Generika

Flora und Fauna des Bauchnabels

Deine Rippen haben sich zurückgezogen und wenn ich deinen Nabel untersuchen möchte, drehst du dich auf den Bauch. Jeden Tag weiß dein Bauch ein wenig mehr über mich, dein Magen am allermeisten. Suppen liebe ich, und Kartoffeln, und den Kaffee am morgen mit viel warmer Milch. Der Tag ist überfüllt mit Stille, mit Rudern und Rangeln. Jeden Abend aber wartet an der Haustür schon ein sturmbehäuptes Lächeln auf meine Lippen. Der Kühlschrank zum Beißen leer und dein Blick ein Wolkenknäuel. So wolkig, dass dein Bauchnabel feuchte Augen bekommt.

Ihr macht mir Angst und schlechte Laune. Ich mache mich kaputt. Wenn ich gewusst hätte, dass eine Nacht einem tatsächlich auf Jahre die Lust auf nackte Schenkelinnenseiten verderben kann, wäre ich nie. Ja, was eigentlich. Wenn ich gewusst – und nicht nur felsenfest geahnt – hätte, dass Liebe nicht heilt, hätte ich mich trotzdem darauf eingelassen? November, du stehst doch mal wieder mindestens blickdicht vor der Tür mit deinen elenden Nebelschwaden?!

Wie gut zu hören, gerade in Nächten wie diesen, dass auch Superman mitunter ganz schön traurig sein kann.

Gelüste

Lust auf Herbst?

Hier und heute nacht habe ich meine Flirtlaune wiederentdeckt. Sie hatte sich eingeigelt über die Sommermonate, und war daher blass wie am ersten Januarmorgen, als ich sie spontan zu einer Fahrt ins Blaue mitgenommen hatte. Sie sei ein Oktobermädchen, nuschelte sie zwischen zwei Heu-Halmen, die sich ihr ins Haar geflochten hatten, und meide direktes Licht. Das schattig Flackernde sei ihrs, das munkelnde Herbstlicht lieber noch als das backfischhafte Frühlingsleuchten.

Brauntöne möge sie, Grau auch und rauchiges Blau. Diese Tage, denen man die Gezeiten anmerkt, die zwar zart sein können aber ebenso rau, die sich treiben lassen, wankelmütig, wagemutig und zu allem bereit. Die den eiskalten November in sich tragen ohne die Maiwärme zu verleugnen, die strahlen können, dass einem Hören und Sehen vergeht, um einen im nächsten Augenblick zittern zu machen.

Sehnsüchtig erwartete erste laue Sommernächte liebt sie, an denen die Nächte noch kalt genug, um die übermütig bloß gelassenen Schienbeine mit Gänsehaut zu überziehen. Und mit Nüssen, Flammkuchen und Kerzenlicht zelebrierte Herbstabende, bei dem Brot und Lachen geteilt werden und etwaig anfallende Tränen in gute Hände fallen.

Der in Verruf geratene Blick über Schultern gefällt ihr besonders, halb Aufruf halb Abwinken. Der gezielte Blick zwischen dunkelwandigen Wimpern, der nicht fragt sondern antwortet. Der Fall warmen Stoffs über bloßen Schultern. Breiten Schultern. Braun gebrannten Schultern. Sie liebt festes Schuhwerk weit mehr als schlüpfrige Sandalen. Und ebensolche Jungs.