Gegenwart

In deinem Gedicht

 

In deinem Gedicht
sitzt die Figur im Detail
Haben Orte Namen
Wohnen auf einer Karte
In deinem Gedicht
Lerne ich Flyover Countries auswendig

In deinem Gedicht
trägst du den Himmel um den Hals
einen Bruch in deiner Biografie
Lücken in deinem Arm
In deinem Gedicht
Lehre ich den Zweifel Intervallfasten

In deinem Gedicht
zelebrieren Geschichten den Mut zur Lücke
heben den Erzählenden aus seinem Schicksal
biegen ab solange die Vorfahrt vakant
In deinem Gedicht
Lehrt mich der Held auf dem Gleis das Warten mit Aquarium

In deinem Gedicht
verspricht die Sorge Aussergewöhnliches
gewinnt den Preis der Held an der Kreuzung
übernimmt die Angst das Subjektive
Nach deinem Gedicht
Will ich einzeln mit meinen Toten sprechen

 

Leseliste:
The National Grographic: The Surprising Origin of the Phrase ‘Flyover Country’

Gegenwart

Mit beiden Gänsefüßchen im Frühling

Mit dem ersten Zeitzeichen setze ich den ersten Fuß in ein Gespräch, bei dem du mich an der Hand nimmst und ich Luft hole. Zum atmen oder wie man das nennt, das da zwischen innen und außen hin- und herschwankt ohne seekrank zu werden, das gerade noch ganz tief in mir, einen Moment später deine Wange entlangstreicht.

Ohne an Land zu gehen auch, ohne heimisch zu werden, auch wenn du die Lippen leicht geöffnet hälst für den Fall der Fälle, dass ein Wort überschwappte, eine Silbe kenterte, ab und zu passiert das schonmal und dann tut Stille gut, von dieser hausgemachten, vollfetten, die dir die Lippen für Minuten versiegelt und auch danach noch glänzt.

Eine Widmung wünscht du dir zwischen zwei Zügen Luft, und ich springe an deiner Hand doppelt so weit an den Rand der Welle, die mich tragen wird, auch wenn du längst verflossen und der Wasserstand, das was zählt. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, Mist, Zahnlücken zählen doppelt, da kannst du noch so sehr aufblühen unter meinem Blick.