Gegenwart

Wien macht Freunde

Danke Wien | © Anne Seubert

Manche Freunde nehmen dich nach 3,5 Jahren und 24 Stunden in den Arm als ob und du weisst, manches Ja muss gar nicht ausgesprochen werden um zu halten, und Wien steht Schmiere und grinst sich eins aus purem Sichtbeton.

Mache Freunde stellen sich in die Schlange für dich und auf den Kopf, lauschen Seemannsliedern und machen aus einem schnöden Montagabend einen Susi-Sorglos-Sonntag samt Live-Band namens Strottern, Standing Ovations und Sturm.

Manche Freunde waren eben noch Fremde, haben nur 45 Minuten Zeit, die reicht für Zitronenlimonade zu 3 Zigaretten, eine Gedankenreise nach Innsbruck und DEN Wetterbericht für Berlin und nach 43,5 Minuten steht fest, die nächste Limonade gibt es als Freunde und zwar bald.

Manche Fremde warten eine Stunde auf dich, um dir deine Fragen zu beantworten, die ihr vergessen habt, sobald ihr die Antworten erfunden und den Kaffee zum dritten Mal bestellt und plötzlich ist es Abend und die Ausstellung und das Abendessen wie selbstverständlich die Fortsetzung.

Manche Freunde nehmen dich mit in die Sommer ihrer Kindheit, in die Umkleidekabinen und an den Kiosk, wo es das Eis am Stiel der Wahl immer noch gibt und erzählen dir die Märchen, die den Sommer wieder jung machen und euch auch.

Manche Freunde halten still, bis du sie entdeckst, hinter der Säule, auf dem Berg, im Schloss – und sorgen so dafür, dass ihr euch im richtigen Moment begegnet, wenn die Bar geöffnet, der Weg geräumt und der Wein gekühlt.

Manche Städte halten mein Herz in beiden Händen und pusten jedes Staubkorn, das sich auch nur in meine Nähe wagt, kilometerweit weg, küssen Tränen ins Kopfloch zurück und rollen Teppiche aus, darauf sich 1000,5 und eine Nacht lang und breit machen, und Wunder immer Saison haben.

Wien, schau nicht so unschuldig, du bist so eine.

Gegenwart

Geh weiter!

Geh weiter | Anne Seubert

Männer, Mode, Maniküre? Dann halt nicht, dachtest du dir, beim Demel war ich eh schon und verliesst den 1. Bezirk noch vor Sonnenuntergang. Ich aber blieb und schlenderte von Aida zu Aida, da ein Spritzer dort ein Spitzbube und endete am Burgtheater, Galerie, 7. Reihe Mitte rechts in einem Aufschrei der Gewalten, so hinreissend, so karthatisch, dass die Wiener Abendluft hernach kaum ausreichte, unseren Kreislauf wieder zu stabilisieren.

Ach ihr Gassen und Graben, ihr Bars und Bordsteinkanten, haltet inne mit mir für den Moment zwischen sommers und Selters, Herbst und Habe die Ehre, es warten Tage auf uns, Schaum vorm Mund, Abendrot an der Krempe, die du nichtmal ahnst und ich noch nicht ernst nehme. Geht sich das aus?