Gegenwart

Levit spielt Beethoven

“Die Eulen sind nicht, was sie scheinen.”
 Twin Peaks, 2. Staffel

 

Piano.

Igor Levit spielt Beethoven.
Igor Levit joue Beethoven.
Igor Levit plays Beethoven.

Leise. Leises Stockwerk eines Gebäudes, das du Musik nennst und ich Raum. Musik, die senkrecht steht, schrieb Rilke. Raum, der sich öffnet und schließt, wenn du die Tasten berührst, sage ich, wenn du dich schmiegst, mit allem, was du bist, sein kannst, sein magst, sein musst, in diesen Ton, der deiner ist, von Beethoven gewidmet, dem, der sich kniet, knietief geht und tiefer, der keine Angst hat und alle Angst, der will und Wille ist zugleich. Du legst dich auf den Wellenkamm der Gischt, die dunkler ist als alles Dunkel und wild.

Piano.
Pi mal Ano?

Wie oft spielst du im Jahr, Igorissimo, fragt dich der Hörer, der ein Gast ist in diesem Rund, das die Jahreszeiten in eine Sekunde legt, das Vergehen in das Werden stapelt, das Erlebte in das Ersehnte, das Leichte ins Schwere, das Ruhende in das Bewegte, das Nichts ins Ganze, das Intime ins Fremde.  Wer wenn nicht wir sind diese Musik, diese kreisende, unberechenbare Formel der Zeitlosigkeit in dem Moment, da sie geschieht, so flüchtig, das sie mit dem Ausatmen schon wieder den Raum verlassen hat, den sie eben noch schuf.

Piano, no?

Das Nein in deinem Ja ist ein wertiges. Ein stolzes. Stumme Witwe einer Liebe, die nur durch Berührung zum Sprechen, das hier Singen, gebracht werden kann. Möchte. Erlaubt. Du ruhst zwischen ihren Fingern in schwarz weiss, lehrst sie Farben, die hier Töne. tränen. Und endlich weint  sie, weint in der Umarmung eines Stücks, das B aus Noten zu einem Strauß band, der Halt, Würde und Blüh-Empfehlung zu gleich. Spielst und birgst doch den Ernst der Lage, Obdach deine Musik, die du mitgebrachst hast als Geschenk an den Moment, der dürstete nach einem Ton, der ihn trägt.