Gedanken

Vienna? Weiss! Basel? Dunkelgold. Frankfurt? Flaschengrün!

20210411_123918-01-01

Vienna? Weiss. Basel? Dunkelgold. New York? Schwarz. Düsseldorf hellgrün, Buenos Aires dieses verwaschene Ocker. Berlin nicht etwa preussischblau, sondern rot. Lörrach grau, Frankfurt am Main dunkelgrün, Rom golden, Helsinki hellblau, Oslo mint, Stockholm gelb. Moskau braun. St Petersburg türkis. Istanbul türkis, Paris petrol, Lissabon violett. Madrid orange. Hamburg anthrazit. Köln blau. Potsdam? Beige!

Wie nennt man das wenn Städte Farbe tragen. Urban Sun-Ästhesie? In jedem Falle grossartig. Wieso fällt mir das jetzt erst auf? Bei manchen Städten dauert es ein Weilchen, bis sich der Farbton einstellt. Wie auf einer Party, wo man erst nah genug kommen muss, um sie sprechen zu hören.  So nah, dass man nicht unbemerkt kommen kann, dass sich der Duft miteinstellt und mitunter die Schüchternheit. Would you wanna dance with me?

Unvergessen der Tangoabend, den ich mit Freundinnen besuchte um einer von ihnen, der einzigen von uns, die tatsächlich Tango tanzen konnte oder es zumindest lernte, und sich Geleitschutz gewünscht hatte. Unvergessen vor allem der Moment als die schönste Frau des Abends quer durch den Raum auf mich zukam und mich vor den Freundinnen zum Tanz aufforderte: Would you wanna dance with me? Wie sehr! Und wie sehr schmerzte es, ablehnen zu müssen, weil ich nicht einmal die Grundschritte beherrschte.  Am nächsten Morgen meldete ich mich für eine erste Tanzstunde an.

Auch du, Frankfurt, hattest es nicht leicht, als wir das erste Mal voreinander standen. Ich mochte die Musik im Hintergrund, die Schritte aber dazu waren mir nicht nut nicht geläufig, sie waren mir fremd, wie eine Sprache, bei der die einzelnen Worte nicht unterscheidbar geschweige denn ein System ergeben und beim ersten Versuch, sie auszusprechen, kommt einem der eigene Mund so fremd vor, die eigene Zunge wie ein Störenfried und wann sollte man noch gleich atmen?

Aber dann, Frankfurt, gingen wir einfach erstmal spazieren, du links, ich rechts, die Sonne im Rücken und dann hast du dein Grün angedeutet, erst immer nur zwischendurch und dann als ich nicht widersprochen habe, lag es plötzlich vor uns. Hinter uns. Um uns. Und in deiner Stimme. Es ist ein sattes Grün, das trägt, durchaus auch mal auf und das nicht jeder tragen kann. Du aber, du trägst es, fast trägt es dich.

Gedanken

Poetischer Impuls I | Vom Wort zur Tat

“Wünschen Sie sich auch zuweilen einen Wort-Discounter, einen Wort-Supermarkt, in dem die Worte einzeln zum Mitnehmen auf Regalen ausgebreitet liegen, verführerisch verpackt, versehen mit detaillierten Inhaltsangaben, mit fairen Preisen ausgezeichnet? Nach welchen würden Sie greifen?”

Wir erinnern uns: Der grossartige Dirk Böttcher  von der ag text und ich hatten drei Wegstrecken ausgekundschaftet, wortlauten Proviant eingepackt und der lokalen Sprache mächtige Reiseführer*innen eingeladen, uns auf unseren Etappen zu begleiten. Wir wollten es wissen: Wie kommt man vom Wort zur Tat? Und wie findet man wieder zurück? Wie beschreibt man, was man vorhat, den Weg der zum Ziel führt, das Ziel und wie kommt man – literally – ins Tun? Welche Worte haben Tatkraft und wie werden wir ihrer habhaft?

Zu jeder der drei Wegstrecken im Rahmen des ersten Bauwerks | Vom Wort zur Tat gab es einen Poetischer Auftakt-Impuls von mir. Der erste war dieser hier:

Feuer gefangen? Zu den Poetischen Impulsen II und III !