Gemäuer

Stellenausschreibung

 Privatgrundstück | © Anne Seubert

Unter der Hand reiche ich dir die Koordinaten:
Gehe und suche die Stille, die der Atem birgt, wenn er Nanometer nur über der Haut zum Stehen kommt, am Hang einer Mulde, die du hinter dem Ohr trägst.

Schauern.

Auf den Kopf stell ich deinen Gedanken, den du mit dir trägst, seit du die Augen geöffnet und das Laken gehoben hattest, Zeit, ihn den Handstand üben zu lassen, meinetwegen für den Anfang noch gegen die Wand. Zeit auch, deinem Sehnen einen Hut aufzustellen, in den jeder Sonnenstrahl einzahlen darf, wenn er mag.

Sonnen.

Oder sünnele, wie der Alemanne in mir denkt und unwillkürlich schmunzelt. Es gibt sie, diese Stellen, die die Sonne die kennenlernen wird, die das Haar verdunkelt, oder die Scham. Stellen, die innen liegen, am Gaumen, am Innenschenkel oder eben in Mulden, die zittern, wenn dein Atem zu nahe kommt, oder ein Finger auf eine Brotzeit Halt macht. Halt ein, möchte ich dir lautlos zu verstehen geben und frage mich ob das nicht sichtbare Beben eine Sprache spricht, derer du mächtig und willig.

 

Gelüste

Da wo mein Arm die Biege macht

Party-Express, Calau | © Anne Seubert

Überland führst du deinen Atem in eine Provinz jenseits der Achelhöhlen, da wo mein Arm die Biege macht und nahe des Schulterblattes versandet. Versandet und übergeht in eine Rückenlandschaft, die Narben trägt und Gepäck über die Gleise, die mehr Abstell- als Ankunft, mehr Plattform als Weg. Wobei der über Felder führt, die gerade im Abendlicht, das du für deine Ankunft gewählt hast, Schatten zeigen, von denen keiner wusste, hinter denen man aber guten Gewissens Wurfkünstler vermuten darf und Kulissen, deren großer Auftritt erst noch kommt. Kommen mag, wenn du schon mal da bist und deine Fingerspitzen, die alles andere als spitz, die rund und warm und deinem Atem die Vorhut auf seinem Weg zum Grat, der sich ahnen lässt, wo es tiefer wird und Mitte.

Blatt für Blatt wendest du deine Geduld in Spucke und Sprache, der du gerade erst mächtig wirst, du der du das Land als Sprachloser, als Wegsuchender, als Tastender betratst und jetzt mitreden möchtest, was sag ich, mitsingen. Das A und O lernst du schnell, die Konsonanten liegen dir auch, nur das Betonen und Einatmen der Laute, die zwischen Rauschen und Rascheln, Flüstern und Fluten liegen, übst und heimlich mehrmals auf dem Weg zwischen Nacken und Schultergürtel, im Windschatten der Rotatorenmanschette.

Wieviele Knoten fragt die Eile noch, da lächelst du schon in der Gewissheit der Ankunft, als noch kein Land in Sicht, aber ein Stück Haut so groß wie ein Flugplatz und mindestens ebenso viele Landebahnen. Bahnenschwimmen mochtest du immer schon und jetzt mit dem Himmel als Abgrund über dir, legst du das Ohr nur noch tiefer in diese Haut, die da liegt und atmet und sonst eigentlich nicht viel mehr als dir Obdach ist oder besser Grund und Boden für deine Reise, die du angetreten bist ohne zu ahnen, dass diese Reise ein See, in den du tauchen möchtest, wieder und wieder und an den Lenden auftauchen und unter den Achseln, nur um wieder Luft zu holen für den nächsten Gang, der hier in einem Menü serviert wird, das von der Weinbegleitung nicht weiter entfernt sein könnte, als du von einer Wiederkehr.