Gegenwart

Hinter jedem Ohr ein Gedicht.

Ich möchte dir ein Ende bescheren, das keine Heldin braucht, keinen Schusswechsel heraufbeschwört, das endet, ehe es beginnt, und den Soundtrack vor vollendete Tatsachen stellt: Tusch!

Ich möchte dich zu einem Ernst verführen, der immer und immer wieder das Grauen zitiert, und doch dem Wunder eine Bühne bietet, dem Trotz ein Lächeln abstaubt, auch und gerade angesichts seiner Rechtschaffenheit.

Ich möchte dir ein Taktgefühl einflüstern, das deinem Schulterblatt die Möglichkeiten eines gelegentlichen Ausbruchs einverleibt, deine Fersen aus der Spur lockt, und dein Lächeln seine Anwesenheitspflichten ernst nehmen lässt.

Ich möchte dir ein Gedicht hinters Ohr pflanzen, das erst aufblüht, wenn du zu gießen vergißt, wenn der Lampenschirm das Licht zugedeckt und dein Herz meinem Meer das Du angeboten hat.

Gegenwart

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Es war einmal… ein schüchterner See, der nur dann und wann an die Oberfläche kam und auch dann nur leise. Der lieber Spiegel war als Bild, lieber Boden als Spielwiese, der das Wetter nahm, wie es war, und doch auch den schärfsten Blitz zu zähmen und den einsamsten Menschen sich umarmt zu fühlen lassen vermochte.

Der Himmel wagte nicht zu atmen, hielt Abstand und seine Wolken an, den See nicht mal in Gedanken zu touchieren, man ahnt wie schwer es ihnen fiel, wie sie im Halbdunkel die Ufer entlangstrichen, den Horizont immer wieder heimlich näherrückten, und im Morgengrauen die Tautropfen um ihre Berührungspunkte neideten.

Als eines Tages die Farben ihre letzten Urlaubstage abbummelten und die Bäume frühmorgens noch unbekleidet ihre Grounding-Übungen absolvierten, bezirzten sie die Atmosphäre kurz alle Schwerkraft und Thermik außer Kraft zu setzen und dem See eine Wunde zuzufügen, die nur sie wieder heilen könnten, seine Schüchternheit gleich mit, und versanken selbst noch ehe die Umarmung vollbracht.