Gegenwart

Mitternachtshafen

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Morgen, fragst du und nennst die Stadt, eine Uhrzeit und die Koordinaten eines Hinterhofs. Es könnte spät werden. Ob ich Zeit hätte, ein Ticket läge bereit, one way. One way wurde mir erst klar, als es später wurde, Nacht, und der Barkeeper mehr von mir wusste als du. Ich blieb eisern nüchtern für zwei, lächelte wenig und übte das Du mit geschlossenen Augen. Die Promille brachtest  erst du aufs Tablett, da war schon Schicht im Schacht, aber die Tür schönerweise noch offen.

Die Bar blieb leer wie mein Glas voll, ich schlief heimlich vor und war dann doch nicht gewappnet,  als das Taxi hielt und der Hinterhof die Beine breit machte. Come as you are, sang Curt eben noch, da hattest du meine Hand schon im Griff und im Gehen noch das Herz vor uns ausgebreitet: einen ganzen Winter gereift, einen Sommer durchzogen von Stürmen, die man keinem Seemann wünscht.

Die Feuertreppe war bereits im Feierabend, der Fahrstuhl im Streik, die Antwort auf alle Fragen blieb Ja. Zeit, den Hafen zu feiern, das Meer auf die Sonnenbank zu verfrachten und endlich die Augen zu öffnen, Wecker hin oder her.

Gegenwart

Leibesvisitationen

Kommst du später noch vorbei? fragst du und ich zögere die Antwort hinaus bis du nachhakst und ich bestätige. Später schicke ich dann doch meinen Körper vor, der weniger fremdelt. Fremd bleibst du mir allerdings bis zum nächsten Morgen –den wir getrennt voneinander begrüßen – du mit Kippe am Telefon, ich unter der Dusche mit Verbeugungen gen Mokka,  aber dazu später. Auch ohne Verbeugungen hatten sich unsere Körper am Abend zuvor gut verstanden, so gut, dass weitere Leibesvisitationen anberaumt wurden, es gebe noch so manches.

So manches blieb unausgesprochen an diesem Abend, der kein Einzelfall bleiben wollte und das Später, das ich vorhin kurz ansprach, kam öfter zur Sprache, so oft, dass von Zukunft zu sprechen wäre, klänge das nicht so gewichtig, was dem Abend nicht gerecht, denn der kam ohne Gedanken aus, ohne Erwartungen, ohne Wut. Die Wut, die ich allzu oft am Handgelenk führe dieser Tage, statt Schmuck, die nicht weicht, egal wie weich ich werde, dabei ist Werden so was von 80iger und dein Leib, nach dieser ersten Visite zumindest, ein guter Grund die Gegenwart nicht so schnell wieder zu verlassen.

Verlass ist auf “so manches” sagst du am Telefon, als ich aus der Dusche komme und obwohl ich ahne, wie sehr Kontext hier eine Rolle spielen könnte, beschließe ich, manches hier und heute mal persönlich zu nehmen und voll und ganz auf mich zu beziehen. Es ist schließlich der Morgen, der auf einen Abend folgt, an dem sich zwei Leiber jenseits von zum Gehen- und Gebenlassen zurückgezogen hatten und das Wort außen vor gelassen hatten. Man hatte sich manches zu erzählen und ließ manches offen. Jetzt erstmal Mokka, manches braucht seine Zeit.