Allgemein

Mit dem Rücken zur Welt

Introvert

Das Haar, das du links hinterm Ohr zu bändigen suchst.
Den Duft, den du an der langen Leine führst.
Das Zucken, das dir aus der Hand gleitet.
Die Fingerkuppe, die dir vorauseilt.

Die Wärme, die deine Haut preisgibt.
Den Faden, den du zwischen deine Worte spinnst.
Die Blicke, die du einflichst.
Den Morgen, den du in Ehren hälst.

Die Frage, die du gegen den Wind stellst.
Den Atem, dem du den Weg unter meine Achsel zeigst.
Die Stille, die du auf Händen trägst.

Das Uns, das du mir gegenübersetzt.
Den Kellner, den du zum Komplizen machst.
Das Wasser, das uns das Fließen leert.
Den Stein, der dir sein Alter verrät, aber nicht sein Geschlecht.

Gelüste

In die Ecke dich schmiegen

Zur Ruhe mit dir, das Ohr auf Abstand zur Welt, die ihren Blutdruck zu lange unbeobachtet ließ. Zur Ruhe mit dir, auf das Gleis, das längst stillgelegt, auf das Kissen, das dir Bettstatt und Komplize im Anlehnen an etwas, das weichgeblieben war.

In die Ecke mit dir, dort wo Scham und Schatten sich um die Unsichtbarkeit balgen, wo das Licht traditionell Hausverbot, der Staub heimlich Atem holt und Wasser und Winkel kehrt machen. Kante an Kante schmiegen üben und stapeln, was sich nicht biegen lässt: Dich und alle deine Blößen, die dir gefolgt sind.

Außer Gefecht gesetzt die Regeln und Randale, die du hinter deiner Stirn birgst, wie ein Schild gegen das Unvermeidliche, das Wilde und Rasende. Dem Rausch den Ton abgestellt, der Flut die Gischt und nur mehr der Ebbe Zutritt gewährt, der Ebbe die den Rückwärtsgang zelebriert als wäre dein Rücken deine Brust, die zum Anlehnen einlädt. Hold on.

Zur Ruhe | Anne Seubert