Gelage

O Laus!

Seine Kniekehle schluchzte unterdrückt bei jedem Schritt, doch ganz Arzt, gab er dem Schmerz nicht nach, sondern machte die Kehle sich unbarmherzig beugen. Er duldete keinen Stillstand, blieb auf der suche, besessen von den kleinen Dingen, die ganze Universen in sich tragen. Und mochte er auch nach dem Wurme bloß getauft worden sein, erwar zu höherem berufen. Die Kniescheibe knirrschte, dem Trotz eine Oberstimme verleihend.

Denn egal ob Rune oder Muschel, Larve oder Setzling, er wollte sie alle haben. Sanft aber bestimmt säuberte er sie von eventuellen Schmutzpartikelchen, mumifizierte oder notierte er jedes Merkmal, vergleicht und misst, zertifiziert und präpariert sie zu Exponaten, um ihnen schließlich ihren Platz zuzuordnen. Regalboden für Regalboden, Schächtelchen für Schächtelchen füllte er den Raum bis unter’s Dach, auch noch in die kleinste Ecke hängte er Erkenntnisse und vom First ließ er es Fischschuppen regnen.

Das war lange vor unserer Zeit, es gab Kurioses in Hülle und Fülle, man kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Pflänzchen wurden bestimmt und Herbarien angelegt, Tierarten und –abarten klassifiziert und Kreuzungen herangezüchtet. Aus fernen Ländern, die Paradiesen anmuteten, gab es Perlmutt, das so glänzte und funkelte als wäre es aus edlem Gestein. Es gab Tinkturen und Öle zu erschnuppern, Wirkstoffe herauszudestillieren, es gab Leiber zu sezieren, Höhlen zu durchleuchten. Alles war neu und wundersam, rar und kostbar. Es galt, es zu präparieren, zu präsentieren, es galt, zu sammeln!

Was heute ein kid37 war damals wohl ein gewisser Herr Worm.

Gelage

Shanti aus dem Gulli

In letzter Zeit isst er häufiger Obst, und sogar Gemüse.
Trotzdem hat er mehr Geld als sonst.
Er geht immer dann aus dem Haus wenn der Laden um die Ecke gerade zugemacht hat, manchmal wundere ich mich darüber. Aber da er es jeden Montag und Donnerstag tut, bleibt das Wundern immer öfter aus. Er nimmt seinen größten Rucksack mit, leer, und manchmal kommt er noch mal zurück weil er die Taschenlampe vergessen hat.
Er duscht auch montags und donnerstags.
Und er leert unsern Müll. Das hätte ich nie gedacht.

Sie hat staubige Füße als sie zurückkommt. Nachts, so gegen drei. Dabei regnet es draußen. Sie murmelt was von Kaiserdenkmal und Stützgewölbe und riecht dabei eindeutig nach Christkindl-Glühwein. Sie zeichnet Sohlen in den Staub auf ihren Schuhen und nennt sie Gerlinde. Und Horst
Sie lächelt.

Salamander habe früher allen seinen Schuhen Namen gegeben, wird er plötzlich wach.
Er habe mit neun Herbert tragen müssen, dabei hätte er viel lieber Jens getragen. Und er möge überhaupt kein Nutella.
Er hat schon wieder die Handschuhe zwischen den Fingern.
Die blassblauen labbrigen Spülteile.

Nächstes Mal spare sie sich das Absteigen und flöge stattdessen eine Runde Ketten, lacht sie in die Stille. Das gäbe es da nämlich mit einem Eisbein in Zuckerwatte. Aber er lacht nicht. Lächelt nichteinmal. Gebrannte Mandeln, lockt sie weiter, Apfelpunschrauschen und Eisschollenlaufen.
Ohne Erfolg.

Kaiser Wilhelm wurde mal eben umgedacht, das Schloss besteht nur aus Pool und Bratwurst.
Dem Palast liegt ein kreischender Weihnachtsmarkt zu Füßen.
Und unter dessen Sohlen beleuchten Teelichter zarte Stalaktiten.
Eine halbe Straße weiter nur steht der Container.