Gelüste

Frau was willst du? Meer!

Manchmal. Manchmal da sind mir tote Hunde egal, Stilfragen schnuppe, da wird mir mein Klempnerhemd zu eng. Da spannt es mir über der Brust. Da verlangt es mich nach weit Fallendem. Üppig Wogendem.

Solche Momente sind ja eigentlich prädestiniert für ausgedehnte Shoppingtouren made by frustrierter Hausfrau. Doch weit (sic!) gefehlt:
Die moderne junge Frau – ich – näht sich stattdessen händisch einen Kaftan mit Rüschenärmeln aus biologisch zertifizierten Sojafasern und macht einen auf Michelangelos Putte. So hat die oben genannte Brust nun wieder mehr denn ausreichend Raum sich zu heben. Und hernach zu senken. Nach dem tiefenreinigenden Seufzen.

Träum weiter, Mutti!

Manchmal aber ist jeder Fetzen Stoff einer zu viel, mag er noch so anmutig fallen. Dann reiß’ ich mir die Nähte, knöpf’ die Korsette auf und streif’ Faden um Faden die Zivilisation mir vom freiheitsraubenden Leibe.

So der Zufall will, hat frau dann just ein Stück Ozean zur Hand. Gischtglänzend salzig einen jeden zum Bade verführend. Falls nicht lässt sie sich ungeniert eine Pfütze regnen, in der es sich gar wohlig suhlt. Barbäuchig die Winterzeit missachtend und definitiv nackten Arsches.
Nicht ohne sich nach dem Bade einzumümmeln, jeden Quadratzentimeter zu schätzen wissend vom frischgebügelten Klempnerhemd, sehnsüchtig auf Flaschenpost wartend.

Gestern

gehaucht nicht gerührt

Eben noch den Russen um die Ecke gebracht, den Schweizer immerhin bis zur Straße. Dann endlich Frühstück, das wenn schon nicht sättigend, so doch wenigstens ästhetisierend. Ein Rumtopf am Morgen etc. Man ahnt stande pedes den Tag, der da folgen soll, noch weit vor dem eifrig blinzelnd bestrittenen Morgen, wäre da nicht F.
F wie Frühsport samt Sammelumkleide mit 1 Euro-Spind, Ü-62-Wassergymnastik zu Udo Jürgens und Strom für Nicht-Metaller (entspannend, schmerzlindernd oder kräftigend). Nicht zuletzt 2 Stunden SagG, Schwitzen an gewichtigen Geräten: wenn, dann Rinnsale.

Dann lange nichts inmitten wälderweise Schweigen.

Wenn nichts mehr hilft, einfach mal die Socken lockern, rät der grinsende Mann von gegenüber und wedelt herausfordernd mit einem Bündel Actionfilme. Aber Lockerheit und fremdes Leben ziehen nicht, schon gar nicht Actionheldenleben. Zumindest nicht auf die Beine. Es geht um kleinste Schritte Lebendigkeit, so schwer die auch mit Siebenmeilenstiefeln fallen mögen. Um Horizontschnipsel zwischen Bikinilinie und Tokelau, um zu füllende Stiefelspitzen und zu leerende Tränensäcke. Um Fingerspitzengefühl statt Frostbeulen und laszive Lust auf das stets ausstehende Morgen.

Zwischen dieses Morgen und das angestaubte Gestern gilt es ein Heute zu schieben. Darin: Brot backen, die nächste Woche kommt bestimmt.