Gelüste

Mut zur Wunde

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Nähe und Schmerz suchst du zwischen den Herzen vergeblich, tritt ein, make yourself a home.

Öffne die Tür, das Tor, den Horizont dem, der Flügel verleiht und Landeplätze vermietet.

Gönn offene Wunden dir und Lippen, lehre den Wind wehen, das Wasser wolken  und die Sonne sich wundern.

Gelüste

Geschweige denn laut

Boat Cimetery, Tel Aviv Harbour | © Anne Seubert

mundwinkel verdrängen
lippen lösen
wahlwortschlachten lostreten
mit dem kleinsten aller vorhandenen
zischlaute, innehalten 
und still

die stille beim wort nehmen
an der hand auch
und hinter dem atem einen raum auftun,
in den sie ziehen möchte solange du sprichst
und für das lächeln danach

ausatmen und einem neuen wort den weg bahnen:
zwischen deinen lippen hervorlocken, was
schweigen gemacht worden war und jetzt
einen ton wagen möchte, der noch nicht sicher,
geschweige denn laut.

laute dir zum geschenk machen, die des wortes noch nicht mächtig,
der stille überdrüssig, in der dämmerung lungerten, bis eben diese stille so laut,
dass ein geräusch wagbar und ein hauch träger eines atems zu werden vermochte

dem klang ein rauschen anheim geben, das so sehr in sich ruhend jedem ton noch eine textur unterschmuggelt, dass von komplizen zu sprechen, die stillebrecher nur unzureichend betitelte, aber dich erfolgreich auf die falsche fährte lockt: stille hat viele gesichter.