Gelüste

Zurückbleiben, bitte!

Vier gewinnt | © Anne Seubert

Auf dem Rücken der Steine,
die das Meer dagelassen hat, als es den Strand heute bloßlegte,
sortiert die Sonne bereits Salz und Wasser
mit einer Stoik, die sie für ein Fließband qualifiziert hätte,
hätte der Strand da nicht ein Wörtchen mitzureden.

Die Steine schlagen heimlich die Fersen zusammen
hüsteln am unteren Ende der Fahnenstange,
die den Sonnenschirm trägt, den du dir gewünscht hattest
als wir den Strand das erste Mal betraten
und die Sonne gerade befördert worden war.

Wenn einer, dann du, lacht die Gischt
am Bug einer Welle die Pole Position für sich beanspruchend,
Räuberleiter für alle, die auch mal aufschäumen wollen
auch wenn das Wetter Milde predigt und
der Strand besonders gerne die willkommen heißt,
die zurückbleiben wollen.

Zurückbleiben, wie das Salz, das du
unter dem komplizenhaften Blick
der mittäglich großzügig gestimmten Sonne
auf deiner Haut gerade entführst,
als hätte ein Wort hier keiner mitzureden,
der nicht du oder ich.

Gelüste

Mein Gedicht hat Urlaub genommen

Mein Gedicht hat Urlaub genommen,
es sei nötiger denn je,
hat es gesagt,
und den Koffer gepackt.

Ich packe ein, hat es gesagt,
die Stunden vor acht und die,
als es immer später wurde,
fast Nacht, die Zeilen darunter.

Die Augenringe lass ich dir da,
auch den Krater, der alles verschlang,
was nicht bei Feierabend auf den Beinen,
oder doch zumindest dem Absender nach,
out of office.

Meine Sicht auf die Dinge kommt nach,
haben wir beschlossen,
wenn das Wetter hält,
was der Smalltalk verspricht
und dich groß gemacht hat.

Größer als…,
fragst du, als wüsstest du
um die Gleichung der unausgesprochenen
Zeit mal Abstand zur Pflicht
geteilt durch ungenutzten Möglichkeiten zur Flucht.