Gegenwart

die stufen bis zum stolpern

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wenn du kommst, flüchte ich. nacht für nacht, springer auf d4. flucht in den traum, den du ausspuckst, wie einen wein, der nur zum kosten. mich aber trinke, den kelch mit beiden händen zu den lippen führend. den finger auf der landkarte, die ich ausspiele wie meinen letzten trumpf.

gelb ist trumpf, schon immer gewesen, als die strassenlaterne noch auf gas und die nasszelle gefliest bis in die letzte intime fuge. es bleibt immer einer trocken, heute der silvaner, den du ad hoc verschmähst. die treppe knarrt störrisch, auch in der 23. etage noch, ich zähle die stufen bis zum stolpern und bleibe stehen.

absatz, diktierst du und drückst die stoptaste vor dem nächsten kapitel, das keinen zeilensprung, aber einen wasserfallkragen abbekommt. mehr ist nicht drin, das papier dünn und deine schokoladenseiten bekomme ich, keine kompromisse. das grosse d zickt, ich schüttel eine zweite nacht aus dem ärmel und lass dich schwarz fahren!

Gegenwart

Blickkontaktanzeige

Zärtlichkeiten am Steg

blickkontaktanzeigen würde ich sofort schalten, greifst du meine wortschöpfung kokett auf. welch vorlage! ich würde wimpern einsenden, nummeriert und in reihenfolge gebracht, meine telefonnummer ergebend, schreibe ich dir mit den fingerkuppen auf den sonnenbeschienenen rücken, froh, einen grund gefunden zu haben, dich zu berühren, und sei er auch noch so ausgedacht.

dass es deinen rücken träfe, war so nicht abgemacht, jammerst du heimlich, während meine fingerkuppen deine wirbelsäule entlangflanieren, sorgsam jede wendung verfolgend, die mulden aufspüren, das kreuz sondieren. tastend ob da nicht irgendwo ein halteverbot offen, über das man sich hinwegsetzen könnte, die festigkeit deiner haut selbst durch die winterbedingt im doppelpack für sicherheitsabstand sorgenden baumwollschichten.

als dein kreuz in die knie geht, ahne ich einen vorrundensieg und gönne meiner hand ein päuschen in der sonne. alle fünfe von sich gestreckt schafft sie wie unabsichtlich eine verbindung herzustellen, die mich wünschen lässt, dein rücken seie schwerhörig oder zumindest dement, so dass ich nichmal von vorne anfangen müsste. eine verbindung, die dieses vorhaben sofort obsolet erscheinen lässt, weil dein #pleasedontstop so lautlos wie unwiderstehlich schrill alle nebengeräusche übertönend mir meine finger lang werden lässt und weich, auf diesen leib ausschwärmend, der da auf frequenzen kommuniziert, die eine saite in mir zum tanzen bringen, die bis dato eher zu den kopfnickern zählte.

im tango nennen wir das eine umarmung.