Gegenwart

Häuptling Triebfeder

Trotz, der du in kaum einer Sprache
als Substantiv auftreten darfst, mir bist du
Ritter, Raubvogel, Rabenvater, du wüstes Wesen.
Deiner Zärtlichkeit macht mein Wortschwall keine Beine
nichteinmal nasse Füße,
Häuptling Triebfeder, du, schweigen machendes Herz!

Wenn ich in die Knie gehen möchte,
stehst du stampfend noch am Fluß
verlassener Argumente.
Wenn ich schreien möchte,
tanzt du, eins mit dem Sturm der
zwei Augen auf dich und eins auf mich geworfen hat
Wenn ich nachgeben möchte,
singst du aus voller Kehle zwei Oktaven zu hoch Lieder,
die dein Herz dir in die Blutbahn spült:
Pulsschlag für Pulsschlag
Basssoli nur schemenhaft imitierend

Ich möchte dir
Muse sein und Weib, Kraft
deines Amtes dir zu Füßen liegen
Keinen Altar dir bauen
Kein Testament dir schreiben
Keinen Schwur dir halten

Dich nicht lieben, aber leben
mit beiden Seelen mindestens
und der Schönheit
nicht des Augenblicks sondern der Gegenwart,
Schwert sein und Wünschelrute,
gegen Zukunft und Vergangenheit
gegen jede Form von Anstand
gegen Wahnwitz und Hohn
meine Stimme erhebend
und das Kinn.

Gegenwart

Betonung auf Abspann

In der letzten Reihe: ich, in dein Wortvermögen tauchend, deine Silhouette abtastend, Zungenspitze voran Schätze hebend, die du an die Wand geworfen hattest, den parkinson-geschüttelten Zeiger der rastlosen Wanduhr gänzlich um die Contenance bringend. Vor Mittags hieß es, den Platz zu räumen, das Du gewordene in die Sonne zu stellen, auszubleichen, bis nichts als Punkt, Punkt, Komma, Strich und ein paar Noten.

Appetit auch, den du um Vorbeigehen streichelst, wie einen altgedienten Hund, fast grollt er ebenso, nennt es Vorfreude, serviert auf Teller to be shared und dazu das Brot, das erst in Öl getunkt nährt. Blickfransen, die du klimpern lässt, weil du weisst, was mich frieren macht und da wird Schnee erst an dritter Stelle geführt, vor November sowieso nur ungern gesehen, weil Sonnenstrahl plus Haut plus Zeit zum Schmiegen und Schreiben verspricht: Wonne satt und Weite auf den Punkt bringt, der das Lächeln anknipst.

Lass dich ausziehen, uns laut auflachen und straucheln, Wonne verschenken und Lächeln eimerweise vor Linsen kippen, bis auch die letzte Trübung weich wird, rund und reibungslüstern, randvoll mit Randnotizen, die Nähe buchstabieren lernen und Sätze formvollenden: Doppelpunkt, ich will doch nur dich und das was du ankündigst: Einen Satz, der Beine hat, zwei am besten zum Rennen und Tanzen, zum in die Knie gehen und aus dem Knick kommen. Einen Bauch aus Substantiven, die du dir nur ausgedacht und mir ans Revers geheftet hast, den Ausschnitt betonend, den du besonders liebst: Adverbialpronomina im Abspann: Hier und da, dorthin und wieder auf Los!