Gegenwart

Aufwachen und dem Tag schöne Augen machen

Aufwachen | © Photo via Good Free Photos

… und sich mit geschlossenen Augen noch in den Tag tasten, spüren was mich erwartet, spüren auch, was ich aus der Nacht mitgebracht habe. Erstmal leise Töne anschlagen beim Formulieren der Tagesroute: Wohin soll es gehen? Wen möchte ich mitnehmen? Hat der Tag seine Pläne schon preisgegeben?

Das Innenohrwetter abhören, die Gemütslage besprechen, erstmal nur mit mir, und das Nervenkostümchen aufbürsten. Musik für die ersten Stunden raussuchen, Feuer machen. Den Augen einen ersten Blick raussuchen, behutsam scharf stellen und der Welt Konturen zugestehend zunicken.

Auch einen Kaffee? Lieber Tee?

Dem Tag in die Puschen helfen und mir aus den Träumen. Hängt da nicht eine Sonne hinter den Wolken? Wärmt das Blatt da am Baum vor dem Fenster sich nicht gerade auf für den Wind, der sich für einen Besuch am frühen Nachmittag angekündigt hatte?

Schließlich die Decke zurückschlagen und sich eingestehen: Mit die schönste Zeit des Tages, n’est-ce pas?

Gegenwart

Alphabet der Augenblicke

Sisterhood | Berlin, Kreuzberg | © Anne Seubert

… mich an deine küsten küssend mit lippen, die in der sprache der wälder aufgewachsen: alphabetisierung durch berührung.

… mich an deinen strände stranden lassend mit einem leib,  dem das wasser perlmuttern bis zum hals: licht soweit dein auge tastet.

… mit einem atemzug deinem duft auf die spur kommen, fährten auf abwegen und unter wasser schmiegend, land schöpfend.

… mit einem tanz einen sturm heraufbeschwören, der dir die blätter von der haut fegend dein antlitz blosslegt: still wie gott es schuf.

… mit einem wort deiner stille eine burg bauen, in die der herbst einziehen möchte, regenschauer voran gänsehaut verbreitend, so dass du bebst und ich atme.

… mich an deine rundung schmiegen, da wo keine ecken und schon gar keine kanten, wo selbst die sonne blinzelt, die wolken im spalier.