Gegenwart

übermorgen hol ich mir der königin ihr kind

übermorgen hol ich mir der königin ihr kind;
heute aber wird geboren, gebogen und geborgt und zwar von der besten butter im land das salzige fett, das noch auf den lippen liebesbriefe schreibt, die erst im magen entziffert werden, der lösung näher als dem lachen am hörer, das dich weiter sprechen lässt, auch wenn du nichts mehr zu sagen hast, aber unendlich viel zu lernen.

leg nicht auf, leg zu, leg die grossmütter und väter übers knie, das selbst den rock um den verstand bringt und das wasser an land; es wird regen geben, verraten die wolken, die du ziehen lässt, wie einen alten hut, mehr krempe als claque, aber weniger zylinder sähe auch nicht besser aus. du weisst, wovon du sprichst, ich halte still und die stille im arm, bis du gehst und die alimente kaum bis zum morgen reichen, geschweige denn über nacht.

überland ziehst du denn auch den sturm und sein auge, das er ausgeworfen hat, auf alles was es wagt, den horizont in frage zu stellen oder den roten faden wieder aufzudröseln, als ob das der geschichte zu einem anderen ende verhelfen könnte, als den, den die zukunft in petto: das kind der königin, das feuer am gaumen und den regen der nacht, der beredt nach stille duftet und dich hält, dicht hält. dir die tür offen hält.

Gegenwart

blau in nöten

Morning in Gdansk | © Anne Seubert

herzblau zunächst
schulnotenblau dann
blitzableiterblau schließlich

heute mal blau in tüten

braumeisterblau immer
stehbluesblau nachts
tiefseetaucherblau auch

blaupause gefällig?

bärenklaublau barfuß
doityourselfblau zu hause
bügelbretterblau zwischen tür und angel

wer wenn nicht blau?

du aber angelst im liegen
zwischen uns das meer, aufgeschäumt, wie immer
an tagen wie diesen, an denen du den mund aufmachst
und alle stille küsst. küsst und weicht.

weicht und rückt, sich zurückzieht und dich an, in den schatten, was bislang farbe zeigte und jetzt oben ohne auftrumpft:
bist du ok?

gut ist alles andere und du zu weit weg aber wir halten still, was zittert und mordio schreit, lautlos wie gott sie schuf, diese bläue die du unterm herzen trägst wie andere leute die not.

ruhe in fetzen, my baby blue, don’t blush.