Gelüste

Geschweige denn laut

Boat Cimetery, Tel Aviv Harbour | © Anne Seubert

mundwinkel verdrängen
lippen lösen
wahlwortschlachten lostreten
mit dem kleinsten aller vorhandenen
zischlaute, innehalten 
und still

die stille beim wort nehmen
an der hand auch
und hinter dem atem einen raum auftun,
in den sie ziehen möchte solange du sprichst
und für das lächeln danach

ausatmen und einem neuen wort den weg bahnen:
zwischen deinen lippen hervorlocken, was
schweigen gemacht worden war und jetzt
einen ton wagen möchte, der noch nicht sicher,
geschweige denn laut.

laute dir zum geschenk machen, die des wortes noch nicht mächtig,
der stille überdrüssig, in der dämmerung lungerten, bis eben diese stille so laut,
dass ein geräusch wagbar und ein hauch träger eines atems zu werden vermochte

dem klang ein rauschen anheim geben, das so sehr in sich ruhend jedem ton noch eine textur unterschmuggelt, dass von komplizen zu sprechen, die stillebrecher nur unzureichend betitelte, aber dich erfolgreich auf die falsche fährte lockt: stille hat viele gesichter.

Gelüste

Gib dir die Küste und mir das Meer

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Jetzt? fragst du und ich weiß, so was von. Tee und Gott und die Welt später ist die Stadt Geschichte und wir Poesie: Auf den Tiefpunkt hattest du deine Ankunft getimed, dass die Zeit schon Hunger vortäuschen musste, um sich Gehör zu verschaffen.

Und so sitzen auf den spontan selbst gezimmerten Zeilen sitzen zwei vereint, die an Worte glauben und an ein Leben vor dem nächsten: Hier und jetzt und mit deutlich mehr als einer Handbreit Salzwasser unter dem Kiel, der Galliosnfigur zugleich: Tiefer ist das neue vorn.

Hinter den an der Theke lungernden Doppelpunkt haben sie entsprechend ein Meer an Fragen drapiert, tief genug um nackig schwimmen zu gehen, verwegen genug um der Sonne auch noch im tiefsten Winter ein Strahlen abzuluchsen und mit ausreichend Stränden zwischen den Fingern, falls ihnen zwischendurch die Luft ausgeht.