Gelage

Morgen ist vielleicht kein Tag mehr

Morgen ist vielleicht kein Tag mehr,
an dem ich ans Meer ziehen möchte,
keiner, den ich mit dir verbringen möchte,
keiner, der zuerst spricht.

Morgen ist vielleicht kein Tag mehr,
kein Kaffee im Bett,
kein Durchhalten, keine Runde mehr um den Block,
kein Abend am See.

Morgen ist vielleicht kein Tag mehr,
kein Abgleichen der Tagesziele,
kein Gewahrwerden neuer Möglichkeiten,
kein Wettlauf mit der Zeit

Morgen ist vielleicht kein Tag mehr
aber heute erwartet uns eine Nacht, die jeden Tag um den Finger wickeln würde.

Gelage

Snooze statt Aufsteh’n

guten Morgen | © Anne Seubert

Der Tod dreht sich nochmal um,
Snooze statt Aufsteh’n,
und wünscht sich den Kaffee ans Bett.

Wenn überhaupt dann später!
Am Viertel nach erkenne man den Akademiker,
der er noch nicht ist, aber das Potenzial ist deutlich erkennbar.

Also bitte! Wecker ist so was von 80iger
erfährt das Kopfkissen und ich schmunzele
über unsere Artverwandtheit.

Bei der Geburt getrennt, wäre zuviel verlangt,
aber immerhin steht sein Name zwar an meiner Tür,
allerdings nur im Kleingedruckten und nur ich erkenne seine Falten in meinem Gesicht, wenn ich morgens Schiffbruch erleide, das Weite suche und das Weiche finde: Dort wo die Tränen ankern, wenn zu Hause, und die Wangen das Rouge auflegen.

Jetzt aber, die Pflicht ruft, der Nacken macht sich bereit, zu tragen, was die Stunde schlägt,
die Weite packt ein und der Tod streckt seine Fühler aus: Ein guter Tag zum Sterben?

Ein guter Tag sieht anders aus, aber mit mir kann man es ja machen und auch diesem Tag die Chance geben, ein Ende zu vollbringen, ehe der Anfang Wind davon bekommt und heimlich loslegt.

Man soll den Tod nicht vor dem Leben loben,
aber wenn ich die beiden schonmal da habe, lasst mich den Kuchen backen, die Fenster öffnen und der langen Bank einen Vogel zeigen.

Der Tod dreht sich nochmal um,
Snooze statt Aufstehn,
und bekommt den Kaffee ans Bett.