Gelüste

Scenic Route

Berlin

Einer ist immer auf Achse. Lacht sich ins Hütchenspielerfäustchen, spielt Schicksal, reklamiert Yogiteeweisheiten. Wir nicht. Nicht dienstags, wenn das Rad die Achse zur Acht werden lässt und der Wind Berliner Schnauze aufgelegt hat: harsch von der Seite. Dann kommen wir erst zur Ruhe, Form und Farbe dem Horizont opfernd, eine Runde extra fahren, nicht über Los, aber ein Kaffee beim Sizilianer an der Ecke ist schon drin.

Der Vormittagstermin glänzt durch Diversität, vor allem was die Interessen anbelangt, ansonsten eine rein weibliche Runde merke ich, als wir noch im Stehen zur Sache kommen. Der Termin endet auf die Minute, beim Abstieg durchs Haus lande ich spontan bei der Grafikerin, deten Tür so lange offensteht, bis ich entrete.

Mittag am Ufer, Judith Holofernes am Nachbartisch, Neues Bestellsystem am Start. Das klärt sich allerdings erst als keiner kommt, und ich mir aus Langeweile den blassweissen Plastewürfel auf meinem Tisch genauer anschaue und mit dem blau leuchtenden auf dem Nachbartisch vergleiche. Achso, ihr wollt noch gar nicht zahlen, klärt die Kellnerin in der Minute, das Blaulicht löschend. Ich respektiere den Ansatz, suche heute aber lieber Augenkontakt, und wenn ich dafür zum Tresen laufen muss.

Aufmerksamkeit teilen steht nachmittags auf dem Programm, vier intensive Stunden lang dem Beamer zumindest mit den Blicken folgen die Ohren auf allen Ebenen ein- und ausschalten, ich sag mal nach Tonlage. Dann ist Schicht im Schachtelsatz, die Worte machen sich lang und der Feierabend gehört der spanischen Tortilla an Berlinbeteuerungen und Sprachschatzplünderungen der charmanten Art, Hauptsache Musik und ein Stadtplan und du, der es nicht eilig hat anzukommen, als wäre das möglich.

Gelage

Alltage im Brunnen

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wieso durch die tür wenn das herz auch eine option? mittendurch und dann rechts an deine schulter. heute morgen gefängnis besucherin, mittags uni dozentin, später dann patientin. morgen prozess-komplizin sowie stippvisiteurin und übermorgen marken-muse.

kein cape heute, auch wenn neukölln um sieben bereits nieselregen an kifferhunger serbiert. ein lächeln reicht, das dafür doppelt und als flat white – durchgehend warme küche – im angebot. ankommen war gestern, heute wird nach dem weg gefragt und im zweifelsfall ein kompliment gemacht oder ein koffer ins vierte stockwerk gehievt, stranger hin oder her, du brauchtest hilfe.

der erste termin heute rief mich in den zellentrakt, erster stock, letzte tür links, der dritte gehörte dem typografen im hinterhof, im cafe nebenan habe ich drei kilo nussbutter bestellt, online, und nach dem mittagessen bereits den dritten kaffee getrunken. auf dem rückweg dann die goldene bloggerin in spe vom rad aus in der stadt begrüßt und spontan das abendprogramm gecancelt.

stattdessen die 15. runde rehasport, die umkleide mein fenster zum feierabend mit damen, die beinpresse das montägliche amuse gueule bevor es der stur schniefenden schultermuskulatur an den kragen geht. was machst du nochmal? fragt das sonntagsdate und ich erzähle ein märchen, wie es in dem buche steht, stehen wird, das noch geschrieben werden will, wenn der frosch endlich in den brunnen gefallen ist und der alltag tabu.