Gegenwart

Zapfenstreich

Kiss, Kiss | © Anne Seubert

Ich flüster’ dir Zimt, nein Kardamom zwischen die nackten Wimpern.
Wind und Wetter trotzend, Deiner Wange das Du anbietend

Du flaggst den Pony auf Halbmast, die Haarwurzeln sorgfältig gen Mekka tariert.
Komm!, sag ich und du: Erzähl! und die Geschichten schreiben sich als blinde Passagiere auf deine Haut.

Wir öffnen unsere Augen einzeln, Schüchternheit möchte zelebriert werden.
Ich sage die Zeit an, doch nicht den Raum, den du öffnest als du die Tür hinter uns schließt.

Gegenwart

Alles wird gut gegangen sein werden

Klopfzeichen. Das Nichts öffnet die Arme für eine Welt ohne Anleitung, ohne Zaun. Lass uns doch in der Mitte anfangen, das Dessert frisch aus dem Ofen und mit zwei Löffeln zwischen den Knien, sagst du, und öffnest die Tüte mit den Momenten, die Brücken ins Futur III sind und gleichsam Tafelrunde. Die Gegenwart faustdick hinter den Ohren haben, sich unmissverständlich an dich kuscheln, wispernd wie knuspernd, und dem Tag eine halbe Stunde – exklusiv versteht sich –  aus der gold gewordenen Hüfte leiern.

Manchmal weine ich sehr, fügst du an, und ich summe “das behalt ich für mich”.  Zeit, Fragen zu stellen, aber die Pflicht ruft ohne meine Nummer zu kennen und wie so oft ohne Gespür für den Moment.  Heute lege ich heimlich Veto ein, fordere Poesie auf dem Handout, Streicheleinheiten im Portemonnaie und einen Spaziergang To Go immediately.  Where is my forest?

Und plötzlich findet dich das Zarte, zwischen Buchhaltung und Speaker-Training hat es seine öffentlich zugänglichen Haltungsübungen eingetaktet, ein Lächeln auf den Lippen, als ob alles im Lot, der Gegenwart ein lässiges “Nimm dir” soufflierend: Mozzarella und Schokolade, Jahresanfänge und Liebesbereiter, Trockenshampoo und Wochen ohne Enden am Meer.