Gelüste

c/o Lispelnde Nächte

wir stiegen der stadt aufs dach stiegen und – verschwanden. die stadt lispelte noch, die tür öffnete noch nicht, der malbec ahnte nichtmal, dass er den geschmack deiner lippen prägen würde und deinen worten je ein schlückchen patina unter die serifen. die haut wagte kaum zu atmen aus angst etwas zu verpassen, jede pore auf empfang, jedes schauern auf lautlos kalibriert.

und dann kam dein blick plötzlich vom weg ab, flüsterte heiser obwohl ausser uns keiner im raum, hielt den kellner in schach und uns matt. ein gezinktes zögern öffnete fenster hinter türen, muster hinter mauern und den raum zwischen deinen ellbogen auf lebenszeit.

als die küche rief, lächelten wir noch, und zogen die angebotene treppe erst auf nachfrage in betracht, die schuhe auf der obersten stufe wohlweislich vergessend. die schönheit der nacht offenbarte sich erst im untergeschoss, da warst du bereits satt und ich verstummt, die dämmerung nah und der nachtisch als einziger weiterhin unberührt.

Gestik

Magisch bis zum Morgengrauen

Dem Weg zur Hand gehen und dem Ziel seinen Schönheitsschlaf gönnen. Eine Runde extra drehen, auf’s Haus quasi bzw. hinterm Haus, da wo der Weg langginge wenn der Fluss ihm nicht das Wasser abgegraben hätte. Den Mut aufbringen und eine Brücke bauen zwischen Vielleicht und Vorgestern und den Tag um Verzeihung bitten für das Reden um den Verstand, über das Wetter und vor allen Leuten.

Heimlich die Augen schließen und Blitzeis vortäuschen, kann ja mal passieren und dann schnell dich an die Lidinnenseite getuscht, bis es brennt und die Wimpern das Weite suchen, als wär das was mit Watte gefülltes, plüschig sanftes, mit Eierlikör genießbares.

Aber das weiß man ja immer erst, wenn man nahe kommt, zumindest näher als du, der du dem Morgen mehr zutraust als dem Zieleinlauf: Wenn das die Sonne wüsste, wäre sie wohl Mond geblieben, der stets unvollendet lockende Rabenvater der Nacht: Magisch bis zum Morgengrauen; unsichtbar, wenn man ihn braucht.