Gegenwart

Lass deinen Duft da wenn du gehst

Lass deinen Duft da wenn du gehst | © Anne Seubert

Ich mag deinen Duft. Ich erinnere mich genau an den Moment, als du mir mit diesem Satz meine Duftmarke in Gewahr riefst. Ins Bewusstsein, nicht etwa in Erinnerung, denn es war das erste Mal, das ich gewahr wurde, einen eigenen Duft auszuströmen. Einen, den du mochtest, so sehr, dass du mir in den Park gefolgt warst.

Ich ihn, diesen deinen Duft, den du aus dem Ärmel ziehst, wenn man dir nahe kommt. Den du wie den Schalk im Nacken sitzen hast, und nur in homöopathischen Dosen zum Nachtmahl servierst. Beim Aufstehen etwa. Ich mag was du du drunter trägst und wie du es im Laufe des Abends ablegst, erst die Handschuhe,  dann die Contenance, schließlich die Stimme, die plötzlich leise werden darf, dann stumm.

Ich mag sie, diese Zwiegespräche, die erst beginnen wenn der andere stirbt. Wenn nur mehr der Duft ahnbar und das Lächeln, aber das Gesicht schon nicht mehr. Ich mag auch die anderen, mit denen man die Zeit überbrückt, bis man den anderen wiedersieht. Auch die temporären, die sich ins Schweigen schmiegen, wenn wir ihm zeitgleich Raum geben. Zuweilen werden aus den einen unmerklich die anderen. Und vice versa. Manchmal ist es dann gut und das kann man riechen.

Lass deinen Duft da wenn du gehst, versprichst du mir das?

Geliebte

Der Nächste bitte

Merry Christmas | © Anne Seubert

Manchmal entstehen diese Momente, in denen einer zieht, schneller als sein Schatten. Diese Schatten der Zeit, in denen einer Ja sagt, noch ehe die Frage entworfen. In denen einer den Ton trifft ohne das Lied zu kennen und in dem du tanzt, als wäre der Ball dein erster und du Erbin eines Talents.

Der Nächste bitte

Es gibt sie diese Momente, in denen mein Auge ein Lächeln warhnimmt, das noch nicht gelächelt, das noch nicht in Auftrag gegeben, das sich unter der Tür durchgeschmuggelt hat wie einer dieser vorwitzigen Sonnenstrahlen früh morgens, bevor der Wecker seine Stimme erhebt.

Die Nächste bitte

Auch wenn du dich jetzt nicht angesprochen fühlst, du bist gemeint. Du, der du mir näher bist als andere, der du mir Antwort stehst und Widerrede in vielen meiner Selbstgespräche, der du den Ton zwei Oktaven tiefer ansetzt und das Abendessen am liebsten drei Stunden später, als mir lieb. Wir finden uns trotzdem so unverhofft wie unausweichlich.

Gerne wieder.