Gelüste

Der nächste Kuss entscheidet das Ufer

Schließ mich in deine Hände
flüsternd, schiebt sich der Tag
zwischen zwei Nächte, die
kurz vor dem Wochenende
um die Abende pokern

Samstag möchten beide am liebsten
blau machen und sturmfrei haben
den Morgen danach jedenfalls
haben sie nicht auf dem Schirm, denn

Vor Montag muss geküsst worden sein
wer die Woche übernimmt, und
wenn endlich die Nacht zum Tag erkoren
ist auch die Sache mit den Brücken
eine des Flusses statt seiner Ufer
gleich welchen Geschlechts

Gelüste

the ocean itself is not moving along with the waves

the ocean itself is not moving along with the waves

 

Der nickt anders, sagst du, und versprichst dich dabei nur in meinem mangelnden Verständnis, das Ticken des Ozeans war das eigentliche Thema, dem sich mein Gehör verweigerte, welches noch tief in der Muschel weilte, als du längst den Faden wieder aufgenommen hattest und unseren Fokus mit beiden Händen auf den Pott zu setzen versuchtest.

Einatmen, ausatmen, habe ich von ihm gelernt, will ich ihm die Stange halten und seine Ehre hoch, auch das Fließen, das du nicht gelten lässt, the ocean itself is not moving along with the waves, flichst du ein, was ich wahrzunehmen verweigert hatte, denn ja, er tanzt auf der Stelle, er rührt sich nicht vom Fleck, er bleibt in seiner Kuhle, plätschert nur da und dort mal an den Strand einer einsamen Insel, aber wirklich an Land traut er sich nicht, so ewig wie ein Vaterunser, die gischt-umspülte Flasche Bier in der Hand, ist er Tanzfläche und kopfnickender Beobachter zugleich.

Und doch, will ich ihm Mut und Verve eines Revoluzzers nicht widerspruchslos abgesprochen wissen wollen, ist ihm die Welle nicht Charakterzug und unveränderliches Kennzeichen wie mir das heimliche Muttermal auf der linken Brust?