Gegenwart

Und das Meer ändert seine Meinung

stehst da
wie einer, dem das leben vergessen hatte, einen auszugeben
wie einer, der vom wind erst gegen die wand gedrückt und dann ausgehöhlt worden war
wie der dogwalker, der jeden mittwoch meine immer gleichen gedanken mir durch den kopf gehen lässt

am herzen aber liegt einer, der, ich habe es nachgeschlagen, als der brockhaus noch als referenz galt, als fremdwort unter der den statussymbolen gilt

mit metaphern im puffärmel und stehkragen,
einer, der was stilfragen angeht, kurzen prozess macht
einer, der seine zehntausend schritte täglich an den horizont schickt und seine ungezählten küsse zu mir

im doppelten wortsinne dabei
der kellner einer, den du zum du aufforderst, noch ehe er die rechnung fertigmachen konnte
die erde eine, die wieder das meer vorschicken wird,  wie immer, wenn es stürmisch würde
und dieses meer, das sowieso noch dreimal mindestens seine meinung ändert, ehe
das land in sicht und wir unter uns

in meinem nächsten film aber sehe ich zu, der heilen welt wieder eine rolle zu geben, die himmel und erde in gleich große Stücke zu zerteilen vermag,
zefix!

Gegenwart

Scham und Schein

Meine Kunst schämt sich neuerdings
legt Make-up auf, bevor sie das Haus verlässt
achtet auf ihre Ernährung
verweigert Exzesse

Meine Kunst schämt sich neuerdings
trägt Sonnenbrille und Highheels
liest Fachpresse und Ratgeber
trainiert Selbstwirksamkeit

Meine Kunst fühlt sich schuldig neuerdings
des scheinbar zuvielen oder zuwenigen
ihrer Gedanken und Gefühle –
oder deren Abwesenheit

Meine Kunst ist sich selbst nicht mehr genug
fragt neuerdings nach
hungert sich durch
bleibt auf der Strecke

Meine Kunst fordert Farbe neuerdings
fällt aus dem Rahmen
ragt aus der Sammlung
legt sich auf die Lauer

Meine Kunst erfindet sich neuerdings neu
incognito
und erlaubt sich
im Winter zu blühen