Gelüste

Die Gedanken in den Schatten gestellt

Überland | © Anne Seubert

Die Gedanken öfter mal überland schicken, zwei hart gekochte Eier in die Hosentasche, die Feldflasche gefüllt und dann ab mit euch, bis zum Abendessen will ich euch nicht mehr sehen! Kommt alleine klar, verbrennt euch die Finger, sammelt Erfahrungen und Freunde, verlauft und verliebt euch, aber ruft bitte nicht an. Genießt die Freiheit, erobert euch Landzungen, setzt euch Grenzen oder unterhaltet euch mit euch selbst, bis zum Sonnenuntergang will ich nicht einmal eure Schatten sehen!

Die Schatten der Gedanken sind ebenso anhängliche wie gefräßigeGefährten, gut, wenn man Eindruck schinden will, aber mühsam wenn es darum geht, alle satt zu bekommen. Heute aber ist Thoughtless Thursday und ich habe beschlossen, das wörtlich zu nehmen und den Stall auszumisten: Alles, was laufen kann raus aufs Land – meinetwegen nennt es Klausur, Retreat oder Sabbatical – und der Rest darf denken, was er will, nur nicht mehr in meinem Kopf. Alle, die morgen ohne Denkberechtigungsschein hier aufschlagen, haben schlechte Karten.

Und dann erstmal Siesta: mit leerem Kopf ist gleich viel mehr Zeit für gute Laune und ausgiebigen Genuss. Danach noch ein Schäferstündchen – Schäfer, ein zwar aus der Mode gekommener aber darob nicht weniger dehnbarer Begriff -, ein Espresso ohne Weckauftrag und ein Nachmittag im Dunkeln. Bevor die Abendsonne sich aufschwingt, Licht in ebendieses zu bringen wird nochmal aus den Vollen geschöpft: Fliesen und Flausen, Flotte Walzer in Flagranti und Flitzpiepen auf Ex, dann ist Dinner for One und zum Nachtisch, ok, dürft ihr wieder mitspielen, wir treffen uns am Buffet!

Gelüste

Acker ohne Furcht und Tadel

Tür voll Blumen | © Anne Seubert

Feldforschung betreibest du, sagt dein Blick, der mir Rede steht, so stumm wie ausdrucksstark. Dem Feld das ährenreiche Fell abzuziehen, gehöre auch dazu, zu säen was du erntest in einen Acker, der die Furche der Furcht vorzieht: tief gegraben, fruchtbar und fern allen Profitstrebens.

Es lag brach das Feld als man es uns unterschob als Objekt der Muße, der Erdung sowie der Fruchtbarkeitsstudien. Bestellen müssten wir es selbst, der Boden sei ein guter, mit allen Wassern gewaschener, einer, der trägt. Als wir einstachen, senkte sich unser Blick binnen Minuten bis knapp über Krume, tastete ab, was uns zu Füßen lag, weniger hingegeben als herausfordernd: ein Feld, das zu bespielen mit Regeln, die noch zu benennen.

Nimm mich!, schien das Feld unseren schüchternen Gehversuchen zuzurufen und uns gleichzeitig Steine und Vektoren zwischen die Beine zu legen: Es ist nicht alles Acker, was Furchen trägt, aber was Furchen trägt, will bestellt werden, schlugst du den Bogen zu den Früchten unserer Forschung, die zu säen wir angetreten und die nähren zu wollen wir bereit.

Das Feld aber schwieg und läutete den Niedrig-Energie-Betrieb ein, noch ehe wir seine Ausmaße notiert, das Saatgut präpariert und die Mäuse verscheucht hatten. Ein Feld will auch erobert werden, will Kornblumensträuße und Sonnenuntergänge und einen Himmel voll trächtiger Wolken, zu stillen was ihm heilig, Ähre für Ähre und Tür für Tür das Haus zum sprechen bringen und das die Blumen zum Blühen.