Gegenwart

Lass deinen Duft da wenn du gehst

Lass deinen Duft da wenn du gehst | © Anne Seubert

Ich mag deinen Duft. Ich erinnere mich genau an den Moment, als du mir mit diesem Satz meine Duftmarke in Gewahr riefst. Ins Bewusstsein, nicht etwa in Erinnerung, denn es war das erste Mal, das ich gewahr wurde, einen eigenen Duft auszuströmen. Einen, den du mochtest, so sehr, dass du mir in den Park gefolgt warst.

Ich ihn, diesen deinen Duft, den du aus dem Ärmel ziehst, wenn man dir nahe kommt. Den du wie den Schalk im Nacken sitzen hast, und nur in homöopathischen Dosen zum Nachtmahl servierst. Beim Aufstehen etwa. Ich mag was du du drunter trägst und wie du es im Laufe des Abends ablegst, erst die Handschuhe,  dann die Contenance, schließlich die Stimme, die plötzlich leise werden darf, dann stumm.

Ich mag sie, diese Zwiegespräche, die erst beginnen wenn der andere stirbt. Wenn nur mehr der Duft ahnbar und das Lächeln, aber das Gesicht schon nicht mehr. Ich mag auch die anderen, mit denen man die Zeit überbrückt, bis man den anderen wiedersieht. Auch die temporären, die sich ins Schweigen schmiegen, wenn wir ihm zeitgleich Raum geben. Zuweilen werden aus den einen unmerklich die anderen. Und vice versa. Manchmal ist es dann gut und das kann man riechen.

Lass deinen Duft da wenn du gehst, versprichst du mir das?

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