Gelage

Fütterung der Zukünftigen

Licht | © Anne SeubertA wanderer is man from his birth.
He was born in a ship
On the breast of the river of Time…
Matthew Arnold, The Future

In Gold? In Zukunft! antwortest du auf meine Frage nach den Investitionsempfehlungen und die Künftige öffnet ihre Türen. Zu war gestern, heute ist Tag der offenen Zukunft. Sie seien mehrere, geben Sie noch vor Eröffnung des Büffets bekannt. Kommet in Scharen, perlt es uns von den Lippen.

Komme was wolle,  mir reicht es,  grollt mein Frust noch zwischen den Kniekehlen,  da hast du schon gepackt und das Angebot angenommen,  das da Lastminute,  dabei war es die vorletzte,  ich habe es genau gesehen. Nun sind wir also unterwegs zu dieser Truppe, die da auf den Startblöcken steht, den Swimsuit in hightech, die Füße bloß, der Blick offen.

Ruhe in Fetzen, traut sich die Reiselektüre, mich zum Lächeln zu motivieren,  da weiss ich noch nicht,  wie ich die Todo-Liste aus der Gegenwart in die Zukunft schleuse. Mañana, my dear, ist das Warum längst außer Puste und der Sturm hat sich gelegt. Lass uns heute das Feuer bereiten, Leib & Seele an Bord holen und die um uns sammeln, die wir bei uns haben wollen.

Lass uns der Zukunft ein Bett ins Gästezimmer stellen, setzt du an, und ich bestehe darauf,  dass es ein Mehrbettzimmer wird und den Roomservice selbst zu übernehmen. Make yourself a home, flüster ich probeweise und weiss schon jetzt,  was auf dem Tablett liegen wird: Brot und Salz, ein Gruß aus der Vergangenheit und ein Stück Apfelkuchen mit Streuseln, die es in sich haben. Was, verrate ich noch nicht.

Let the Futures crumble!

Gemäuer

Reise in eine entlegene Zeit

Entlegene Zeiten | © Anne Seubert

Weite. Ein Wort, das verweilt. Erst am Gaumen britzelt und dann langsam sich ausbreitet, bis der Kopf erfüllt: Spiegel des Raums bis zum Horizont, der hier unverortbar, weit im Raum bleibt. Raum, der hier gleichzusetzen mit der Zeit, die er uns im Reisen mitnimmt, die die Reise in Anspruch und in Gewahrsam nimmt. Gott, gebe mir Reisen, Zeit und Raum und einen Himmel, und sei er nur geliehen.

Jenseits der Städte, erwartet uns ein dieser Himmel, in dem sich Wolken tummeln, zuweilen ungestüm aufbauschauen, zuweilen schüchtern um die Wette flausen, zuweilen auf einer unsichtbaren Glasplatte schlitternd und das in Zeitlupe. Eine Zeitlupe, die auch den Raum ins Visier nimmt und ihn sich ausdehnen lässt, Gedanken an Diäten weit hintanstellend. Man mag nichts als ausschreiten und diese und andere Gedanken auf Achse schicken. X, Y und Z.

Und dann ergibt es sich doch, dass man eintaucht. In einen Hügel, eine Blüte, eine Pfütze – Ü, ich hör dir trapsen – und die Gegenwart kurz blinzeln lässt in das, was sich da laszivst ausbreitet und hinter vorgehaltener Hand genüsslich aufstöhnt. Nur kurz, denn allzuviel Platz will man dem Jetzt nicht einräumen von dieser guten Zeit, die zu Recht kein Visum beansprucht, ja, ihren Namen nicht preisgeben möchte. Die ein Feld sein möchte, mit Furchen und Fabeln, zuweilen einen See offenbarend, dessen Ufer so entlegen, das immer geöffnet.


Musen: Kathrin Passig und Aleks Scholz und ihr Handbuch für Zeitreisende, Rowohlt 2020