Gemäuer

Opus 134

überland | Anne Seubert

Einst,
ich hatte schon zugeknöpft,
hoch geschlossen trug ich den Leib,
nur mehr die Ärmel weit,
und unachtsamerweise
den Nacken bloß

Darin,
wer hätte das vermutet, (ich nicht!)
fand dein Blick Halt,
du hattest ihn gebeten, deiner Hand zu folgen
und die Spur aufzunehmen
unter meine Haut

Weit,
kamen sie nicht, bereits
unterhalb der Hüfte fiel mir der erste Knopf in den Schoß –
ich vermutete einen Stein, weiß
wie die Nacht:

Ein Blatt, handgeschöpft rau, aber Contenance galore,
verstehe ich erst in der Berührung, was du mir zu sagen:
Ton an Ton liegen da zur Partitur sich fügend
Zug um Zug mir auf den Fingerspitzen:
Opus 134

Gegenwart

Fallen & Weichen

hinaus | Anne Seubert

Für Friederike Mayröcker

Fallen und Weh’n
sagst, du, also Regen und Wind, möchtest du
mir sein, ein Land aus der Ferne geboren, das
im Reisen entsteht, im
Innehalten & Beschreiten
im Rausch, der Sehnsucht auch, die im Dunkeln (er?)wacht

Atem, der
alle Sterne mit sich bringt, allen Staub
übers Land trägt und dir auf die Haut ein Kräuseln zeichnet,
ein Hauch bis Heimat sich findet, eine Mulde, ein Grübchen,
und das Halbrund des Mondes, für eine Nacht, oder
bis das Käuzchen sich meldet

Wogen und Weichen
stelle ich bereit, Licht und Dunkel, nur bloß keine Musik
im Blick die ein oder andere Mitternacht,
einen Morgen, an dem sich aufschlagen lässt,
was gelesen werden möchte:
eine Zeile, ein Tag, ein Wetterumschwung, ein Wehen, behutsam näher kommend.