Gelage

Mach die Augen nochmal zu und…

Mach die Augen nochmal zu und... | Anne Seubert

Selbst ein Abschied auf Zeit, richtet der Morgen die Sonne taktvoll auf den vor ihm liegenden Tag und dessen Besucher, lässt die Nacht sich unbeobachtet in ihre Gemächer hinter dem Horizont zurückziehen, backstage alles vorfindend, was sie sich gewünscht: Unbeendete Träume, ein noch warmes Bett und eine Decke die dichthält. So kann der Tag beginnen, Werk und Wort einzuhalten, den See glattzustreichen und die Segel zu flicken und zu hissen, wohlwissend, seine Zeit und unsere Aufmerksamkeit sind, Diven wie er, begrenzt, und die Bühne eine, die sich dreht!

Mach die Augen nochmal zu und nimm in den Arm, was da Baumstumpf am Ufer, unfähig übers Wasser zu wachsen geschweige denn über sich hinaus, mach sie beide zu, fest, 17 Knoten und eine Runde extra gedreht, bevor dem Strand einfällt, in den Spiegel zu schauen und Land zu entdecken, halte nicht ein, nicht Abstand, nicht den Atem an, schalte auf Durchzug.

Eine Runde für sich dreht der Morgen am Abend, im Pyjama bereits, das Butterbrot geschmiert und das Rot gebrieft, erst aufzutauchen, wenn die Nacht die Wolken auf Halbmast und den Mond halbiert. Der See hält dem Baum das Ufer vom Leib, das Antlitz vor Augen und die eigene Größe vor Augen, die zwei Dimensionen mindestens und bei Sonne auch einen Schattenwurf und eine Umarmung möglich macht. Jetzt bloß nicht fällen lassen, der nächste Frühling kommt bestimmt!

Gelage

Halbierte Deadline, doppelte Punktlandung

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man möchte die seriennummer halbieren und die deadline walken, deutsch ausgesprochen, und so richtig mit dem eigenen körpergewicht in vorleistung gehend, nicht aus den ellbogen heraus. man möchte dem himmel in den stimmbruch verhelfen und das rauchen am liebsten gleich wieder abgewöhnen, noch ehe die wolken mit nikotinfarbenen rocksäumen aufwarten. man möchte auch in der letzten reihe niederknien, das halleluja auf balsamierten lippen offenbarend, das schilf halm für halm im kahlrasierten nacken touchierend.

man möchte das amen aus der kirche locken und den fels in die brandung tunken, kopfüber, eisberg hin oder her. man möchte den kopf in die luft gucken lassen und zwar so richtig raus, bis es kalt wird hinter den ohren oder wieder grün, weil moos ansetzt – natürlich nur auf der windabgewendeten seite. man möchte kaschmir tragen und merino und das kalte nur als farbton, nicht aber auf der haut sich niederlassen mit diesem besitzanspruch, der ihm nicht zusteht qua körpertemperatur.

man möchte die stille in kisten packen, wie den wein, der im keller reift, links zwischen kartoffeln und äpfeln in kisten lagern, in müßigem braun. man möchte die schritte weit werden lassen und knirschen, auf dass der horizont wenigstens wissen könnte, dass da jemand auf ihn zukommt, wenn er es denn wissen möchte, statt mit dem waldrand zu flirten und dem ufer nachhilfe im linienziehen zu geben. man möchte in sich halten, was sich nicht aushalten lässt, nur teilen.