Gelüste

Einatmen und Ankommen

“Hab’ ich dein Ohr nur, find’ ich schon mein Wort;”
Karl Kraus, Zuflucht, 1917

Offen und ohne wenn und aber zugewandt
in Haltung und Verhalten
ist mir deine Hand heimliches Refugium
im Gefecht der auf- und anzeigenden Finger
der Rennenden und Ratenden

Hülle und Heim, Hof und Halt
ist mir dein Blick
ein spontan aber bestimmt zugeworfener Zeuge
Komplize im Hier und Jetzt
ohne jeden Anspruch auf eine gemeinsame Aussicht

Noch über die übermütigsten Brücken meines Verstandes
hilft mir dein Atem
indem er meinem Herzen, meinem Zwerchfell und mir
immer und immer wieder einen Rhythmus vorschlägt
und uns so einen Atemzug mindestens
weiterträgt.

Gelüste

Der nächste Kuss entscheidet das Ufer

Schließ mich in deine Hände
flüsternd, schiebt sich der Tag
zwischen zwei Nächte, die
kurz vor dem Wochenende
um die Abende pokern

Samstag möchten beide am liebsten
blau machen und sturmfrei haben
den Morgen danach jedenfalls
haben sie nicht auf dem Schirm, denn

Vor Montag muss geküsst worden sein
wer die Woche übernimmt, und
wenn endlich die Nacht zum Tag erkoren
ist auch die Sache mit den Brücken
eine des Flusses statt seiner Ufer
gleich welchen Geschlechts