Gelüste

Ein Bild von dir in Begegnung

Schlürfen, Schmausen, Schmusen –
meinen emotionalen Schmerbauch verdanke ich einem mit Dir geteilten Moment, der sich in verschiedene Leben aufteilt, zwei Kontinente & ein Meer an Wundern, alle nur möglich, weil du 1984 beschlossen hattest, dass wir uns begegnen.

1984 warst du so weit gekommen, deine Einsamkeit zu beenden, du fragtest die Auskunft, den Arzt, deine Großmütter, die tote und die am Waldrand lebende, und das Orakel von Delphi, und gingst schließlich los, nichts als ein Bild von dir in Begegnung im Ärmel, an dem ich dich erkannte.

Ankunft nicht ausgeschlossen, verriet die Inschrift meinem vorbeieilenden Auge die Sehnsucht, die deinem Gegenüber – zurecht? – unterstellt wurde, ich fühle mich ertappt und herausgefordert zugleich: Wird es mir gelingen und wenn ja, woran werde ich es bemerken?

Am nächsten Morgen liegt das T-Shirt mitsamt Inschrift in der Wäsche, Wolle und Feines, ausgetauscht gegen ein Blanko-Teilchen mit aufmerksamkeitsgenerierendem Kragenverlauf jenseits des Schulterblatts. Ich bleibe länger als nötig und doch nicht lange genug, um 1984 zu buchstabieren und das mit der Ankunft ersthaft in Erwägung zu ziehen, geschweige denn auszuprobieren.

Erkennen ist der Anbeginn jeder Vertrautheit, jenes Ineinandersinkens auch, das wir uns zu gönnen beschlossen hatten, auch wenn es von außen nicht im Mindesten so aussah. Du hieltst gar die Augen geschlossen und uns so über Wasser, und nur wer sich deiner wie ich & ohne Grund sicher war, folgte seinen Sinnen über das Ziel hinaus.

Siebter und achter folgten mir auch über unsere Begegnung hinaus, aus dem Zimmer und in den Tag, der geduldig gewartet hatte, wohl wissend, seine Zeit würde kommen und dann war sie da und er ausgeschlafen, gestiefelt und gespornt für zwei, denn dass ich zwar Zettel & Papier, vermutlich sonst aber wenig bei mir tragen würde, hatte ihm die Nacht bei der Übergabe fürsorglich wie sie ist, unmissverständlich zu verstehen gegeben.

Es blieb frisch, kalt würde ich nicht sagen, aber die Wärme ließ sich Zeit und holte uns erst nach Mittag ein, da hatten wir uns bereits angefreundet und entschieden, unserer Begegnung Zeit und Raum einzuschenken und das ein oder andere Bilderrätsel. Den Soundtrack lieferte 1984, Duran Duran und Culture Club und wie sie alle hießen – das war uns gar nicht so wichtig, Hauptsache, der Beat trug und der Refrain half uns über die ein oder andere Falte und Verlegenheit hinweg.

Als die Sonne uns nachmittags vorsichtig darauf hinwies, dass auch der wichtigste Tag endlich, waren wir uns nicht nur äußerlich näher gekommen, du hattest die Augen mittlerweile geöffnet, ich deinen Duft adoptiert und unsere Reiseroute beinhaltete zwei Kontinente, das Meer dazwischen und dem Orakel von Delphi hatten wir Kuchen eingepackt: Ankunft nicht ausgeschlossen oder, wie Cindi Lauper sagen würde: Girls just wanna have fun. Zumindest 1984, immer aber in Begegnung.

Gelüste

Schrittzugabe

Einen hast du hinter mich gestellt, da fiel ich noch nicht, sondern hielt was der Glauben mir ließ, mit beiden Händen mir vors Gesicht und dir ans Ohr, wir nahmen beide nichts wahr, nur Zeit, die verging, eine Sekunde nach der anderen auf ihren Rosenkranz fädelnd, der längst nicht mehr blüte, sondern volle Frucht darbot, vor der du zurückwichst, wie einer, der das Hungern aus dem Ärmel, den Appetit aber , naja, du weisst schon, vortreten ist deine Sache nicht, du steigst im Schatten aufs Pferd und in der Dunkelheit erst wieder ab. Ich aber tanze im Regen.

Noteingang steht auf keinem deiner Namensschilder, dabei bist du mir genau das, blind eingeschlagener Gang in der Not, immer geöffnet dann, wenn ich klopfe, vermutlich auch sonst, aber wer könnte das bezeugen, weiß doch niemand, dass unter deinem Knopfloch ein Herz schlägt, das Tränen auf der Durchreise durchfüttert und der Ohnmacht ein Bett anbietet, auch wenn keines mehr frei, du hast es nicht ausgeschrieben, ich nie ausgesprochen, und doch wäre das der Titel unseres Kapitels, wenn wir uns denn auf eines einigen könnten, aber noch ist der Cliffhänger nicht von der Leine und du nicht im Bett.

Und dann ist plötzlich Winterzeit und aus der sieben wird ohne unser Zutun eine sechs, auch wenn es draußen bereits dunkel wie acht und die Magengrube ausgehoben, wir stehen da unser Servus in der Hand wie einen angebissenen Krapfen der falschen Sorte, würden wir doch viel lieber den Schritt aufeinander zu angehen, statt im Kopf bereits mögliche Ausgänge durchzudeklinieren und heimlich nach der Klinke Ausschau zu halten, die nicht nur weiß wie man die Tür öffnet, sondern auch dazu in der Lage, sobald sich jemand findet, der sie hält.

Und dann halt ich dich und dann fall ich und dann hältst du mich und ich falle mit der Tür ins Schloß, die du aufhältst und ich schließe mit allem was dazugehört samt Turmfalken und Happy Ending, samt Lektorat und Fadenheftung.