Gegenwart

Kannst du mal auf den Punkt kommen?

WILHELM HALLEN 2021 | © Anne Seubert

…statt immer nur Fragezeichen zu setzen.

Aber ich atme in Zügen, ich frage ins Blaue, ich schlage Bogen und bügel ab (und an), ich lüge vom Himmel herab, ich schreibe auf und ab und dir einen Brief…

Statt immer nur Fragezeichen zu setzen?

… einen Brief dir ins Exil, dir ins Gewissen, dir hinter die Ohren schreibe ich und frage nicht um Erlaubnis, nicht um Entschuldigung bitte ich dich…

Statt immer nur Fragezeichen zu setzen

… bitte ich dich um einen Gedanken, der trägt, der auch zwei trägt, um eine Zeile bitte ich, nicht zu lang, bitte ich dich, es kann auch einfach ein Punkt sein.

Statt immer nur Fragezeichen zu setzen?

Komm auf den Punkt, lade ich dich ein und setze die Segel.

Gemäuer

Ein Buchhändler. Ein Buch. Ein Museum. Eine Geschichte. Eine Freundschaft.

Brachiosaurus_CMYK[1] © Museum für Naturkunde

Für seinen Direktor Johannes Vogel ist es der ideale Ort für das Staunen, für Begegnungen  – und das Aushandeln unserer Zukunft. Für die unzähligen Föten, Skelette und Präparate und Mineralien ist es eine letzte Bühne und für seine Fans und Besucherinnen jeden Alters Magnet und Tür in Welten, die im Alltag nur spurenweise anzutreffen, wenn überhaupt. Für eine Geschichte ist es Fleisch und Blut und Austragungsort – bis zum Showdown. Das Naturkundemuseum Berlin.

Ähnlich geht es vielen Menschen und auch mit mit Büchern, Schlupflöcher und Komplizen in Alltag und Urlaub. Ganz wichtig in beiden Fällen: die Schwellenhüter. Im einen Fall die Museumsmitarbeiter, im anderen Buchhändlerinnen, im besten Fall beide aus Passion. Ich schätze mich glücklich, dass einer dieser ganz besonderen Buchhändler mich im letzten Jahr mit einer Auswahl Diogenes-Bücher beglückte. Unter ihnen das “Museum der Erinnerungen”, das mich erst auf den zweiten Blick erreichte, Titel und Cover waren meine Sache nicht, aber kaum hatte ich zu lesen begonnen, hörte ich nicht mehr auf. Im Zentrum: Das Naturkundemuseum Berlin und eine seiner Mitarbeiterinnen mit ganz eigener Geschichte und eigener Beziehung zu den Objekten des Museums. Selbst Sammlerin auf eine Art.

Ich hatte es noch nicht ausgelesen, da wusste ich, wer dieses Buch als nächstes lesen muss. Meine Freundin Stephanie, ihres Zeichens Archäologin, Kunstwissenschaftlerin – und Museumsliebhaberin, die im letzten Jahr gar ein Projekt dazu gestartet hat: museums.love
Wie die Protagonistin ist auch sie vor einigen Jahren nach Berlin gezogen und tatsächlich waren wir vor vielen Jahren einmal gemeinsam für eine Nacht im Naturkundemuseum, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir trafen uns zu einer Buchübergabe, ich gebe zu, ich war gespannt auf ihre Perspektive: Hatte ich ob der Parallelen und des Sujets richtig vermutet, dass sie das Buch genießen würde? Gestern dann erreichte mich Ihre Nachricht in Form eines Videos – und das möchte hier gerne mit euch teilen:

PS: Wohl dem der solch einen Buchhändler zu seinen Freunden zählen darf, solche Bücher zu seinen Betthupferln, solche Freundinnen zu seinen Musen. In Zeiten wie diesen unbezahlbar.