Gemäuer

Nagelpröbchen auf Format

Der kleine Buchladen, Berlin | © Anne Seubert

Du hast dich mir vorgestellt, Großbuchstabe voran, Komma im Abgang.
12 Silben und ein Vaterunser, hattest du dich lächelnd erklärt, noch ehe ich nachfragen konnte und eine Apostrophe nachgeschoben, imperativ gesetzt. 

Ich hatte keine Zeilen mehr, aber eine Fußnote ließ sich freischaufeln, in die du deine Lettern mehr schobst als schriebst, die Kapitalen linksbündig, die Minuskeln spielend kursiv dazwischen und das T, in das ich mich auf Anhieb verguckt hatte, bekam die Bahn frei. Beschnitt war nicht, aber drei, vier Leerstellen bekamen wir unter. 

Barfuß am liebsten, heiß geprägt, ohne Kaschierung stünde auf deinem Stein, würdest du nicht Papier bevorzugen. Teil des Textes zu sein war dir nie so wichtig, wie auf der richtigen Seite zu stehen, der Ton näher als der Punkt, das Format wesentlich.

Gelüste

Kleine Fluchten

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Sei Fluss mir. So träge, dass ein Gletscher sich formt. Ein Gletscher, der stets eine Handvoll Winter bereit hält samt vereisender Fingerkuppen.

Kuppen, die konzentrische Inseln mir auf deiner Haut, verlässlich Schauer heraufbeschwörend. Schauer entlang deiner Mariannengräben und Wirbel, über dein Schlüsselbein hinweg bis zum Halt unter der Achsel.

Halt, der leise spricht, ja kaum die Lippen bewegt und doch die Ruhe hält, die er verspricht. Verspricht, was du dir an barfüßigen Wünschen mit ins Boot genommen hast, deinen Fluss hinunterzutragen.