Gelüste

Abandoned? Es war einmal

Hidden Champions Lausitz | © Anne Seubert

Der Helden müde bettest du dein Haupt in den sonnigen Schoß einer Wolke, die das Regnen verlernt, abandoned nennt man das heute, wenn der Zweck abhanden gekommen und die Nutzung zur Disposition. Du aber suchst nicht Mittel, nicht Zweck, du schmiegst deinen Leib, dem das Haupt untergeordnet, in die Weichheit des Graus, das wir alle am Himmel ausmachen, aber nur schwer erkennen, wenn es uns in die Hände fällt. Dieses Grau, das alle Fruchtbarkeit in sich trägt, in Wasser gebunden, so zart, dass es noch nicht einmal feucht, mehr Farbe als Form, wo selbst der Horizont die Linie aufgibt und Welle wird und der Himmel die Fassung verliert.

Der Märchen müde, schläfst du nach dem Es war einmal bereits tiefer als Dornröschen und Tausendschön und stellst dich noch tot als das glückliche Ende der Prinzessin und ihres Gemahls längst vorhergesagt wird, denn du ahnst, wer länger schläft, wird später klug, aber dann mit Nachdruck und auf eigene Faust. Wer länger schläft, bekommt den Kaffee ans Bett und die Pille für danach, den Sonnenaufgang vielleicht nicht mit, dafür den Untergang auf Eis samt Vorfreude und Urlaubsmodus und was hätte mehr Grandezza. Grandezza, die du zum Frühstück… , aber wem sage ich das, out of bed stand niemandem besser als dir, und drinnen ist gerade mit dir schöner als früh.

Der Enden überdrüssig, fädelst du den Anfang auf einen Strand, den man nur nackt betreten darf, en dem die heilige Dreieinigkeit Salzwasser, Haut, Sandkörner eine Katharsis gewährt, die keine Störung duldet und keinen Gott, auch wenn er noch so viel Pomade im linksgescheitelten Haupthaar trägt. Den Anfänger, den du im Roggen Auslauf gewährst, wohlwissend, es wird der Weizen werden, der ihn aufzieht, es wird die Gerste sein, die ihn wachkitzelt, es wird der Hafer sein, der ihn kreuz- und quersticht, bis er aufsteht und sich dehnt, über den Plotpoint hinaus, durch die Kapitel durch bis ins Ende hinein, wo du eine Heldin aus der Hosentasche ziehst, für die das Ende nichts als ein Anfang, somewhere zwischen Himmel und Erde, mit Zauber und Zirkus aber ohne Direktor. MAZ ab!

Gelüste

Da wo mein Arm die Biege macht

Party-Express, Calau | © Anne Seubert

Überland führst du deinen Atem in eine Provinz jenseits der Achelhöhlen, da wo mein Arm die Biege macht und nahe des Schulterblattes versandet. Versandet und übergeht in eine Rückenlandschaft, die Narben trägt und Gepäck über die Gleise, die mehr Abstell- als Ankunft, mehr Plattform als Weg. Wobei der über Felder führt, die gerade im Abendlicht, das du für deine Ankunft gewählt hast, Schatten zeigen, von denen keiner wusste, hinter denen man aber guten Gewissens Wurfkünstler vermuten darf und Kulissen, deren großer Auftritt erst noch kommt. Kommen mag, wenn du schon mal da bist und deine Fingerspitzen, die alles andere als spitz, die rund und warm und deinem Atem die Vorhut auf seinem Weg zum Grat, der sich ahnen lässt, wo es tiefer wird und Mitte.

Blatt für Blatt wendest du deine Geduld in Spucke und Sprache, der du gerade erst mächtig wirst, du der du das Land als Sprachloser, als Wegsuchender, als Tastender betratst und jetzt mitreden möchtest, was sag ich, mitsingen. Das A und O lernst du schnell, die Konsonanten liegen dir auch, nur das Betonen und Einatmen der Laute, die zwischen Rauschen und Rascheln, Flüstern und Fluten liegen, übst und heimlich mehrmals auf dem Weg zwischen Nacken und Schultergürtel, im Windschatten der Rotatorenmanschette.

Wieviele Knoten fragt die Eile noch, da lächelst du schon in der Gewissheit der Ankunft, als noch kein Land in Sicht, aber ein Stück Haut so groß wie ein Flugplatz und mindestens ebenso viele Landebahnen. Bahnenschwimmen mochtest du immer schon und jetzt mit dem Himmel als Abgrund über dir, legst du das Ohr nur noch tiefer in diese Haut, die da liegt und atmet und sonst eigentlich nicht viel mehr als dir Obdach ist oder besser Grund und Boden für deine Reise, die du angetreten bist ohne zu ahnen, dass diese Reise ein See, in den du tauchen möchtest, wieder und wieder und an den Lenden auftauchen und unter den Achseln, nur um wieder Luft zu holen für den nächsten Gang, der hier in einem Menü serviert wird, das von der Weinbegleitung nicht weiter entfernt sein könnte, als du von einer Wiederkehr.