist ausgesprochen.

Wir mögen die Ferne schätzen, die Nähe bleibt davon unberührt. Himmel und Erde haben sich längst verschworen, uns einen Horizont zu unterbreiten, der unwiderstehlich. Mag sein, dass der Boden noch zu bestellen. Mag sein, dass der große Regen Spalier steht. Mag sein, dass ich gehe, bevor du kommst. Mag sein, dass die Widersprüche in der Überzahl.

Wir haben uns erkannt.

 

Geliebte

Traumdelta am Brauenwinkel

Traumdelta | Anne Seubert

wege streicheln zwischen wimpernsaat und brauenwinkel, da wo das lid sich teilt.
kuppen tupfen wo wangenmulden wölbungen folgen, auch mit geschlossenen augen.
fältchen zähmen ohne dem schattenwerfer das licht unter den scheffel zu stellen.

erst aufwachen dann einschlafen dann herträumen dann hinwerfen: die mütze schlaf schlaf, den kollektiven traum, dich und die runde zahl, die heute nicht genannt werden will.

alle zärtlichleit fallenlassen, so tief der traum klingt, so nah bist du in mir, in diesem blick, den du zum zweiten glas wein von der leine lässt und der unter vier augen wieder und wieder vibriert.

erst dann die zweite stimme aufrufen,
in den wald locken und eine lichtung aufspüren, die von einem morgen zeugt ohne alles zu verraten: zweimal ja und ein nein, das unsere lippen tango tanzen lehrt.

das licht löschen und der welt den rand nehmen: wehe wenn einer springt!
deinem zittern ein plätzchen unter der pappel anbieten, schatten schaufelnd, wie diese raddampfer aus der zeit gefallen und mir in die arme. bleib!